Kategorie: Veranstaltung

Ace und Aro Science Showcase am 6. April 2026

Ace und aro Wissen schaffen?

Alle, die unserem Blog regelmäßig folgen, wissen, dass Menschen an deutschen Unis zu Asexualität und Aromantik forschen. Manche präsentieren ihre Ergebnisse sogar bei unseren Konferenzen.

Über die Fragen, ob wir eine Diagnose brauchen, oder wie viele Aces es nun eigentlich gibt, sind wir dabei längst hinaus. Vom Gesundheitswesen über Literatur bis zur Soziologie beschäftigen sich Personen mit Themen aus dem asexuellen und aromantischen Spektrum.

Auf einem lila Hintergrund steht ein Cartoon-Männchen und zeigt auf ein Whiteboard. Über dem Whiteboard steht "Ace und aro Science Showcase". Auf dem Whiteboard steht "6. April 2026, 18 bis 20 Uhr, online." Zusätzlich Info: "und anschließender Austausch". Darunter noch die Logos von AktivistA und ace_arovolution. Ein Pfeil verweist auf die Speaker*innen und Themen im nächsten Bild. (Dazu weiter unten Text statt Bild.)

Was meinen wir mit „Science Showcase“?

Am 6.4.2026, dem International Asexuality Day, werden einige der Forschenden aus dem deutschsprachigen Raum sich und ihre Arbeit vorstellen. Trotz des fancy Titels wird es deutschsprachig, denn wer gut Englisch kann, liest wahrscheinlich eher die frei zugänglichen Veröffentlichungen.

Die Veranstaltung ist für Neugierige gedacht und für alle, die vielleicht auch an Unis sind und sich fragen, wie sie das Aspec und ihre Fachrichtung sinnvoll zusammenbringen können. Das Format ist ähnlich wie ein online TEDx-Talk strukturiert, wir sind aber vorläufig ohne Pflicht zur Aufzeichnung unterwegs.

Wer erwartet euch?

Eure Hosts sind von @ace_arovolution, von AktivistA und aus dem Team des bereits jetzt legendären „On Asexualities“-Workshops vom Dezember 25.

Als Vortragende konnten wir gewinnen:

  • Theo Hohmann – A*spec und Gesundheitsversorgung
  • Clara Bittner Solis – Ace/aro Perspektiven auf Freund*innenschaft
  • Nina Bernhardine Kotschate – Ace Lesbianism
  • Mara Wassermeier – Ace/Aro und Chrononormativität
  • Janna Babuschkina – (A)romantik und Migration/Flucht/Asyl
  • Kira aus dem Bruch – Asexualität: eine Begriffsgeschichte
  • Kristina Weber – Asexuelle Lesarten postkolonialer englischsprachiger Literatur
  • Judith Weidner – Diskriminierungs- und Empowerment-Erfahrungen von jungen Aspecs

Die exakte Reihenfolge steht allerdings noch nicht fest.

Und wo findet das Ganze statt?

Wir treffen uns am 6.4.2026 um 18 Uhr in einem Senfcall-Raum: https://lecture.senfcall.de/cor-9bg-luj-kvv

Senfcall, ein BigBlueButton-System, funktioniert per Browser und am besten von einem PC/Laptop aus. Die Teilnahme ist kostenlos.

Die Veranstaltung soll etwa bis 20 Uhr dauern (mit kleiner Pause). Wer dann noch Lust hat, bekommt Raum für Austausch.

Am Sonntag beginnt die Aro Week 2026

Während (gefühlt) der Rest der Welt auf ein Date am Valentinstag hinfiebert, laufen in der aromantischen Community die letzten Vorbereitungen für die Aromantic Spectrum Awareness Week. Sie erscheint manchmal auch als Aro Week oder Aromantic Visibility Week genannt.

Wozu eine Aromantic Spectrum Awareness Week?

