Schlagwort: Fehlinformationen

Asexuelle Awareness mal anders: Die neue Mecker-Funktion bei AktivistA

Zuerst: Eine schöne Ace Week wünschen wir euch allen!

Passend dazu wollen wir unsere neue Mecker-Funktion vorstellen.

Megaphone Sound Waves

Seltsamer Name, nicht wahr? Eigentlich funktioniert es so: Ihr beklagt euch bei uns über andere, damit wir denen schreiben.

Denn wir wissen: Über Asexualität und das asexuelle Spektrum kann ein Mensch ganz schön viel Unfug erzählen. Angefangen damit, dass wer das Spektrum unterschlägt. Hinzu kommen manchmal unpassende und veraltete Definitionen. Manche Menschen verwenden „Asexualität“ falsch oder setzen „asexuell“ als Beleidigung ein. Manche Menschen behaupten sogar, unsere sexuelle Orientierung heilen zu können.

Das alles ist zwar Sichtbarkeit, aber es ist keine gute Sichtbarkeit.

„Bildung und Aufklärung“ heißt auch zu schauen, ob es falsche Informationen gibt.

Vor allem, wenn sie von offizieller Seite verbreitet werden, tun die richtig weh.

Was meinen wir mit „offiziellen Seiten“? Medien wie Radio- und Fernsehsender, Online-Zeitungen und Magazine. Auch Behörden und andere Organisationen haben schon von uns Post bekommen. Also Leute, die es eigentlich besser wissen und ordentlich recherchieren sollten.

Leider können wir nicht überall sein. Viele Seiten erscheinen zum Beispiel nicht in einem Google-Alert. Da sind wir auf euch angewiesen. Wenn ihr also merkt, dass eine offizielle Seite unpassende Informationen streut: Sagt uns Bescheid.

Wir haben neu auch ein Kontaktformular dazu.

 


Wer sich jetzt fragt, was das mit der Ace Week soll: Hier ist die Seite der Organisation.

Image by yogev meckler from Pixabay

Offener Brief zum Podcast Nummer 35 „Asexualität“

Sehr geehrtes Team der Rheinischen Post, sehr geehrte Frau Kader-Tjijenda,

Ich schreibe Ihnen im Namen von AktivistA n.e.V., dem Verein zur Sichtbarmachung des asexuellen Spektrums.

Vor Kurzem hat mein Suchmaschinen-Alarm zum Thema „Asexualität“ mir Ihren Podcast vom 16. Mai in den elektronischen Briefkasten gespült. Da mein Verein immer auf der Suche nach fundierten Informationen ist, die wir verlinken können, habe ich mir den Podcast #35 angehört.

Ich muss gestehen, dass wir als Verein die Botschaften, die Sie mit dem Podcast verbreiten, für überaus fragwürdig halten.

Erstens hat sich keine der beteiligten Personen die Mühe gemacht, sich mit der Definition von Asexualität auseinanderzusetzen, die derzeit innerhalb der Communities und der Wissenschaft verwendet wird. Stattdessen wird Asexualität mit „keine Lust auf Sex“ erklärt, was aber nicht korrekt ist.

Zweitens herrscht innerhalb der Wissenschaft zwar keine Einigkeit, ob Asexualität eine sexuelle Orientierung ist, als eine Entwicklungsstörung betrachten es die renommiertesten Forschenden auf dem Gebiet aber keinesfalls. Egal ob es eine sexuelle Orientierung ist oder nicht: Es funktioniert wie eine. Es ist ein meist überaus stabiler Mangel an sexueller Anziehung, und es gibt dafür auch biologische Indikatoren. (Wie homosexuelle Menschen sind beispielsweise mehr asexuelle Menschen nicht rechtshändig als der Durchschnitt.) So etwas wäre ohne Probleme nachzulesen oder bei uns als Verein zu erfragen gewesen.

Drittens verbreiten Sie die Nachricht, dass Asexualität zu therapieren sei. Wir halten diese Behauptung für irreführend.

Sie erklären, dass Sexualität erlernt werden könne, wie beispielsweise Fahrradfahren. Müsste man daher homo- und asexuelle Menschen nur richtig konditionieren, damit sie heterosexuell werden? Könnte man die allosexuelle Person (also die nicht-asexuelle Person) in einer gemischten Beziehung nicht entkonditionieren, damit sie wieder asexuell wird? Wieso sollte sich nur eine der beteiligten Parteien anpassen?

Viertens ist es so, dass viele asexuelle Menschen sich mit sexuellen Handlungen unwohl fühlen und sich eindeutig mit dem Versuch schaden, entgegen ihrer Neigungen zu leben. Sie leiden unter dieser Selbstverleugnung und lassen Grenzüberschreitungen zu, um nicht negativ aufzufallen. Wenn Sie eine Behandlung anpreisen, verursachen Sie damit immensen Druck auf asexuelle Menschen, sich weiter zu verbiegen und sich einer für sie wahrscheinlich schädlichen Therapie zu unterziehen. Sie erhöhen den Normierungsdruck auf Menschen, die ohnehin schon mehr oder weniger unter Minderheitenstress leiden.

Wir wüssten gerne, woher Claudia Kader-Tjijenda die Thesen hat, die sie vertritt.

Fünftens hätten wir uns gefreut, wenn Sie nicht über, sondern mit uns als sexueller Minderheit gesprochen hätten. Dass Sie es nicht getan haben, zeigt uns genauso wie Claudia Kader-Tjijendas Thesen, wie gut die Vorbereitung war und was Sie von asexuellen Menschen halten. Es hätte sich wohl gelohnt, wenn Sie sich mit unserem Verein, Vivian Jückstock, Dr. Andrea Burri vom ISCSS Zürich oder mit Annika Spahn in Verbindung gesetzt hätten, die sicher aufschlussreichere Erklärungen zu bieten gehabt hätten. Wir hätten Ihnen allerdings nicht versprechen können, dass Asexualität wieder weggeht.

 

Mit besten Grüßen,

der Vorstand von AktivistA n.e.V.

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