Kategorie: Ratgeber

Asexualität, Alltag und Corona – Ergebnisse der Diskussionsrunde und Dating-Links

Bei unserer Konferenz gibt es ja schon seit einigen Jahren eine Diskussionsrunde. Als wir uns als Vorstand im Winter für „Alltag und Asexualität“ als Thema entschieden haben, ahnten wir nicht, was da auf uns zukommen sollte.

Ace-Flagge zeigen in Zeiten von Corona.
Selbstgenähte Mund-Nase-Bedeckung in Ace-Farben aus drei alten T-Shirts und einer Socke.

Corona (also eigentlich SARS-CoV-2 und Lockdown dazu) verlieh dem Thema doch eine Aktualität, mit der wir nicht gerechnet hatten. Es gab zahlreiche CSD-Absagen. Dafür nahm ich Videos und Ton mit Grußbotschaften auf und hatte ein Interview für den Stuttgarter Livestream. Das ganze Orga-Team durfte dann noch die Konferenz nach online verlegen. (Wie das geklappt hat, habe ich vor einigen Tagen gepostet.)

Für die Teilnehmenden an der Gesprächsrunde war das ebenfalls ein Thema.

Allgemeine Folgen des Lockdowns

Einmal war da das Berufliche. Nicht nur Menschen, die direkt oder indirekt vom Tourismus oder der Veranstaltungsbranche abhängen, merken eine verringerte Auftragslage. Einige wurden in Kurzarbeit geschickt. Andere waren/sind im Home-Office und fühlen sich da mal mehr, mal weniger wohl. Wenn noch Kinder im Haushalt in ihren „Corona-Ferien“ betreut werden mussten, war mit und ohne Home-Office das Zeitmanagement schlimmer als jeder Endgegner bei Super Mario. Menschen auf der Suche nach einer neuen Stelle bemerken, dass es in manchen Branchen schlechtere Aussichten gibt. Insofern treiben einige von uns wirtschaftliche Sorgen um.

Singles im Nachteil

Gerade Alleinlebende hat der Lockdown auch sehr auf sich zurückgeworfen. Sich fragen zu müssen, was wichtig ist, kann einerseits sehr heilsam sein. Vor allem, wenn eins sich vorher wie in einem Hamsterrad fühlte. Sich selbst auszuhalten, ist manchmal gar nicht einfach und kann seelisch stärker machen.

Andererseits führt Alleinleben in Zeiten von Kontakteinschränkungen und Home-Office auch zu Einsamkeit. Dass Einsamkeit Stress bedeutet und Betroffene daher leichter an allem Möglichen erkranken, ist keine Neuigkeit mehr. Umarmungen können selbst Menschen fehlen, die nicht besonders verkuschelt sind. (Die Autorin winkt hier mal allen mit dem ähnlichen Problem.)

In diesem Zusammenhang stellten wir fest, dass es sehr schwierig ist, selbst gute Freund*innen um Umarmungen zu bitten. Außerhalb des Kontextes „Begrüßung/Abschied“ oder „besonderer Anlass“ ist das Umarmen außerhalb fester Beziehungen in Deutschland nicht sehr gängig. Manchmal fühlt es sich beinahe wie ein Tabu-Thema an.

Alleinlebende müssen im Vergleich zu Menschen, die fest verbandelt sind, auch oft mehr Energie in den Aufbau und Erhalt von Freundschaften stecken. (Case in point: Vergangene Woche sind für mich wegen einer Krankheitsvertretung drei soziale „Fellpflege“-Termine wie z. B. Stammtische ausgefallen. Für mich ist das eine Katastrophe. Was wahrscheinlich niemand nachvollziehen kann, die permanent von einer lebhaften Familie umgeben sind.)

Den Ausfall von Stammtischen seit März empfanden wohl recht viele Teinehmende der Konferenz als einen herben Verlust.

In positiverem Sinne hat der neue Discord-Server Aspec*Germany Menschen zusammengebracht. Für einige war der dortige Austausch Anlass, sich mehr mit dem asexuellen Spektrum und verwandten Themen zu beschäftigen.

A_sexualität als Thema: Fremd- und Eigenwahrnehmung

Und damit kamen wir erst auf das, was mir im Januar als Thema vorschwebte: Wie (oft) kommt Asexualität bei euch im Alltag vor?

Da gibt es die eine Fraktion, die schon seit Jahren ihren Frieden mit dem Thema geschlossen hat. Folglich kann eins auch eher entspannt drüber reden. Redebedarf ist allerdings kaum vorhanden, was bei manchen die Anbindung an Community und aktuelle Themen lockert.