Die Aro Week startet jedes Jahr am ersten Sonntag nach dem Valentinstag, um auf das aromantische Spektrum aufmerksam zu machen. Am Valentinstag liegt aus Vermarktungsgründen der Fokus auf romantische Beziehungen. Er ist also einer der Tage, an denen die Amatonormativität in unserer westlichen Gesellschaft besonders in Erscheinung tritt.

Amatonormativität ist eine in unserer Gesellschaft vorherrschende, meist unbewusste Überzeugung, dass exklusive, romantisch-sexuelle Beziehungen grundsätzlich wichtiger und wertvoller als andere Arten von Beziehungen (z. B. Freund*innenschaften) sind. Und dass alle Menschen romantisch-sexuelle Zweierbeziehungen („RZB“) unterhalten oder zumindest anstreben sollten.

Unter dieser Vorstellung leiden neben aromantischen und manchmach auch asexuellen Personen zum Beispiel auch polyamore Menschen, die mehr als eine wichtige Beziehung führen. Auch Menschen, die gern eine Beziehung führen würden, aber aus welchen Gründen auch immer keine geeignete Partnerperson gefunden haben, sind dadurch benachteiligt.

Die Einsamkeit, die entsteht, wenn Paare und Paarbeziehungen bevorzugt werden, illustriert unter anderem der Kurzfilm „Zucchini“. Wenn ihr weitere Filmtipps habt: Schreibt gern in die Kommentare!

Aromantic Awareness Week 2026 – Veranstaltungshinweise

Die Aro Week 2026 beginnt am 15. Februar und dauert bis zum 21. Februar.

Auf dem Aspec*German Discord ist einiges geboten. Das Programm haben wir als Sharepic hier, oder ihr schaut zum Beispiel auf den passenden Mastodon-Post.

Der Podcast InSpektren plant am 19.2. eine Live-Folge über die Erfahrungen von Bi+ aro Personen. Üblicherweise streamt der Podcast die Live-Folgen auch auf deren YouTube- und Twitch-Kanal.

Mindestens eine Person von uns trefft ihr beim Aktivismus-Austausch auf dem Server am 17.2. um 20 Uhr.

Und damit: Happy Aro Week euch allen!

Breite, zusammengefasste Programmübersicht „ARO WEEK PROGRAMM“ von Aspec*German für den Zeitraum 15.02.26 bis 21.02.26, auf weißem Hintergrund mit grünem vertikalen Streifen links in Aromantik‑Flaggenfarben und QR‑Code unten rechts. Die Events sind in Spalten aufgelistet: Sonntag 15.02. (17:00 Pre‑Show, 18:00 Lesung Nora Kellner), Montag 16.02. (18:00 Stammtisch Orga Austausch, 20:30 Spieleabend), Dienstag 17.02. (18:00 A*telier Hangout, 20:00 Aktivismusaustausch), Mittwoch 18.02. (18:00 Künstlerisch‑chaotischer Austausch vom Kissenburg Podcast, 20:00 Beziehungsanarchie‑Workshop), Donnerstag 19.02. (19:30 Serverrundgang Neulinge, 20:00 Inspektren Live Bi+Aro*specs), Freitag 20.02. (18:00 Aromantik aus männlicher Perspektive, 20:00 Gray/Demi Austausch + Pen&Paper), Samstag 21.02. (ab 13:00 Samstagsaustausche, 18:00 Ace‑Arovolution). @ASPEC‑GERMAN am unteren Rand

 

 

AktivistA-Konferenz 2026: Save the Date & Aufruf zu Beiträgen

Gefühlt ist unsere elfte Konferenz erst gestern gewesen …

Jedenfalls ist es mir eine Ehre und ein Vergnügen, die zwölfte AktivistA-Konferenz für das asexuelle Spektrum und verwandte Themen ankündigen zu dürfen.

Dieses Jahr treffen wir uns am 5. und 6. September im Zentrum Weissenburg in Stuttgart.

