Ein Gastbeitrag von Markus (er) und Lynn (sie)

1. Akt: Hamburg Pride

Die diesjährige Hamburg Pride fand zeitgleich mit der diesjährigen World/Euro Pride in Amsterdam statt. Die Aktivitäten zur World Pride waren allerdings erfreulicherweise über zwei Wochen verteilt, sodass zwei von uns aus Hamburg noch anschließend nach Amsterdam gedüst sind. Aber der Reihe nach:

Die Hamburg Pride fand wie jedes Jahr am ersten Augustwochenende statt. Unser mittlerweile traditioneller AktivistA-Infostand ist immer eine spezielle Herausforderung, weil ein verlängertes Wochenende mit drei Tagen abgedeckt werden muss. Wie in den letzten Jahren haben wir den Stand unter der Flagge von AktivistA und mit tatkräftiger Unterstützung der Hamburger Aspec-Gruppe auf die Beine gestellt. Unser Standplatz war diesmal direkt neben dem LSVD. Wie immer gab es die unterschiedlichsten Besucher*innen. An dem einen Ende der Skala ein Pärchen, das sich erkundigte, welche Festivität hier denn eigentlich genau stattfinde, am anderen Ende viele aus unserer Community, die den Stand ganz gezielt ansteuerten. Was diesmal auffiel: Immer mehr Leute haben bereits grundsätzlich von Asexualität gehört. Öfters mussten wir aber bei den Begrifflichkeiten im tieferen Gespräch noch ein wenig nachjustieren.

Informationsstand von AktivistA

Zur Parade am Samstag hatte die Hamburger Aspec-Gruppe wieder eine Fußgruppe angemeldet. Wir waren diesmal sehr mittig eingereiht und sind daher für Hamburger Verhältnisse ungewohnt früh “schon” um 13.30 Uhr gestartet. Das Wetter war geradezu perfekt und auch bei der Parade fällt auf, dass wir jedes Jahr mehr Aspec-Menschen in der Menge entdecken. Sichtbarkeit macht eben einen Unterschied! Die Parade war nach dem Anschlag in Berlin eine Woche zuvor im Vorfeld emotional belastet, aber zum Glück lief alles ohne Zwischenfälle und sogar mit einer rekordverdächtigen Anzahl an Besucher*innen. Wir selbst waren ca. 20-30 Leute in der Fußgruppe mit ganz vielen Flaggen dabei.

Banner mit der Aufschrift

2. Akt: World Pride

Während Lynn für die Hamburg Pride den Besuch in Amsterdam nur unterbrochen hat, ist Markus (unabhängig davon) erst danach nach Holland gefahren. Ein Nachteil einer selbst organisierten Fußgruppe ist, dass man von den anderen Gruppen relativ wenig mitbekommt. Insofern ist es ein willkommener Rollentausch, anschließend einfach nur „mitzuschwimmen“ und sich durch die Veranstaltungswoche treiben zu lassen.

Fußweg in Regenbogenfarben am Bahnhof Amsterdam Sloterdijk

Der wohl spektakulärste Teil in Amsterdam, die Canal Pride, fand zeitgleich zur Hamburg Pride statt, sodass wir bei diesem Programmpunkt passen mussten. Auch der Überraschungsauftritt von Madonna und Kylie Minogue ist uns damit entgangen.

Dafür hat die NOA ein Mega-Rahmenprogramm für Besucher*innen aus unserer Community auf die Beine gestellt. Das setzt Maßstäbe, falls wir die World Pride 2032 in Berlin erleben sollten. Lynn hat an einigen der Veranstaltungen teilgenommen, aber auch ein paar ausgelassen: Neben der Canal Pride (Samstag) hat sie auch auf den Besuch des Efteling Themenparks (Montag) verzichtet und von den Ace Talks (Sonntag) nur die letzten beiden mitbekommen.

Den Auftakt hatte die World Pride Week am Freitagabend mit einer Veranstaltung zum gegenseitigen Kennenlernen. Am Mittwoch gab es eine Schnitzeljagd zu verschiedenen Orten queerer Geschichte in Amsterdam, die sich auch für diejenigen, die aus Amsterdam und Umgebung kamen, als interessant herausstellte. Tags darauf stand eine Wanderung (oder als Alternativprogramm ein Besuch im Artis Zoo) an. Der Freitag begann mit einem Besuch im Rijksmuseum. Für die anschließende Tour durch das IHLIA-Archiv (das größte queere Archiv in Europa) hat Lynn leider keine Karte mehr bekommen.

Dank der gemeinsamen WhatsApp-Gruppe gab es auch neben dem offiziellen Programm zahlreiche Treffen. Unter anderem eine spontane Einladung zum Pizzaessen bei einer der Organisatorinnen zu Hause. Mit den ersten Leuten hatte sich Lynn kurzfristig schon am Donnerstag vor dem eigentlichen Beginn getroffen. Insgesamt eine sehr gelungene Woche, mit zahlreichen Aspec-Personen aus allen Teilen Europas. Es wäre toll, sich spätestens in Turin wiederzusehen.

Markus hat sich am Mittwoch stattdessen der kostenlosen „silent“ Rollerdisco (sprich DJ-Musik über Kopfhörer) im Pride Village angeschlossen.

Am Samstag war der Abschlusstag mit dem World Pride March, an dem wir beide teilnahmen. Dieser war deutlich kleiner als die Canal Pride, aber wir waren trotzdem eine ca. 30 Leute große, bunt international zusammengewürfelte und ich denke sehr gut sichtbare Aspec-Gruppe. Auch Yasmin Benoit war mit dabei. Da habe ich mich dann ein wenig geärgert, dass ich nicht mein „this is how aroace looks like“ T-Shirt am Start hatte. Das hat wirklich Spaß gemacht.

Wehende Flaggen: ace, aro und aroace

Und hier schließt sich der Kreis: Ein paar Flaggen von der Hamburg Pride waren nämlich auch in Amsterdam zu sehen, übrigens auch vom CSD Sachsen-Anhalt. Generell positiv ist mir an dieser Parade aufgefallen, dass sie sehr kulturell divers war. Am Museumplein angekommen rundete das (kostenpflichtige) Abschlusskonzert den Tag und die Pride dann ab.

Festgelände mit großem Schild

An dieser Stelle noch einmal ganz dicken Dank für die vielen Unterstützer*innen bei „unserem“ CSD in Hamburg und an die NOA für das tolle Rahmenprogramm! Eine tolle Woche mit Kaiser*innenwetter.

Bunte Plakate mit zur Pride passenden Slogans auf Englisch