Category: Ratgeber

Überlebenshinweise für Demo-Paraden

Der CSD Berlin nähert sich mit großen Schritten, und Stuttgart ist auch nicht mehr weit hin.

Zur Erinnerung: Treffpunkt für Berlin ist am Samstag, 22. Juli um 11:15 Uhr vor der Botschaft der Republik Ecuador, Joachimsthaler Straße 10-12. U-Bahn-Station Kurfürstendamm, Ausgang Joachimsthaler Straße.

Sollte wer in Stuttgart dabei sein wollen, pingt uns bitte über unser Kontaktformular an. Dort geht’s am 29. Juli ab 14 Uhr mit der Aufstellung los.

Für alle, die noch nie bei so etwas dabeiwaren, einige Hinweise.

  1. Es dauert. Ihr wartet mindestens eine Stunde, bis es losgeht, und dann müsst ihr eher drei statt einer Stunde laufen. (Offiziell laufen wir um 12:30 los und treffen frühestens um 14 Uhr auf der Partymeile ein.
  2. Toiletten sind Mangelware.
  3. Bringt ausreichend Getränke und Snacks mit. Wir haben einen Handwagen, um solcherlei zu transportieren.
  4. Wenn ihr asexy Accessoires habt, bringt sie mit. Egal, ob bettlakengroße Flagge oder winziger Pin, Hauptsache schwar-grau-weiß-lila.
  5. Beachtet das Wetter: Je nach Vorhersage und Himmel am betreffenden Tag: Vorher mit ausreichend Sonnencreme einschmieren. Empfindliche Personen tragen am besten eine Kopfbedeckung, denn Schatten bekommt ihr unterwegs wenig. Bei Regen: Schirm und/oder passende Jacke. (Für Brillenträger*innen ist auch hier ein Hut echt Gold wert.)

Einige Hinweise für Journalist*innen

Wir wissen es sehr zu schätzen, dass Sie Interesse an unserer Arbeit haben. Wir erwarten nicht, dass Sie sämtliches käufliches Material zum Thema gelesen haben, die meisten von uns haben das auch nicht.

Aber in der Regel haben wir mehr gelesen als Sie und recherchieren zum Thema schon seit Jahren, nicht seit Tagen.

Auf einige Dinge möchten wir deswegen gerne hinweisen.