Die persönliche Aktualität scheint ebenfalls etwas ans Alter gekoppelt. Für Menschen mit Kinderwunsch oder für solche, von denen geglaubt wird, sie sollten sich Kinder wünschen, nimmt die eigene Sexualität mehr Raum ein.

Andere bemerken, dass Asexualität eher zum Thema gemacht wird. Dauernd werden Fragen nach Sex, Beziehungen, Familienplanung von außen an a_sexuelle Menschen herangetragen. Die sehen sich dann in Erklärungsnot. Wir sind ja als Gesellschaft weit entfernt davon, dass es zu all dem keine Norm gäbe. Und wer von der Norm abweicht, muss sich verteidigen.

Der Vorwurf von außen, die betreffende Person spreche so viel über Asexualität, ist daher eher unfair. Stellen wir uns eine Welt vor, in der hauptsächlich gewerkschaftliches Engagement / die Murmel-Weltmeisterschaften / Kochrezepte … die beliebtesten Themen wären. Dort müsste eins sehr viel weniger über Sex, Liebesbeziehungen und Familie sprechen, als derzeit der Fall ist. Kaum jemand hätte Anlass, das asexuelle Spektrum zu erwähnen.

Diesbezüglich stellten wir fest, dass die eigene Verwandtschaft sehr vielfältig reagieren kann. Von Abwertungen oder Ignoranz über Desinteresse zu aktiver Unterstützung ist alles dabei.

Für und Wider von Stammtischen

Von da aus kamen wir noch einmal auf Stammtische zu sprechen. Die Möglichkeit, andere a_sexuelle Menschen zu treffen, empfinden viele der Teilnehmenden als ein Geschenk. Hier müssen keine großen Erklärungen geliefert werden. Selbst wenn es eine Stunde lang um bewussten Konsum und die Vertretbarkeit eigener Flugreisen geht, ist die Atmosphäre eine andere. Es gibt immer die Möglichkeit, Ace-Spezifisches anzusprechen oder diesbezüglich um Erfahrungsberichte oder Rat zu bitten. Aber es ist keine Verpflichtung.

Ein Stammtisch kann somit Bodenhaftung verleihen. Eins erfährt: Hier sind wirklich andere mit den gleichen Erfahrungen. Stammtische bieten außerdem im Idealfall die Grundlage für ein Netz, das eins auffängt, wenn Familie, Freund*innen oder sonst wer nicht optimal auf ein Coming-out reagieren.

Andererseits macht die Teilnahme an Stammtischen auch das eigene Minderheitendasein sichtbarer. Irgendwie muss eins ja dorthinkommen. Es braucht Zeit und beispielsweise Busse und Bahnen, um dorthin zu gelangen. Was erzähle ich meiner Umgebung, wenn die mich fragen, wo ich war? Was erzähle ich heterosexuellen Neugierigen auf einem CSD, wenn die mich erkennen? Wissen die Menschen außerhalb des Stammtischs, wer sich da trifft? (Beispielsweise das Personal eines Cafés.) Manche Stammtische haben auch das „Ace“ im Namen und treffen sich in queeren Zentren.

Ein Patentrezept für die Entscheidung, einen Stammtisch zu suchen, gibt es leider nicht. In manchen Fällen entsteht ein Patt, wenn es genauso riskant ist, hinzugehen wie daheimzubleiben.

Grundsätzlich ist es für unsichere Menschen ratsam, erst einmal die Person anzuschreiben, die das Treffen organisiert. Manche stehen für Einzeltreffen zur Verfügung. Grundsätzlich können sie Auskunft darüber geben, was bei so Treffen passiert, welche Menschen in etwa erscheinen und derlei mehr.

Asexualität und Beziehungen

Von da aus kamen wir zur Frage: Wie ist es mit Partner*innen? Wo finde ich passende Menschen?

Ein paar Menschen berichteten von ihren bestehenden oder vergangenen Beziehungen.

Manchmal ergibt sich etwas bei Stammtischen. Manchmal sind nette Gespräche über das AVEN-Forum ein Anlass, sich mal näher zu beschnuppern. Kontaktanzeigen (noch offline oder eben online) waren ebenfalls nicht ganz unschuldig an manchen Beziehungen. Und damit zum Abschluss: Die derzeit aktuelle Linksammlung.

Dating/Kontakt für Aces

 

Grenzen – Ergebnis des Diskussionsrunde

Private, Sign, Prohibit, Block, Prevent, Warning

Mit etwas Verspätung der Zusammenschrieb der Gesprächsrunde „Grenzen“ bei der AktivistA 2019.