Anmelden könnt ihr euch über die bewährte Unterseite und das Kontaktformular. Auf der Unterseite findet ihr auch Details zu Kosten, der Location und Anreise. Außerdem posten wir dort Aktualisierungen zum Programm, sobald wir sie vorliegen haben.

Keine Konferenz ohne Programm

Da wir kein Barcamp veranstalten wollen, seid ihr gefragt. Thematisch suchen wir alles, was mit den ace und aro und anderen A-Spektren zu tun hat, nehmen aber auch gern einen Blick über den Tellerrand in politische Arbeit, trans Themen, Intersektionen, künstlerische Arbeit oder …?

Wir rechnen gewöhnlich bei Vorträgen, Lesungen oder Workshops mit 45 Minuten, danach sind 15 Minuten für Diskussion und Fragen geplant. Falls ihr für etwas Kürzeres oder Längeres Ideen habt, gibt es die Möglichkeit, umzustrukturieren.

Pro Programmpunkt zahlen wir für maximal zwei Menschen Fahrtkosten, Mittagessen und 100 Euro Honorar.

Wenn ihr Interesse habt, euch, euer Projekt, euer Thema etc. auf der Konferenz vorzustellen, könnt ihr das Anmeldeformular auf der Konferenz-Unterseite benutzen oder Carmilla beim Aspec*German-Discord anpingen.

 

Mit Ace- und Aro-Flagge verzierter Flügel bei der AktivistA 2023.

 

 

On Asexualities – ein Workshopwochenende in Berlin

In der etwas missverständlich benamsten „Rostlaube“ der Freien Universtität Berlin startete letzten Samstag der Workshop „On Asexualities“, für den wir vor einigen Wochen Werbung gemacht hatten. Tatsächlich ist diese „Laube“ so groß, dass sie eine komplette Bibliothek umschließt und mehrere „Straßen“ hat, an denen sich die Seminarräume und Hörsäle befinden. Dankenswerterweise hatten Menschen, die sich auskannten, ein Poster mit Richtungspfeilen aufgehängt.

Hier jedenfalls ein kleiner Bericht, denn die meisten Forschenden in den Asexuality Studies arbeiten auf Englisch, und an ein paar Ideen möchte ich euch teilhaben lassen.

Inhaltshinweis: allgemeine Fragen nach ethischem Verhalten, Consent und nicht-konsensuellem Verhalten. (mehr …)

Suppe und Frost: Konferenz-Nachklapp 2025

Mitten in die Grippe- und Erkältungssaison fiel unsere Konferenz diesmal, und knackig kalt war es in Stuttgart obendrein, sodass wir leider mit einigen Personen weniger starteten als geplant. Trotzdem sprengten wir die Anzahl der in der Weissenburg vorhandenen Suppenschüsseln.

Der Samstag

Vortrag mit Workshop: Achtsamkeit und Soziale Nachhaltigkeit

Nach einer kurzen Begrüßung ging es gleich in den ersten Programmpunkt: In der üblichen Vorstellungsrunde fragte die referierende Person, Alé*, neben Namen und Pronomen gleich noch ab, was die Anwesenden so brauchten, um sich tagsüber wohlzufühlen. Neben Essen und Trinken wurden da auch ruhige Ecken, Pausen, Spaziergänge und frische Luft genannt.

Aber was hat nun das Thema des Vortrags mit Asexualität zu tun? Es gibt schon länger Forschung, dass Achtsamkeitsübungen die Wahrnehmung des Umfelds verbessern können. Dies kann wiederum dazu führen, dass Menschen eher motiviert sind, sich ressourcenschonend und umwelt- bzw. mitweltfreundlich zu verhalten.

Für eine Masterarbeit war Alé*s Forschungsgegenstand bewegungsbasierte Achtsamkeitsübungen. Wie lassen diese sich zusammen mit Pausen in Gruppentreffen einflechten, um Menschen in Bewegung zu bringen und einen Aktivismus-Burnout zu verhindern?

