Schlagwort: Queer Refugees

IDAHOBALT*I+ — Internationaler Tag gegen Queerfeindlichkeit 2026

Zunächst einmal: Wir wünschen euch allen einen guten, erfolgreichen Aktionstag gegen Homo-, Bi-, Trans-, Inter-, Aspec*- und Lesben-Feindlichkeit 2026!

Zunächst hieß der 17.5. der „Internationale Tag gegen Homophobie / IDAHO“, um jenen Tag 1990 zu feiern, als die WHO endlich beschloss, Homosexualität von der Liste der Krankheiten zu streichen. Im Lauf der Jahre hat die Abkürzung einige Buchstaben hinzugewonnen – zuletzt in manchen Ecken der Bundesrepublik das A (für ace, aro und agender Personen) und ein L. Und ein Pluszeichen. Denn die Liste der Diskriminierungsformen ist damit leider nicht zu Ende. Manchmal erscheint daher auch ein IDAQ – Internationaler Tag gegen Queerfeindlichkeit.

Ein Meer aus kleinen Pride-Flagen, die in Kuchenstücken stecken.
Friedliches Flagenmeer mit ordentlich Kuchen – so was wäre uns lieber als Protesttage.

Letztes Jahr stand bei uns die Ace- und Aspecfeindlichkeit im Fokus – auch wenn wir lieber hätten, dass der ganze Aktionstag seine Berechtigung verliert.

Internationaler Tag gegen Queerfeindlichkeit mal anders

Dieses Jahr haben wir ein Thema für euch, das vielleicht erst einmal überrascht: Queere Geflüchtete. Es gibt immer wieder Stimmen, die asexuellen Personen vorhalten, dass wir ja „eh nichts machen“ würden (in Sachen Sexualität). Also hätten wir keinen Grund, bei CSDs auzutauchen oder vor Repressionen zu fliehen.

Abgesehen davon, dass nicht alle von uns grundsätzlich nichts mit Sex am Hut haben: „nichts machen“ kann ebenfalls ein ganz schöner Aufreger sein.

Daher hier ein paar Lesetipps mit Content Notes: Diese englischsprachigen Berichte thematisieren acefeindliche Vorurteile und gewaltvolle Handlungen gegen asexuelle Menschen.

Aces in Indien kämpfen beispielsweise gegen einen ganz anderem Druck zu heiraten als die meisten deutschen Personen.

Und wenn eins dachte, dass Deutschland in Sachen Asexualität eine Infowüste ist: Die arabischsprachige Welt kann das auch. Die verstreut lebenden Beteiligten in diesem Artikel über @asexarab – eine Initiative arabischsprachiger asexueller Menschen – erinnern mich an die Anfangszeiten des englischen AVEN-Forums vor 2003, wo die Aktiven über den halben Globus verstreut lebten. Hier findet ihr den Linktree von @asexarab

Eine der beteiligten Personen lebt übrigens mittlerweile in Deutschland, weil sie aus dem Irak fliehen musste, und engagiert sich bei baraka. Dieser Treffpunkt für internationale queere Personen ist beim Rubicon in Köln angesiedelt.

Unabhängige Asylberatung muss bleiben!

Und damit sind wir bei einer politischen Entwicklung, die unsere Besorgnis erregt.

Erst 2023 hatte sich das Innenministerium in Deutschland dazu durchgerungen, flächendeckend eine unabhängige Asylberatung zu finanzieren. Personen außerhalb von Behörden konnten so Schutzsuchende über Rechte und Pflichten im Asylverfahren aufklären – eine eigentlich für alle Seiten sinnvolle Regelung. Zum Weiterlesen haben wir hier einen Hintergrundartikel der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege.

Diese Struktur soll nun gestrichen werden, was die Verfahren unter anderem wieder undurchsichtiger machen würden.

Bei diesen Kürzungen und Umstellungen im Rahmen einer Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) gibt es offenbar noch ein weiteres fragwürdiges Vorhaben: Die Behörden (vor allem also die Polizei) sollen eigenständig einen „besonderen Schutzbedarf“ feststellen. Ganz ohne unahängige Beratung. Dies betrifft neben z. B. Minderjährigen auch queere Geflüchtete. (Background-Infos zu besonderem Schutzbedarf hier.)