Obwohl „Grenzen“ so einfach klingt, kann man dieses Wort sehr weit auslegen. In der Runde haben wir uns daher auf Grenzen beschränkt, die in Gesprächen auftauchen: Wie reagiere ich auf verfängliche oder unangenehme Themen, auf persönliche Angriffe? Wie reagiere ich am besten, wenn jemand meine Selbstbeschreibung, meine Lebensentscheidungen infrage stellt oder mir abspricht, mein Lebens selbst bewältigen zu können?

Am Echo ließ sich ablesen, dass die meisten von uns schon einmal „asexuelles Bingo“ gespielt haben, also schon irgendwann die typischen Reaktionen auf A_sexualität erleben mussten.

Wenig überraschen dürfte es, dass das anwesende Publikum keine Grundsatzdiskussion über Coming-out, ja oder nein, anfing – diese Entscheidung müssen alle für sich selbst treffen.

Dass es ein Unterschied ist, ob wir privat oder im Rahmen eines Vortrags/Infostands/Interviews über A_sexualität sprechen, ist ebenfalls kaum überraschend. Menschen, die eine a_sexuelle Person bereits länger kennen, meinen es zumeist gut und/oder machen sich Sorgen. Außerdem müssen sie in manchen Fällen ihr komplettes geistiges Bild von ihrem Gegenüber ändern. Diese Unsicherheit macht manche Leute wütend und damit auch gegebenenfalls aggressiv.

Gleichzeitig nehmen wir uns Kritik aus dem engen Umfeld üblicherweise auch mehr zu Herzen, da die Meinung der Betreffenden uns wichtig ist.

Demgegenüber haben Fremde kein besonders genaues Bild, das es zu überschreiben gilt.

Somit ist es manchmal einfacher, völlig Fremden private Details zu verraten, vor allem mit einem pädagogischen Ansatz bzw. mit dem Ziel der Aufklärung. Wir sehen diese Menschen nicht wieder. Die Gefahr, dass sie echte und vermeintlich echte Fakten über uns in unserem näheren Umfeld verbreiten, ist gering.

Damit zu den Strategien für erfolgreiche Gespräche über A_sexualität.

Als a_sexueller Mensch hat man selten die Möglichkeit, einfach sagen zu können: „Du, übrigens, ich bin asexuell/demi/gray-A.“ Das liegt daran, dass diese Wörter noch nicht sehr bekannt sind. Die ersten Reaktionen auf bekanntere Sexualitäten sind sicher auch nicht immer nett. Aber in der Regel brauchen sie keine ausführliche Erklärung für die Vokabeln, bevor es mit dem unangenehmen Teil losgeht.

Insofern ist es sinnvoll, wann immer möglich die Reihenfolge zu ändern: „Du übrigens, du hast vielleicht schon gemerkt, dass ich … Und weißt du was, das geht noch mehr Leuten so! Das Wort dafür ist …“

Wer sich vorbereiten kann, sollte das tun. Wer die Gelegenheit hat, bewaffnet sich mit Flyern oder Broschüren, die dem Gegenüber dann in die Hand gedrückt werden können.

Wer kann, suche sich Unterstützung. Bei Infoständen schauen wir beim Verein, dass wir möglichst selten allein am Stand sind. Nach besonders seltsamen Gesprächen oder unhöflichem Besuch ist also jemand da, bei dem wir uns darüber in Ruhe beklagen können. Bei Coming-outs in der Verwandtschaft oder in Partnerschaften kann man sich vorher Freund*innen oder nette Menschen im Internet suchen, die nach einem Gespräch zuhören.

Alles das geht am besten, wenn man die eigenen Grenzen auch kennt. (Worüber bin ich bereit, mit dieser oder jener Person zu sprechen? Ist es sinnvoll, mit dieser oder jener Person ein direktes Gespräch zu führen oder schreibe ich lieber, wenn ich weiß, dass sie die Angewohnheit hat, Grenzen zu missachten? Und so weiter.)

Unter losen Bekannten oder im Beruf, wo man dem Thema einfach nur ausweichen will, gibt es dazu auch Optionen, die mit Vorbereitung besser klappen. Beispielsweise sagt man: „Hat sich nicht ergeben“, und schaut traurig (auch wenn man vielleicht nicht traurig ist). Desgleichen kann man an einer Vorgeschichte drehen, sofern eine vorhanden ist. Das Wort dazu heißt „Framing“. Wer beispielsweise nur schlecht von der*dem Ex redet, kann in anderen ein Bild von vermeintlich schlechten Erfahrungen wecken, die sie vom Fragen abhält.