  1. Ja, wir machen Kuchenwitze. Das heißt nicht, dass wir alle gern Süßigkeiten essen oder einmal die Woche backen.
  2. Obwohl einige von uns gern Sichtbarkeitsarbeit leisten, ist unsere Zeit nicht unbegrenzt. Und “einige” ist nicht alle, das sollte bei der Durchsicht entsprechender Artikel und Videos auffallen. Bitte suchen Sie rechtzeitig nach Leuten, die sich ausquetschen lassen, nicht erst zwei Tage vorher.
  3. Bitte verinnerlichen Sie das Bingo. Wie Mark Carrigan so schön formuliert: “This inability to grasp asexuality as a concept can bring otherwise well meaning people to act in deeply hurtful and marginalising ways.” – “Die Unfähigkeit, Asexualität als Konzept zu begreifen, bringt ansonsten wohlmeinende Menschen dazu, sich äußerst verletzend und ausschließend zu verhalten.” Das trifft auch auf wohlmeinende Journalist*innen zu.
  4. Bitte seien Sie sich bewusst, dass Sie mit einer Einzelperson sprechen, nicht mit dem gesamten asexuellen Spektrum. Manche von uns haben Spaß an Sex, andere nicht. Manche suchen eine Beziehung, andere nicht. Und so weiter. Die asexuelle Community erlaubt unterschiedliche Empfindungen in Bezug auf diese Themen.
  5. Manche von uns schauen aus wie Männer oder Frauen, sind aber keine. Es wäre nett, wenn Sie das in einem Gespräch vorab klären könnten, bevor Sie jemanden fehlgendern.
  6. Wie bei allen Minderheiten werden Ihre Leser*innen oder Zuschauer*innen Schwierigkeiten haben, nicht von di*em einen Asexuellen auf alle zu schließen – darin sollten Sie die Leute nicht noch unterstützen.
  7. Wir halten uns in eigener Sache für Expert*innen, und nicht jede Person, die Soziologie, Psychologie oder etwas derartiges studiert hat, weiß mehr über unser Thema als wir. Wir existieren auch, wenn kein*e Expert*in zu Wort kommt.
  8. Dementsprechend reagieren wir eher verschnupft, wenn Sie eine*n Expert*in auftun, di*er keine Ahnung vom Thema hat, aber dann eine gegenläufige Meinung vertritt: Ihr Text sollte keine Diskussionsgrundlage bieten, ob wir existieren, sondern, wenn überhaupt, warum alle so seltsam darauf reagieren, dass wir existieren.
  9. Bitte verinnerlichen Sie Folgendes: Uns fehlt nichts. Deswegen kompensieren wir auch für nichts. Wir haben keine Ersatzbefriedigung, denn wir wüssten nicht einmal, wie sie aussehen müsste. Uns zu fragen, wie wir unser Defizit ausgleichen, ist wie einen schwulen Kerl zu fragen, ob ihm weibliche Brüste in seinem Leben fehlen: Die Frage ergibt keinen Sinn.
  10. Kontraste bieten sich an, das wissen wir. Die Sinnhaftigkeit, Asexuelle zum Interview in Pornokinos oder Sex-Shops zu schleppen, erschließt sich wahrscheinlich auch nicht allen Allosexuellen (=Nicht-Asexuellen), bzw. haben die das Recht, solche Örtlichkeiten nicht zu mögen. Entgegen allen Erwartungen fallen Asexuelle auch nicht in Ohnmacht, wenn sie Bilder von nackten Menschen oder Darstellungen von Sex sehen.
  11. Desgleichen ist Asexualität keine Protestform gegen die übersexualisierte Gesellschaft oder gegen sonst eine Zeiterscheinung. Wir haben Meinungen dazu, manchmal sogar gegenläufige (siehe Punkt 4), aber grundsätzlich hat unsere sexuelle Orientierung nichts damit zu tun, dass Frauenzeitschriften im Titel einen besseren Orgasmus versprechen.
  12. Nicht jede unserer Freizeitbeschäftigungen oder nicht-sexuellen Leidenschaften hängt mit unserer sexuellen Orientierung zusammen. Einen heterosexuellen Mann fragen sie doch auch nicht, ob er Fliegenfischt, weil er zufällig hetero ist.
  13. In diesem Zusammenhang finden wir auch Formulierungen nicht gut, die besagen, “Sowieso kleidet sich auffallend/geht gern in Discos/küsst gern/etc. OBWOHL si*er asexuell ist”. Die meisten Leute würden ihre Identität, Hobbys usw. mit “UND” beschreiben. Auch Asexuelle sind hierzu in der Lage. Carmilla DeWinter z.B. ist in der asexuellen Sichtbarkeit aktiv UND Schriftstellerin UND Apothekerin UND tanzt gern UND ist deswegen noch chronisch in Zeitnot.
  14. Immer wieder auch (un)gern gesehen: Hinweise, dass wir hübsch sind bzw. gut aussehen, “ganz normal” oder sonstwie gekleidet sind. Es gibt Menschen, die zufällig asexuell sind und Ihren ästhetischen Ansprüchen nicht genügen. Das heißt aber nicht, dass dazwischen ein Zusammenhang besteht.
  15. Wir wissen, dass Sie eine Story brauchen. Wir können aber niemanden brauchen, di*er mit einer fertigen Story im Hinterkopf zu uns kommt und nur noch die entsprechenden O-Töne einsammeln möchte.
  16. Bitte verinnerlichen Sie das Bingo.

Danke.

Bin ich asexuell?

“Hilfe, ich bin asexuell!” “Ab wann ist man asexuell?” “Woran erkenne ich, dass ich asexuell bin?”

Diese oder ähnliche Fragen werden Suchmaschinen und Ratgeberforen regelmäßig gestellt.

Die Antworten in Ratgeberforen, die mit dem Thema sonst wenig zu tun haben, erscheinen “Eingeweihten” häufig wenig hilfreich, zumal, wenn die fragende Person unter zwanzig ist. In der Regel nützt es nichts, Personen, die jetzt unsicher sind, auf ein “sexuelles Erwachen” irgendwann später zu vertrösten. Auch, nach Erklärungen in der Vergangenheit zu fahnden, stellt selten echte Hilfe für aktuelle Schwierigkeiten dar.

Bin ich asexuell? – Informationen

Falls jemand über eine Suchmaschine auf diesen Artikel gestoßen ist, möchten wir gerne auf folgende Informationsquellen hinweisen:

In unserer Broschüre, die hier als PDF verfügbar ist, wird ab Seite 7 darauf eingegangen.

Außerdem lohnt sich ein Stöbern im Vorstellungs-Unterforum des deutschen AVEN-Forums. Möglicherweise asexuelle und/oder aromantische Personen werden hier eine Fülle von Geschichten finden, die ihnen vage bis sehr bekannt vorkommen.

Englischsprachige Menschen finden hier eine Seite, die ebenfalls Fragen für Einsteiger*innen beantwortet.