Und Aktivismus wird es brauchen, nicht nur für ace und aro Themen, um die 17 Ziele Nachhaltiger Entwicklung der UN zu erreichen. So könnten sich ace und aro und queere Aktivist*innen allgemein interessieren für Ziel 3 „Gesundheit und Wohlergehen“, Ziel 4 „Hochwertige Bildung“, Ziel 10 „Weniger Ungleichheiten“. Und das alles geht nur mit Ziel 17 „Partnerschaften zum Erreichen der Ziele“. Zusammenarbeit erfordert Kommunikationsbereitschaft und Diskussionen zur Konfliktbeilegung. Wer da mit einer besseren Wahrnehmung für sich und andere zu Treffen geht, kann nur gewinnen.

Während des Worshopteils war ich dann mit der Buffetvorbereitung beschäftigt. Ein paar Ideen möchte ich mir aber abschauen, da ich gelegentlich in konfliktreicheren Umfeldern als bei AktivistA unterwegs bin.

Ein Tisch mit blauer Decke, darauf Schalen mit Brot, Gläschen mit Aufstrichen und ein Stapel Teller. Im Hintergrund ein Schrank mit diversen Flyern für queere Angebote.
Es gab nicht nur Suppe, sondern auch Brot mit was drauf.

Speedfriending

Nach dem Essen ging es mit einer halben Stunde Speedfriending weiter. Dazu hatte eine teilnehmende Person Gesprächsimpulse vorbereitet, für die mit wechselnden Personen je ein bis zwei Minuten Zeit investiert werden sollten. Alle, die Lust drauf hatten, kamen also im Raum herum. So erzählte ich mir unbekannten oder nur wenig bekannten Menschen von perfekten Sonntagen, Hobbies, Wohnwünschen und Reisezielen. Ich fand es eine willkommene Reflexionsmöglichkeit, bei der einige Personen hoffentlich auch Anknüpfungspunkte für Gespräche am Abend fanden.

Vorstellung SexPositive Community Stuttgart

Witzigerweise lernte ich die SexPositive Community Stuttgart bei einer Veranstaltung im vergangenen Winter kennen, als AktivistA und die Community als komplettes Gegenteil vorgestellt wurden. So einfach ist die Sache natürlich nicht gestrickt. Denn das asexuelle Spektrum ist eben ein Spektrum und besteht nicht nur aus Aroaces, die sich von jedem Körperkontakt fernhalten.

Uns beehrte Ingo, der die Community gegründet hatte. In der SexPositiven Community Stuttgart wird Sexpositivität so verstanden: Alle sind unterschiedlich, und es ist schön, dass wir alle so unterschiedlich sind. Du darfst du selbst sein, solange du im Consent mit anderen bleibst.

Um mit diesem „Consent“ – Einverständnis oder Konsens – weiterzukommen, braucht eins eine gewisse Diversitätsinformiertheit: Auf welchen Ebenen sind Menschen verschieden und führt das zu Machtgefällen? Nötig ist außerdem eine gewisse Achtsamkeit. Wo überschreitet mein Standard die Grenzen anderer Menschen? Wo überschreiten andere meine, wo überschreite ich meine Grenzen?

Für das Thema Konsens würde ich euch zur entsprechenden Unterseite der Community verweisen.

Zur Community in Stuttgart kommen oft Menschen auf der Suche nach besserem Sex. Neben Chaträumen werden Treffen angeboten. Beim „Exploratorium“ geht es dann in einem moderierten Raum auch um Fragen wie „Was ist Romantik?“, „Was ist Sex?“, die durch unterschiedliche Sichtweisen auf ein Thema Menschen dazu bringen können, voneinander zu lernen.

In der Diskussion ging es viel um „gemischte“ Beziehungen und den darin überhaupt zu findenden Konsens. Leider verinnerlichen viele Aces acefeindliche Standards zu Sexualität, bevor sie überhaupt von Asexualität gehört haben. Dies führt zu einem Machtgefälle in der Beziehung. Was wir aber auch merkten: Grenzen gibt es nicht nur, sobald Erwachsene nackt Dinge zusammen tun. Auch der obligatorische Bussi für die Oma kann Grenzen eines Kindes überschreiten, oder unausgesprochene Regeln darüber, wie Freizeitgestaltung in Freund*innenschaften abzulaufen hat.

