Kategorie: Asexualität

Aktivitäten zum 1. Internationalen Tag der Asexualität morgen

Morgen ist es schon so weit: Wir feiern den ersten Internationalen Tag der Asexualität!

Dementsprechend gibt es von Organisationen von Chile bis Indien Angebote. Egal ob Lesen, Livestream oder Diskussionsrunde: Es sollte für alle was dabei sein. Die Links zu den Veranstaltungen sind auf der Seite des International Ace Day zu finden.

Auf dem deutschsprachigen Discord findet ab 19:30 Uhr ein Sprachchat statt. Wer nach einem Arbeitstag einfach Unterhaltung sucht, kann stattdessen einer Lesung lauschen. Der Link zum Zoom ab 19:30 Uhr versteckt sich in dieser Facebook-Veranstaltung.

Grundgesetz für Alle: Jetzt mitzeichnen!

 

Für Eilige, die wissen, worum es geht: Mitzeichnen.

Moment, wie, Grundgesetz?

Die Fraktionen des Deutschen Bundestags beraten zurzeit über eine Änderung des Artikels 3, Absatz 3 Grundgesetz.

Wir erinnern uns, was da drinsteht:

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. (Quelle.)

Wieso ist das nicht „für alle“?

Als der Artikel entstand, erinnerte sich niemand an tausende von den Nazis verfolgte homosexuelle und trans Menschen. Der Paragraph des Strafgesetzbuchs, mit dem Männer verfolgt wurden, die Sex mit Männern hatten, wurde erst 1994 endgültig abgeschafft. Von einer rechtlichen Gleichstellung für alle sexuelle Orientierungen sind wir z.B. im Adoptionsrecht immer noch weit entfernt. Und dass sexuelle Minderheiten es nicht unbedingt einfacher haben, ist vielen von euch sicher am eigenen Leib bekannt. Unsere Gleichberechtigung ist also nicht ausdrücklich im Grundgesetz verankert. Das erlaubt den Gesetzgebenden, bei manchen Sachen nachlässig zu sein oder zu trödeln.

Ganz besonders heftig ist das bei trans und nicht-binären Personen — das Grundgesetz erkennt nur „Männer und Frauen“, und es darf nicht Auslegungssache bleiben, was „Geschlecht“ nun eigentlich bedeutet. Wie hoffentlich bekannt sein sollte, gibt es in ace Communitys einen hohen Anteil nicht-binärer Menschen.

Wir möchten, dass alle Menschen in unserer Community vom Grundgesetz geschützt sind. Deswegen ist AktivistA n.e.V. erstzeichnende Organisation von „Grundgesetz für Alle.“

Mitzeichnen?

Dann einfach zu grundgesetz-für-alle.de rüberklicken und Unterschrift druntersetzen. Damit alle merken, dass da endlich was passieren muss.

Internationaler Tag der Asexualität

ITA Logo

Hallo!

Wir freuen uns, den Internationalen Tag der Asexualität, ITA (International Asexuality Day, IAD), bekanntzugeben zu dürfen; einer global koordinierten Kampagne im Zeichen des Engagements für, der Feier von, der Weiterbildung über und Solidarität mit Asexualität, die jährlich am 6. April gefeiert wird.

Der Internationale Tag der Asexualität feiert das asexuelle Spektrum in seiner Gesamtheit: Asexuelle, demisexuelle, grauasexuell und alle anderen asexuellen Identitäten und wurde dafür ins Leben gerufen, um die Arbeit von Ace-Aktivismusbetreibenden, insbesondere in nicht-englischsprachigen und / oder nicht-”westlichen” Ländern, zu verbreiten!

Das Hauptaugenmerk liegt hierbei auf lokalen Veranstaltungen und Aktionen, die von den jeweiligen Gruppen der Länder gestaltet wird. Unter https://InternationalAsexualityDay.org/de/ listen wir die Organisationen auf, die an der Planung beteiligt sind, zusammen mit Kontaktinformationen und wie sich beteiligt werden kann.

Video/Vortrag: Asexualität und Sprache

Im Rahmen der AktivistA 2020 hat Jonas Trochemowitz seine Forschungsarbeit zum Thema Sprache vorgestellt. Der Vortrag heißt: „Nein, Niemals, Nicht, Kein. Die Rolle der Negation in der Versprachlichung von Asexualität.“ Wie oft kommen Verneinungen in Texten über Asexualität vor? Was sind die Stärken und Schwächen der Verneinung?