Schon jetzt haben deutsche queere Personen Probleme mit der deutschen Polizei – und diese Reibung zwischen Law & Order und Queerness soll sich in Luft auflösen, sobald eine Person keinen deutschen Pass hat? Eher unwahrscheinlich.

Wenn ihr also am 17.5. oder später auf die Straße geht: Die Reform des GEAS bekommen wir nicht mehr gestoppt, aber gegen die angedachten Kürzungen lohnt sich der Protest.

Netzwerk LSBTTIQ?

In der Spalte rechts sind „Kooperationen und Netzwerke“ aufgelistet. Anlässlich der Tatsache, dass am 24. Januar ein Plenum des Netzwerks LSBTTIQ Baden-Württemberg stattfand, wollte ich erläutern, was wir dort tun und noch einige Hinweise geben, was gerade so ansteht und wo das Netzwerk u.a. sich über Input freuen.

Netzwerk wie bitte?

Das Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg ist ein Zusammenschluss von Vereinen, Initiativen und Gruppen, die sich, wie der Name schon sagt, in BaWü für lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transgender, intergeschlechtliche und queere Menschen einsetzen.

Da es kein „A“ gibt, gehört AktivistA derzeit zur Buchstabengruppe Q wie queer – auch deswegen unser Statement diesbezüglich vor einiger Zeit.

Wieso Theater um die Buchstaben?

Die Buchstabengruppen sind insofern von Interesse, da sie, sofern Kandidat*innen zur Verfügung stehen, zwei Personen im Sprechendenrat stellen dürfen. Der Sprechendenrat ist das, was bei Vereinen der Vorstand ist, also die Geschäftsführung und das Ausführungsorgan des Plenums.

Das Plenum ist die Gesamtheit aller Mitglieder, die bei einer Plenumssitzung anwesend und stimmberechtigt sind. Heißt, das Plenum legt die Ziele fest, der Sprechendenrat setzt sie um.

Und, was könnt ihr an Erfolgen vorweisen?

Erreicht wurde unter anderem ein Aktionsplan „Für Aktzeptanz und gleiche Rechte“, und drei Jahre nach Gründung bekam das Netzwerk letztes Jahr eine Geschäftsstelle zur Koordinierung, und um den Sprechendenrat zu unterstützen, denn das ist ein Job mit nicht unerheblichem Zeitaufwand. Es gibt Treffen, Meetings mit Abgeordneten und Menschen in der Verwaltung, Pressemitteilungen und Gedrucktes müssen vorbereitet bzw. geschrieben werden, etc.

Die politischen Erfolge sind zum Teil der wohlwollenden grün-roten Regierung in Baden-Württemberg zu verdanken. Wenn also geneigte Leser*innen vorhatten, am 13. März zu Hause zu bleiben: Bitte geht wählen. Eine Entscheidungshilfe bietet der Wahl-O-Mat.

Und wer lieber die Trillerpfeife auspackt, schaue sich das Bündnis „Vielfalt für alle“ an, das gegen die „Demo für alle“, also die sogenannten „besorgten Eltern“ ein Zeichen setzen will. Leider gibt’s derzeit nur eine Facebook-Seite, daher verweise ich an den CSD Stuttgart für Infos außerhalb der Anmeldeschranke.

Wolltest du nicht Input?

Thema: Beratung

Was die Beratung angeht, baut gerade eine Honorarkraft eine Datenbank zum Thema Angebote auf – wer also von Therapeut*innen, Beratungsstellen oder Selbsthilfegruppen weiß, die A_sexuellen verständnisvoll gegenüberstehen und das Recht auf Selbstdefinition anerkennen, bitte kontaktiert uns am besten durch einen Kommentar hier, wir melden uns bei euch und/oder leiten die Info weiter.

Thema: Geflüchtete/Flüchtlinge

Ganz neu ist eine Themengruppe Refugees. In diesem Zusammenhang wollte ich auf zwei Links aufmerksam machen.

Die Rainbow Refugees und die Queer Refugees benötigen unter anderem noch Übersetzer*innen, genauso wie Gruppen, die melden, wenn sie Beratung anbieten oder allgemein für Geflüchtete aus dem Queerspektrum offen sind, denn queere Geflüchtete freuen sich über Sozialkontakte, die diesen Teil ihrer Schwierigkeiten nachvollziehen können. Was letzteres angeht, ist AktivistA leider zu sehr verstreut, aber vielleicht ist wer von euch Teil einer besser lokalisierbaren Gruppe.