Vortrag mit Workshop: Beziehungsanarchie

Als letzten Punkt stellten Finx und Nadja das Konzept Beziehungsanarchie vor. Ausgangspunkt dieses Konzepts ist unter anderem die Frage: Lebe ich die Beziehung, die ich mir aufgebaut hätte, wenn ich bei Null angefangen hätte?

Nun fangen wir als Menschen in einer Gesellschaft in den seltensten Fällen bei Null an. Von klein auf lernen wir ausgesprochene und nicht ausgesprochene Regeln, was gut, richtig und normal ist. Unsere Konzepte von romantischer Beziehung und Familie schweben nicht im luftleeren Raum, sondern sind beeinflusst von kapitalistischen und nationalistischen Interessen, von patriarchalen Vorstellungen von Verfügbarkeit über andere, und von neoliberalen Optimierungsgedanken. Selbst, wenn wir mit den besten Absichten in eine Beziehung gehen, sind Privilegien auf rechtlicher, sozialer und ökonomischer Ebene oft ungleich verteilt.

Sobald wir also einer Beziehung ein gewisses Label aufpappen, folgen daraus Erwartungen und Ansprüche an die beteiligten Personen.

Hier setzt die Anarchie an. Anarchie widersetzt sich Hierarchien, Zwang und Kontrolle. Solidarität und Ordnung sollen aus der Gemeinschaft heraus organisiert werden. Das gilt auch für Beziehungen: Es wird keine Hierarchie von Liebesformen aufgebaut und davon ausgegangen, dass Liebe reichlich vorhanden ist. Beziehungen sollen sich organisch aus den Bedürfnissen der Beteiligten im Konsens entwickeln. Basics auf Englisch findet ihr hier.

Nach dem Vortrag gab es noch eine Runde Murmelgruppen über eine Bildauswahl zum Thema. Danach folgte ein Abend voller Gespräche, der vom Thekenteam der Weissenburg exzellent betreut wurde.

Obligatorisches Infotischbild mit ace-farbenem Spendenschweinderl.

 

Sonntag

Am Sonntag trafen wir uns noch einmal für einen von Eggy moderierten Comics Exchange und weitere Gespräche. Beim Comics Exchange trafen die auf deutsch verfügbaren Marvel- und DC-Pride-Bände auf die Tagebücher der Apothekerin, Is Love the Answer? und Sinners of the Azure Abyss. Für die Geschichte von Gwenpool (Marvel) und Is Love the Answer? gab es Leseempfehlungen. Die Tagebücher sind noch nicht abgeschlossen, sodass unklar ist, inwieweit sich die Autorin dem Druck der Fans auf ein romantisch-sexuelles Ende für die Hauptfiguren beugt.

Im Nebenraum ging es derweil um Beziehungsanarchie, Anziehungsformen und das Leben in einer heteronormativen Welt.

Proudly co-presenting: „On Asexualities“

Graphisch mit viel lila aufbereitete Infos zur Konferenz in Berlins am 6. und 7. Dezember 2025. Diese findet ihr auch im Text oder auf der dazugehörigen Webseite.

Eine für uns außergewöhnliche Supportanfrage erreichte uns diesen Herbst: wissenschaftliche Konferenz statt Community-Konferenz. Uns überfiel zunächst ein wenig Unglaube. Ein wissenschaftliches Workshopwochenende ausgerechnet in Schland, wo die meiste Forschung zu Asexualität(en) auf Masterarbeits-Level läuft und Menschen mit Doktortitel aufwärts lieber woanders hinschauen? Die Schreibende dieser Zeilen konnte sich nach erfolgter Überzeugung, dass es sich nicht um einen Scherz handelte, ein gewisses Fangirling nicht verkneifen.