Wenn es um Kinder geht und ein Streit gewünscht ist: Der Klimawandel ist immer eine Diskussion wert, und wer erinnert sich hinterher noch, mit wessen nicht vorhandenen Kindern es losging? Und das völlig davon unabhängig, warum genau wer keine Kinder hat.

Egal, ob vorbereitet oder nicht, es gibt außerdem einige Wege, Menschen über die Art ihrer Fragen und Kommentare nachdenken zu lassen.

Tatsächlich sind manche einfach nur neugierig und haben einen echten Informationsbedarf, während andere lieber A_sexualität wegerklären möchten, als ihr Weltbild zu erweitern. Der Tonfall macht viel aus, ob jemand Fragen beantworten möchte oder nicht.

Werden Fragen zu persönlich, kann man für die Allgemeinheit antworten. (Klassiker: „Masturbierst du?“ – „Eine Studie und Umfragen haben ergeben, dass Menschen aus dem asexuellen Spektrum im Schnitt etwas seltener masturbieren als Menschen, die sich nicht als asexuell beschreiben.“)

Je nach Gesprächspartner und der eigenen Vergangenheit lohnt es sich, Fragen vorwegzunehmen. Wie sich immer wieder zeigt, sind die Vorbehalte, kulturell bedingt, selten besonders originell. („Ach ja, und bevor du fragst, meinen Hormonspiegel habe ich schon prüfen lassen …“)

Andere kann man mit der Nase darauf stoßen, dass sie Grenzen überschreiten. („Wenn ich dich jetzt frage, ob du … erlebt hast/krank bist, würdest du mir antworten wollen?“)

Unter manchen Umständen könnte man sogar einen Pakt aushandeln: Alle Anwesenden müssen alle indiskreten Fragen ehrlich beantworten.

Desgleichen kann man manche Fragen oder Themen von vornherein auszuschließen versuchen. (Ich selbst verweigere beispielsweise jegliche Aussage darüber, ob und wie oft ich welchen Sex hatte, weil eine solche Auskunft in meinem Fall völlig unerheblich ist.)

Und damit hoffe ich, dass die gesammelten Tipps sich für mindestens einen Menschen als nützlich erweisen.

 

 


Foto: aitoff, Pixabay.

 

Überlebenshinweise für Demo-Paraden

Der CSD Berlin nähert sich mit großen Schritten, und Stuttgart ist auch nicht mehr weit hin.

Zur Erinnerung: Treffpunkt für Berlin ist am Samstag, 22. Juli um 11:15 Uhr vor der Botschaft der Republik Ecuador, Joachimsthaler Straße 10-12. U-Bahn-Station Kurfürstendamm, Ausgang Joachimsthaler Straße.

Sollte wer in Stuttgart dabei sein wollen, pingt uns bitte über unser Kontaktformular an. Dort geht’s am 29. Juli ab 14 Uhr mit der Aufstellung los.

Für alle, die noch nie bei so etwas dabeiwaren, einige Hinweise.

  1. Es dauert. Ihr wartet mindestens eine Stunde, bis es losgeht, und dann müsst ihr eher drei statt einer Stunde laufen. (Offiziell laufen wir um 12:30 los und treffen frühestens um 14 Uhr auf der Partymeile ein.
  2. Toiletten sind Mangelware.
  3. Bringt ausreichend Getränke und Snacks mit. Wir haben einen Handwagen, um solcherlei zu transportieren.
  4. Wenn ihr asexy Accessoires habt, bringt sie mit. Egal, ob bettlakengroße Flagge oder winziger Pin, Hauptsache schwar-grau-weiß-lila.
  5. Beachtet das Wetter: Je nach Vorhersage und Himmel am betreffenden Tag: Vorher mit ausreichend Sonnencreme einschmieren. Empfindliche Personen tragen am besten eine Kopfbedeckung, denn Schatten bekommt ihr unterwegs wenig. Bei Regen: Schirm und/oder passende Jacke. (Für Brillenträger*innen ist auch hier ein Hut echt Gold wert.)

Einige Hinweise für Journalist*innen

Wir wissen es sehr zu schätzen, dass Sie Interesse an unserer Arbeit haben. Wir erwarten nicht, dass Sie sämtliches käufliches Material zum Thema gelesen haben, die meisten von uns haben das auch nicht.

Aber in der Regel haben wir mehr gelesen als Sie und recherchieren zum Thema schon seit Jahren, nicht seit Tagen.

Auf einige Dinge möchten wir deswegen gerne hinweisen.

