Samstag: Demoparade und Party
Das Wochenende der Stuttgart Pride 2026 begann für uns mit feinstem Wetter und komplexer Logistik. In leichter Euphorie hatten wir nämlich eine Demogruppe und zwei Tage Infostand angemeldet. Somit mussten Banner und Demowagen an ein Ende der Stuttgarter Innenstadt und die Standausstattung ans andere Ende. Wobei diese Partei erst einmal in den Rückstau vom noch nicht fertig abgebauten Wochenmarkt geriet und bei 30 Grad ohne Schatten 15 Minuten gut durchgegart wurde.
Am Infostand hatten wir ab 15 Uhr gut zu tun. Es gab ein paar Last-Minute-Flaggenkäufe. Menschen freuten sich über die Buttons und drehten am Glücksrad, um gegen unser Glossar anzutreten. Die Sticker waren zum Schluss aus, und auch von der Broschüre musste ich für den zweiten Tag nachfüllen.
Die Personen bei der Demo hatten es nicht ganz so einfach. Die Demo sollte um 14 Uhr starten, was diesmal auch gut klappte. Doch bis die Startnummer 150 aus AktivistA & AktivAro loslegen durfte, dauerte es bis 16 Uhr. Da waren die ersten Demonstrierenden bereits am anderen Ende der Strecke angekommen und belagerten die Info- und Getränkestände.
Ein paar Eindrücke von der Demo:



Ab 20 Uhr packten wir, ziemlich müde, aber ziemlich happy, alles ein und fuhren heim.
Sonntag: Networking unter Schock
Einige von uns erwischten die Nachrichten aus Berlin noch nachts, andere erst am nächsten Morgen. (Hier ein FAQ der Tagesschau zum derzeitigen Stand der Ermittlungen. CN für Gewalt und Merz’sche Scheinheiligkeit.) Die Autorin dieser Zeilen hatte mit Logistik wieder alle Hände voll zu tun, weshalb die volle Tragweite des Anschlags erst langsam einsickerte.
Während andernorts Queere Zentren und Gruppen mit spontan verlängerten Öffnungszeiten und ersten Trauerzusammenkünften reagierten, war die Stimmung in Stuttgart gemischt. Teils gute Laune, weil super Wetter und nette Leute, teils Bedrückung, denn neben der Trauer um die Verstorbene und Sorge um die Verletzten in Berlin waren auch schon erste Statements der Politik an die Öffentlichkeit gedrungen. Und, mit Verlaub, schon zu dem Zeitpunkt herrschte in manchen Köpfen neben einem „jetzt erst recht“ auch eine gewisse Menge Wut auf die derzeitige rechtslastige Politik vor allem, aber nicht nur, der CDU vor.
So verging der Sonntag mit Netzwerken, Aufklärungsarbeit, ein wenig Humor und unterliegender Grimmigkeit mit Trotzhoffnung. Hier ein dickes Lob an die Stuttgarter Polizei, die zwar die Präsenz erheblich erhöht hatte, aber dabei nicht unangenehm aufzufallen wusste.
Der CSD-Sonntag der Stuttgarter Pride steht traditionell im Zeichen der Aids-Hilfe. Um 17:50 Uhr wird üblicherweise den Opfern und Überlebenden der Aids-Krise gedacht. Selbstverständlich wurde dieses Jahr den Opfern von Berlin Platz eingeräumt. Auf dem Rathausplatz drängten sich dieses Jahr ungewöhnlich viele und ungewöhnlich stille Menschen. Selbst noch leicht neben mir, konnte ich den Mitgenommeneren unter den mir Bekannten wenigstens mit Umarmungen etwas Trost spenden.