Ein paar Eckdaten: 6. und 7. Dezember 2025, Freie Universität Berlin.

Organisiert wird „On Asexualities. Crossdisciplinary Perspectives“ von Laurin Tirpitz und Ela Przybyło.

Konferenzsprache ist Englisch, denn es sind ein paar Menschen eingeladen, die nicht zwingend deutsch können, darunter Ela Przybyło, Anna Kurowicka, Ayšegül Šah Bozdogan, Luke Brunning und Yash Gupta. Katharina Kroschel und Annika Baumgart (@ace_arovolution) als Autor*innen von „(Un)sichtbar gemacht“ erfreuen sich auch außerhalb akademischer Kreise einer gewissen Bekanntheit in der deutschsprachigen Ace-Community.

Für Details zum Ablauf und zur Anmeldung konsultiert ihr am besten die Konferenz-Seite von Laurin Tirpitz.

Falls das nichts für euch ist, ihr aber wen kennt, die gerade in Sachen A*spec forschen: gern weiterleiten.

CSD Pforzheim 2025: Weich wie geschmolzener Kruppstahl?

Der dritte CSD in Pforzheim gestern präsentierte sich mit ähnlichem Wetter wie der erste: Größtenteils wolkenlos und richtig, richtig heiß. Es hatten sich mehr Stände angemeldet als die letzten beiden Jahre. So kam AktivistA ins zweifelhafte Vergnügen, den ganzen Nachmittag über Sonne im Zelt zu haben — bei 34 Grad Außentemperatur brutzelten wir da ungemütlich vor uns hin.

Ein Meer aus kleinen Pride-Flagen, die in Kuchenstücken stecken.
Es gab, dank einer sehr coolen Person, veganen Kuchen.

Unser verhältnismäßig früher Aufbruch um 18 Uhr war dennoch der Temperatur und der dadurch geringen Publikumsfrequenz geschuldet. Vorher freuten sich Menschen über unsere Anwesenheit, konnten teils zu AktivAro weiterverwiesen werden und auch das Material zur Disability und Mad Pride Bonn am 14. Juli fand Abnehmende.

Die Redebeiträge, darunter einer der Verfasserin dieser Zeilen, hatten leider ebenfalls wenig Publikum. (Der Redetext bekommt noch einen eigenen Post in den nächsten Tagen.) Dabei hatte sich dieses Mal sogar eine Vertretung der Stadtverwaltung auf die Bühne getraut, nämlich Kulturbürgermeister Tobias Volle. Das Rathaus hatte da die letzten beiden Jahre eher mit Abwesenheit geglänzt. Auch der musikalisch und inhaltlich sehr ansprechende Auftritt von Finna hätte mehr Feiernde verdient gehabt.

Corinna auf einer Bühne - ein bisschen lila und Glitzer auf dm Outfit, im Hintergrund die Gebärdendolmetschperson.
Mit ace Outfit auf einer großen Bühne.

Insgesamt blieb es friedlich auf dem Platz.

Ein Fakt, der sich auch anders hätte darstellen können, denn wegen eines Aufmarsches von Nazis (vulgo „Gegendemonstration“) gab es erhebliche Sicherheitsbedenken.

Etwa vier Wochen vor der Veranstaltung hatte eine Gruppe namens „Der Störtrupp“ oder auch „Störtrupp Süd“ (man beachte die Abkürzung) eben diese Gegendemonstration angemeldet. Das traditionale Kleinfamilienbild diente dafür als Aufhänger. Als weiße Familie gedacht — Personen of Color sind da nicht mitgemeint, wie der Bericht von queer.de beweist. Daraufhin mussten die Veranstaltenden von Spotlight e.V. das Sicherheitskonzept überdenken und mehr Geld für zusätzliche Security ausgeben. Bei einer Veranstaltung, die ohnehin schon wegen eines Sponsoring-Ausfalls finanziell auf der Kippe stand, eine echte Herausforderung.