„Nein“ hat Vor- und Nachteile

Über die Ambivalenz von Verneinungen haben wir auch in der Diskussion hinterher gesprochen.

„Nein“ ist einmal eine Stärke, denn es gibt uns die Möglichkeit, Erwartungen zu widersprechen.Wir können damit unsere Grenzen schützen — sofern andere unser „Nein“ nicht bewusst oder unbewusst ignorieren.

Zum anderen bezieht sich „Nein“ immer auf etwas, das ich verneinen kann. Es existiert also nur wegen der Sache, die es verneint. Bestätigt es gerade dadurch die herrschenden Annahmen?

Wir fragten uns, wozu Definitionen da sind. Gibt es in der Community eine andere Wahrnehmung von Verneinungen als von außen? Und kann es sein, dass „ace“ so beliebt ist, weil es eben sprachlich positiv ist?

Beziehungen führen ohne Nein?

Von da aus kamen wir auf das, was eine teilnehmende Person „Beziehungsbox-Modell“ nannte. Dafür werden sehr viele Unterkategorien (Boxen) aufgemacht. Alles, was den Menschen in einer Beziehung wichtig ist, bekommt ein eigenes Fach. Sex? (Welcher?) Zusammen kochen? Eine Interesse an …? (Ich könnte beispielsweise wohl kaum mit Menschen leben, die meine Büchersammlung nicht respektieren, dafür aber jede Nacht im gleichen Bett schlafen wollen.)

Dadurch werden Verneinungen vermieden. Die Beteiligten können ihre eigenen Gewichtungen der verschiedenen Boxen gegeneinander abwägen.

Weiterführende Links und Literatur

DasTenna empfahl „Sprache und Sein“ von Kübra Gümüşay. Außerdem neu erschienen ist Angela Chens „Ace: What Asexuality Reveals about Desire, Society, and the Meaning of Sex“. (Vor einiger Zeit haben wir eine kurze Besprechung gepostet.)

Von da aus streiften wir außereuropäische Überschneidungen. Alle Links auf Englisch.

Eine Betrachtung von Ehen unter Frauen in China vor 1940.

Das Aze Journal kümmert sich gelegentlich auch um Konzepte aus älteren Kulturen.

Diverse Menschen aus Kanada, USA, Großbritannien, Deutschland und Israel beim International Panel der World Pride Asexuality Conference 2012.

Und ganz neu: Rassifizierte Menschen über Asexualität bei der UK Acesexuality Conference 2020. Die Person aus Indien hat Indian Aces mitgegründet.

Noch mehr Lesefutter: „Ace“ von Angela Chen

Vor einem guten Monat erschien auf Englisch ein Buch von Angela Chen namens „Ace – What Asexuality Reveals About Desire, Society and the Meaning of Sex“ (Beacon Press Boston, ISBN 978-0-8070-1379-3).

Da ich mir ja zur Aufgabe gemacht habe, beim Thema Asexualität wenigstens halbwegs auf de aktuellen Stand zu sein, habe ich es gekauft, und als Abschluss der Ace Week für euch eine Meinung dazu verfasst.

Wobei ich sagen muss, dass mich sonst das Cover mit diesen Flecken (Buntpapierfetzen wie früher im Kunstunterricht?) ein wenig abgeschreckt hätte. Mit dem Inhalt hat es jedenfalls erst nach einer Pause zum Nachdenken zu tun.

Kurze Inhaltsübersicht

Der Text liest sich sehr flüssig. Ausgehend von eigenen Erfahrungen hat Angela Chen einige Dutzend andere Aces interviewt und deren Geschichten in Fragestellungen an die US-Gesellschaft verwandelt:

Schadet die allgemeine Erwartung, dass Männer immer super versessen auf Sex seien, genau dieser Personengruppe?

Hat uns die sexuelle Befreiung uns wirklich freier gemacht?

Inwieweit haben wir Überschneidungen mit Vorurteilen gegenüber rassifizierten Menschen, Menschen mit BeHinderung, und religiösen Stereotypen?

Was bedeutet eigentlich „romantisch“? Wo ist die Grenze zwischen Romanzen und Frenudschaft? Und wieso ist Sex ein Maßstab bei der Bewertung, wie wichtig eine Beziehung sein darf?

