Monat: Januar 2025

Maurice Ravel wollte einfach nur Klavier spielen

„Ravel blieb sein Leben lang unverheiratet und kinderlos; eine (nicht ausgelebte) Homosexualität wird angenommen“, ist im deutschen Wikipedia-Eintrag über den Komponisten zu lesen. Ob er Männer vorziehe, wird er in „Bolero“ von seiner langjährigen Freundin und Förderin Misia Sert gefragt. Er verneint. Für sie möchte er jedoch lieber Musik schreiben, als sie zu küssen.

Hat dieses Gespräch so stattgefunden? Hätte Maurice Ravel die Bezeichnung „asexuell“ für sich verwendet, wenn sie ihm zu Lebzeiten zur Verfügung gestanden hätte? Wie bei allen anderen historischen Personen gilt auch hier: Wir können es nicht wissen. Für ihren Film „Bolero“ hat sich Anne Fontaine entschieden, die Hauptfigur als einen Menschen darzustellen, der keinerlei sexuelle Anziehung empfindet. Am 6. März kommt der Film anlässlich von Ravels 150. Geburtstag in die deutschen Kinos. Der Verein erhielt eine Einladung, ihn im Rahmen einer Pressevorführung vorab anzuschauen. Ein frankophiles und musikaffines Mitglied nahm sie an.

Was im Verhalten des Komponisten lässt im Film darauf schließen, dass er asexuell sein könnte? Eine ganze Menge. Es mangelt nicht an Situationen, die eine erotische Spannung erzeugen könnten – das Öffnen eines Kettenverschlusses, der sich in Frauenhaar verfangen hat, einander auf der Klaviertastatur fast berührende Hände -, doch Ravel bleibt stets unbeeindruckt. Was andere in solchen Momenten von ihm erwarten, scheint er häufig gar nicht zu verstehen – ein Gefühl, dass vielen Menschen im asexuellen Spektrum vertraut ist.

Nach dem „Bolero“, Ravels berühmtesten Stück, ist der Film benannt. Er komponierte ihn ursprünglich als Ballett im Auftrag der Tänzerin Ida Rubinstein und schätzte ihn selbst nicht sehr. Er enthalte keine Musik, soll er gesagt haben. Im Film wird die problematische Beziehung des Komponisten zu seinem großen Erfolg damit begründet, dass andere die Musik als erotisch aufgeladen wahrnehmen. Dies stößt ihn ab, statt ihm zu schmeicheln.

Sehenswert ist der Film auch für Musikliebende jeglicher sexueller Orientierung. Maurice Ravel stellt hohe Ansprüche an die Orchester, mit denen er probt („Achten Sie auf den Rhythmus, lassen Sie sich nicht von der Melodie ablenken!“), und lässt sich sowohl vom Jazz als auch vom Lärm der Maschinen in einer Fabrik inspirieren. Es wird deutlich, wie sehr er unter seine Erkrankung litt, die ihn in den letzten Jahren seines Lebens immer mehr einschränkte und am Schaffen hinderte. Er starb 1937 nach einer Schädeloperation.

Warnung: Das titelgebende Stück verursacht einen hartnäckigen Ohrwurm!

Wählt Liebe in den Bundestag.

Gefühlt sind unsere Postings zu den Landtagswahlen und den Europawahlen noch nicht so lange her, da dräut schon eine verfrühte Bundestagswahl.

Ohne Wahlaufruf geht es nicht:

Liebe Menschen, egal welcher sexuellen oder romantischen Orientierung, bitte geht wählen.

Warum immer diese Wahlaufrufe?

Von Nichtwählenden wissen wir nicht, was sie wollen. Das kann als Gleichgültigkeit ausgelegt werden. Im schlimmsten Fall wird diese angenommene Gleichgültigkeit mit Toleranz verwechselt.

Und allen, die rechtsaußen sind, reicht echte oder gefühlte Toleranz, um menschenfeindliche Positionen und Desinformationen unter die Leute zu bringen. Was das Leben für Minderheiten gleich welcher Art äußerst unangenehm werden lassen kann.

Kreuze setzen statt Grenzen: Ohne klare Freund-Feind-Linien können weder rechte Positionen noch Populismus viel erreichen.

Wählt Liebe

Wir bitten daher gemeinsam mit dem CSD Deutschland zur Wahl demokratischer Parteien am 23. Februar unter dem Motto „Wähl Liebe“. Liebe, dieses eher diffuse Wort im Deutschen, ist nämlich nicht nur ein Gefühl, sondern kann auch eine Haltung sein: eine Entscheidung für Solidarität und Respekt. Eine Entscheidung dafür, Schwächere und Leisere mitzudenken und die Menschen in all ihrer Vielfalt zu achten.

Ein Slogan der Kampagne bringt das schön auf den Punkt: „Liebe auswählen und Wählen aus Liebe am 23. Februar 2025 bei den Bundestagswahlen.“

Demos für demokratische Wahlen und Vielfalt am 15. Feruar 2025 in vielen Städten.

Eine Woche vor der Wahl finden außerdem bundesweit verschiedene Demonstrationen und Kundgebungen statt. Denn: Wir sind da, wir sind viele. Und manchmal ist es gut, sich daran zu erinnern, dass eins in diesem Kampf für Gleichberechtigung and Akzeptanz mit echten Menschen verbunden ist.

Am Samstag, den 15. Februar um 11:55 Uhr gibt es in zahlreichen Städten Aktionen. Viele sind auf der Unterseite der Kampagne aufgelistet, einige nicht, denn nicht alle Veranstaltenden gehören zum Netzwerk der CSDs in Deutschland. Ein Blick zu euren lokalen Vereinen oder Initiativen lohnt sich also.