Diesbezüglich möchten wir auf den Regenbogenschutzfonds für kleinere CSDs aufmerksam machen.

Die lokale bürgerliche Allianz gegen Rechts hatte zu einer Soli-Teilnahme am CSD aufrief, genauso wie der CSD Stuttgart. Hingegen hatte die linke, klassische Antifa wiederum zu eigenen Maßnahmen gegriffen, um den CSD zu schützen. Die Autorin dieser Zeilen meint, dass das einerseits ein nobles Ziel ist, andererseits wirkt es kontraproduktiv, wenn zu diesem Zwecke die Prügelei mit der Nazi-Demo gesucht wird.

… Seufz.

Ein paar Berichte: Filmbeitrag beim SWR, die Pforzheimer Zeitung bei YouTube. Die Ansprache von Schirmchen Sookee ist leider nur auf Facebook oder Insta von Queer Space Pforzheim zu finden.

Und da die Verfasserin dieser Zeilen über ein T-Shirt mit der kuschligen Aufschrift „weich“ so begeistert war, dass sie nach dem Ursprung fragen musste: für überhitzte CSDs gibt es ein passendes Lied von Lumpenpack, das dann auch den Titel zum Beitrag lieferte.

Mehr Leute auf der Demo als am Straßenrand: CSD Karlsruhe 2025

In einer heroischen Anstrengung tippe ich diese Zeilen trotz Muskelkater. Gestern habe ich drei Kilometer Stop-and-Go mit dem bewährten wie voll befüllten AktivstA-Demohandwagen zurückgelegt. Diese machen sich nun im Bizeps bemerkbar.

Das folgende Bild gibt in etwa einen Eindruck der zu bewegenden Last vorn rechts. Im Hintergrund hat die erste Vorsitzende versucht, sich praktisch, aber in den Farben der Aroace-Flagge zu verpacken und sich dabei ohne den üblichen Hut gut getarnt. Das ist aber nichts gegen die Pan-Dämonie links und die Aces am Zylinder daneben. Insgesamt hatten wir acht Mitstreitende.

Fünf Menschen posieren hinter einem bunten Banner. Die Personen haben sich verschiedene Pride-Flaggn umgehängt oder sind passend kostümiert. Auf dem Banner steht "AktivistA und Aspec*German - Mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz für das asexuelle, aromantische und aplatonische Spektrum." Im Vordergrund steht ein Bollerwagen, aus dem eine Demi-Ace-Flagge ragt. Ein kleines Textilbaner macht Werbung für AktivistA, aromantik.de und Aspec*German.

Und leichter wurde der Wagen auch nicht. Anders als zum Beispiel aus Stuttgart, Köln oder Berlin gewohnt, befand sich der Großteil der 11’000 angereisten Personen tatsächlich im Demowurm statt am Straßenrand. Deswegen wurden wir nur begrenzt Flyer und Sticker los. Aber immerhin konnten wir einige Aces und Aros darauf hinweisen, dass es Organisationen gibt, bei denen sie Menschen aus den asexuellen und aromantischen Spektren finden können. Vielen Dank auch an QueerAmnesty Karlsruhe! Diese sehr netten Menschen hatten für uns Faltblätter ausgelegt, da wir wegen der Urlaubszeit keinen eigenen Stand auf die Beine stellen konnten.

Im Fernsehen sind wir diesmal nicht gelandet (hier der SWR-Berichtaber/nur KA-News hat ein schönes Bild von einigen von uns und den Demoschildern. Alle bekannten Bildquellen für die komplette Parade 2025 versammelt der CSD Karlsruhe.

AktivistA-Konferenz 2025: Save the Date und Aufruf zu Beiträgen

AktivistA freut sich, die elfte Runde unserer Konferenz ankündigen zu dürfen. An einem Wochenende im Herbst wollen wir uns dem asexuellen Spektrum widmen und deutschsprachigen Aces eine Vernetzungsmöglichkeit offline bieten.

Dieses Jahr treffen wir uns am 22. und 23. November in der Weissenburg in Stuttgart.