Was ist „compulsory sexuality“ (Sexnormativität) und was ist hermeneutische Ungerechtigkeit? Wie verhindern unsere Vorstellungen von Sex und dem, was Menschen wollen, dass Menschen eben nicht das tun (oder lassen), was sie möchten?

Das alles bereitet Chen informativ und verständlich auf.

Sehr tröstlich ist auch die Einflechtung der verschiedenen Lebensgeschichten. Obwohl ich genug Aces kenne, tut es immens gut, ein paar Fragen und Probleme gespiegelt zu sehen, die ich auch schon hatte.

Mehr Kompendium als Erleuchtung

Der Witz ist, dass ich dieses Buch nicht unbedingt gebraucht hätte, und da werden manche ähnlich empfinden. Was Angela Chen zusammengetragen hat, wissen halbwegs aufmerksame Beobachtende der asexy Blogosphäre schon.

Ich selbst fand also in dem Buch sehr wenig neue Anstöße, sondern eher eine Zusammenfassung von klugen Gedanken, die ich bei oder dank der Asexual Agenda schon gelesen habe. Damit will ich Angela Chens Fähigkeit, pointierte Fragen zu stellen und Dinge zu beobachten, gar nicht in Abrede stellen. Es wird Menschen im asexuellen Spektrum geben, die diese Diskussionen nicht so genau mitverfolgt haben oder viel später dazugestoßen sind, und die dieses Buch dann umso mehr schätzen werden. Außerdem hat eine gedruckte, zitierfähige Zusammenfassung von Online-Diskussionen immensen Wert.

Was ist eigentlich die Zielgruppe?

Einerseits steht das erklärte Ziel des Buchs schon auf dem Cover: Wie können die Lebensgeschichten asexueller Menschen helfen, besser zu verstehen, wie die westlichen Gesellschaften in Bezug auf Sex ticken? Was können wir alle gewinnen, wenn wir Dinge aus einer asexuellen Perspektive betrachten?

Das heißt, die Zielgruppe sind vornehmlich Menschen, die sich nicht als ace begreifen.

Andererseits bin ich mir nicht sicher, ob es gelungen ist, diese Zielgruppe anzusprechen.

Was es aber zu tun scheint, und da sind Sara von the notes which do not fit und ich einer Meinung mit diversen Menschen, die bei Amazon Rezensionen hinterlassen haben: Es ist hilfreich für unentschlossene Menschen und solche, die ein nagendes Unbehagen mit den Erwartungen spüren, die uns die Sexnormativität aufbürdet.

Brauche ich das?

Kommt drauf an.

Wer sowieso schon alles zum Thema gelesen hat und sich mit der eigenen Selbstbeschreibung als ace wohlfühlt, braucht es nicht unbedingt und folge weiterhin den relevanten Blogs.

Wer einen kurzen und knackigen Einstieg in die aktuellen Debatten sucht, ist hier genau richtig.

Ebenfalls sehr sinnvoll erscheint es für jene, die überlegen, ob sie sich ins asexuelle Spektrum verorten sollen oder wollen. Wir finden hier all die Selbstzweifel und Einwände, die in dieser Findungsphase am drängendsten sind.

Insofern hat Angela Chen auf jeden Fall etwas getan, das mich das Hütchen lüpfen lässt: Ein Ratgeberbuch verfasst, ohne einen einzigen Ratschlag zu verteilen.

 

Eine etwas andere Meinung zum Thema hat Ace Admiral.

 

Crosspost bei carmilladewinter.com, aktivista.net und Amazon.

Lesefutter Reloaded

Anlässlich der Ace Week wollen wir unsere Rubrik „Lesefutter“ reaktivieren. Passend auch zu dunklen Abenden, an denen es schön ist sich gemütlich mit einer Tasse Tee und einem Buch auf dem Sofa einzumummeln. Die heutige Buchvorstellung ist ein Gastbeitrag von Dorace vom Aspec*German Discord, die so freundlich war ein paar Eindrücke zu „Loveless“ von Alice Oseman mit uns zu teilen. Viel Spaß dabei!

Heute möchte ich mit Euch meine Gedanken zum Buch „Loveless” von Alice Oseman teilen. Bevor ich es selber in die Hand nehmen konnte, habe ich schon zahllose Erzählungen von anderen gehört und gelesen die davon berichteten, sich zum ersten Mal durch ein Buch zutreffend repräsentiert zu fühlen. Ich war absolut gespannt, das Buch zu lesen, und was soll ich sagen: ich wurde nicht enttäuscht!

Bei Loveless handelt es sich um einen YA Roman, die Charaktere sind junge Studierende, und die Protagonistin, Giorgia ist aromantisch asexuell. Es ist nicht das erste Buch von Oseman mit Aspec Charakteren, wobei es in Radio Silence (worüber ihr unten auch eine kurze Vorstellung lesen könnt), eher nur eine Nebensache war. In Loveless aber, wie der Titel auch schon andeutet, geht es explizit um Giorgia’s Suche nach ihrer romantischen und sexuellen Identität. Es ist dabei auch interessant zu wissen, dass Oseman selber aroace ist. Giorgia ist sogar nicht mal die einzige Aspec Person in der Geschichte – es gibt eine weitere, die aromantisch bisexuell ist. Aber auch die anderen Hauptcharaktere weisen eine große sexuelle und ethnische Diversität auf, wie das eigentlich typisch für Oseman ist.

Auf dem Weg zum Herausfinden ihrer Identität begeht Giorgia viele Fehler, und fühlt sich mit ihren Ängsten alleine. Ängste davor komisch, anders, „broken” zu sein, und vor allem vor der Einsamkeit, was die meisten Aspec Leser:innen wahrscheinlich sehr gut nachvollziehen können. Freundschaft spielt in dem Buch auch eine sehr große Rolle, es wird sogar nach meinem Empfinden als etwas viel Stärkeres und Wertvolleres (oder zumindest auf der gleichen Ebene) als eine romantische Beziehung dargestellt. Obwohl es sich hauptsächlich um Jugendliche zwischen 18 und 20 handelt, spiegelte es auch viele meiner Gefühle mit Mitte Zwanzig wider. Was mich an dem Buch am Meisten begeistert, ist der Gedanke, dass viele Teenager und Jugendliche vielleicht zum ersten Mal ein Buch in der Hand halten, in dem sie detailliert über A_sexualität und A_romantik lesen können. Hoffentlich kann das Buch einigen Menschen helfen zu verhindern, in die gleichen Fallen zu tappen wie Giorgia.

Ich kann das Buch allen Jugendlichen stark empfehlen, die auf der Suche nach ihrer Identität sind, die sich auf dem asexuellen und/oder aromantischen Spektrum befinden und sich in den mainstream YA Romanen nie wiederfinden können. Das Buch loht sich aber auch für allen anderen Altersgruppen und Menschen, die einfach A_sexualität und A_romantik und die darum existierende Struggles und Schwierigkeiten verstehen wollen.

Asexuelle Awareness mal anders: Die neue Mecker-Funktion bei AktivistA

Zuerst: Eine schöne Ace Week wünschen wir euch allen!

Passend dazu wollen wir unsere neue Mecker-Funktion vorstellen.

Megaphone Sound Waves

Seltsamer Name, nicht wahr? Eigentlich funktioniert es so: Ihr beklagt euch bei uns über andere, damit wir denen schreiben.

Denn wir wissen: Über Asexualität und das asexuelle Spektrum kann ein Mensch ganz schön viel Unfug erzählen. Angefangen damit, dass wer das Spektrum unterschlägt. Hinzu kommen manchmal unpassende und veraltete Definitionen. Manche Menschen verwenden „Asexualität“ falsch oder setzen „asexuell“ als Beleidigung ein. Manche Menschen behaupten sogar, unsere sexuelle Orientierung heilen zu können.

Das alles ist zwar Sichtbarkeit, aber es ist keine gute Sichtbarkeit.

„Bildung und Aufklärung“ heißt auch zu schauen, ob es falsche Informationen gibt.

Vor allem, wenn sie von offizieller Seite verbreitet werden, tun die richtig weh.

Was meinen wir mit „offiziellen Seiten“? Medien wie Radio- und Fernsehsender, Online-Zeitungen und Magazine. Auch Behörden und andere Organisationen haben schon von uns Post bekommen. Also Leute, die es eigentlich besser wissen und ordentlich recherchieren sollten.

Leider können wir nicht überall sein. Viele Seiten erscheinen zum Beispiel nicht in einem Google-Alert. Da sind wir auf euch angewiesen. Wenn ihr also merkt, dass eine offizielle Seite unpassende Informationen streut: Sagt uns Bescheid.

Wir haben neu auch ein Kontaktformular dazu.

 


Wer sich jetzt fragt, was das mit der Ace Week soll: Hier ist die Seite der Organisation.

Image by yogev meckler from Pixabay

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