Anmelden könnt ihr euch über die bewährte Unterseite und das Kontaktformular. Auf der Unterseite findet ihr auch Details zu Kosten und Anreise. Außerdem posten wir dort Aktualisierungen zum Programm, sobald wir sie vorliegen haben.

Eine Sache können wir schon mal ankündigen: die Sexpositiv-Community Stuttgart wird ihr Projekt vorstellen.

Keine Konferenz ohne Inhalt

Wie immer suchen wir Menschen, die Vorträge halten. Wir zahlen für maximal zwei Menschen pro Programmpunkt Anreise, Mittagessen und ein Honorar. Thematisch suchen wir alles, was mit den ace und aro Spektren zu tun hat, nehmen aber auch gern einen Blick über den Tellerrand in politische Arbeit, trans Themen, Intersektionen und/oder …? Die Vorträge/Workshops sollten maximal 45 Minuten dauern, danach sind 15 Minuten für Diskussion und Fragen geplant.

Wenn ihr Interesse habt, euch, euer Projekt, euer Thema etc. auf der Konferenz vorzustellen, könnt ihr das Anmeldeformular auf der Konferenz-Unterseite benutzen oder Carmilla beim Aspec*German-Discord anpingen.

Ein Tisch mit Perlenschachteln bei der AktivistA 2024 – Queer Joy in Arbeit.

Wählt Liebe in den Bundestag.

Gefühlt sind unsere Postings zu den Landtagswahlen und den Europawahlen noch nicht so lange her, da dräut schon eine verfrühte Bundestagswahl.

Ohne Wahlaufruf geht es nicht:

Liebe Menschen, egal welcher sexuellen oder romantischen Orientierung, bitte geht wählen.

Warum immer diese Wahlaufrufe?

Von Nichtwählenden wissen wir nicht, was sie wollen. Das kann als Gleichgültigkeit ausgelegt werden. Im schlimmsten Fall wird diese angenommene Gleichgültigkeit mit Toleranz verwechselt.

Und allen, die rechtsaußen sind, reicht echte oder gefühlte Toleranz, um menschenfeindliche Positionen und Desinformationen unter die Leute zu bringen. Was das Leben für Minderheiten gleich welcher Art äußerst unangenehm werden lassen kann.

Kreuze setzen statt Grenzen: Ohne klare Freund-Feind-Linien können weder rechte Positionen noch Populismus viel erreichen.

Wählt Liebe

Wir bitten daher gemeinsam mit dem CSD Deutschland zur Wahl demokratischer Parteien am 23. Februar unter dem Motto „Wähl Liebe“. Liebe, dieses eher diffuse Wort im Deutschen, ist nämlich nicht nur ein Gefühl, sondern kann auch eine Haltung sein: eine Entscheidung für Solidarität und Respekt. Eine Entscheidung dafür, Schwächere und Leisere mitzudenken und die Menschen in all ihrer Vielfalt zu achten.

Ein Slogan der Kampagne bringt das schön auf den Punkt: „Liebe auswählen und Wählen aus Liebe am 23. Februar 2025 bei den Bundestagswahlen.“

Demos für demokratische Wahlen und Vielfalt am 15. Feruar 2025 in vielen Städten.

Eine Woche vor der Wahl finden außerdem bundesweit verschiedene Demonstrationen und Kundgebungen statt. Denn: Wir sind da, wir sind viele. Und manchmal ist es gut, sich daran zu erinnern, dass eins in diesem Kampf für Gleichberechtigung and Akzeptanz mit echten Menschen verbunden ist.

Am Samstag, den 15. Februar um 11:55 Uhr gibt es in zahlreichen Städten Aktionen. Viele sind auf der Unterseite der Kampagne aufgelistet, einige nicht, denn nicht alle Veranstaltenden gehören zum Netzwerk der CSDs in Deutschland. Ein Blick zu euren lokalen Vereinen oder Initiativen lohnt sich also.