  1. Wir wissen, dass Sie eine Story brauchen. Wir können aber niemanden brauchen, di*er mit einer fertigen Story im Hinterkopf zu uns kommt und nur noch die entsprechenden O-Töne einsammeln möchte.
  2. Bitte verinnerlichen Sie das Bingo. Wie Mark Carrigan so schön formuliert: „This inability to grasp asexuality as a concept can bring otherwise well meaning people to act in deeply hurtful and marginalising ways.“ – „Die Unfähigkeit, Asexualität als Konzept zu begreifen, bringt ansonsten wohlmeinende Menschen dazu, sich äußerst verletzend und ausschließend zu verhalten.“ Das trifft auch auf wohlmeinende Journalist*innen zu.
  3. Obwohl einige von uns gern Sichtbarkeitsarbeit leisten, ist unsere Zeit nicht unbegrenzt. Und „einige“ ist nicht alle, das sollte bei der Durchsicht entsprechender Artikel und Videos auffallen. Bitte suchen Sie rechtzeitig nach Leuten, die sich ausquetschen lassen, nicht erst zwei Tage vorher.
  4. Bitte seien Sie sich bewusst, dass Sie mit einer Einzelperson sprechen, nicht mit dem gesamten asexuellen Spektrum. Manche von uns haben Spaß an Sex, andere nicht. Manche suchen eine Beziehung, andere nicht. Und so weiter. Die asexuelle Community erlaubt unterschiedliche Empfindungen in Bezug auf diese Themen.
  5. Manche von uns schauen aus wie Männer oder Frauen, sind aber keine. Es wäre nett, wenn Sie das in einem Gespräch vorab klären könnten, bevor Sie jemanden fehlgendern.
  6. Wie bei allen Minderheiten werden Ihre Leser*innen oder Zuschauer*innen Schwierigkeiten haben, nicht von di*em einen Asexuellen auf alle zu schließen – darin sollten Sie die Leute nicht noch unterstützen.
  7. Bitte seien Sie sich bewusst, dass Sie im Umgang mit (anderen) Minderheiten typischen Fallen aufsitzen können. Minderheiten/Outgroups werden gerne sexualisiert (ihren Körpern und ihrem sexuellen Verhalten wird übermäßig viel Aufmerksamkeit gewidmet) und stereotypisiert.
  8. Begehen Sie außerdem nicht den Fehler, uns die Definitionshoheit über unser eigenes Empfinden abzusprechen.
  9. Wie in Punkt 7 angerissen, können nicht alle a_sexuellen Menschen alle Einwände des Bingos entkräften. Diese Menschen haben trotzdem ein Recht, gehört zu werden. Wenn Sie aus welchem Grund auch immer nicht in der Lage sind, trotzdem einen seriösen Artikel über diese Person zu verfassen und Ihr Publikum mit der Nase in dessen Vorurteile zu stoßen, seien Sie so ehrlich und geben das bitte zu, statt es der Person anzulasten, deren Geschichte Sie nicht veröffentlichen wollen/können.
  10. Nicht jede unserer Freizeitbeschäftigungen oder nicht-sexuellen Leidenschaften hängt mit unserer sexuellen Orientierung zusammen. Einen heterosexuellen Mann fragen sie auch nicht, ob er Fliegenfischt, weil er zufällig hetero ist.
  11. In diesem Zusammenhang finden wir auch Formulierungen nicht gut, die besagen, „Sowieso kleidet sich auffallend/geht gern in Discos/küsst gern/etc. OBWOHL si*er asexuell ist“. Die meisten Leute würden ihre Identität, Hobbys usw. mit „UND“ beschreiben. Auch Asexuelle sind hierzu in der Lage. Carmilla DeWinter z.B. ist in der asexuellen Sichtbarkeit aktiv UND Schriftstellerin UND Apothekerin UND tanzt gern UND ist deswegen noch chronisch in Zeitnot.
  12. Wir halten uns in eigener Sache für Expert*innen, und nicht jede Person, die Soziologie, Psychologie oder etwas derartiges studiert hat, weiß mehr über unser Thema als wir. Wir existieren auch, wenn kein*e Expert*in zu Wort kommt.
  13. Dementsprechend reagieren wir eher verschnupft, wenn Sie eine*n Expert*in auftun, di*er keine Ahnung vom Thema hat, aber dann eine gegenläufige Meinung vertritt: Ihr Text sollte keine Diskussionsgrundlage bieten, ob wir existieren, sondern, wenn überhaupt, warum alle so seltsam darauf reagieren, dass wir existieren.
  14. Bitte verinnerlichen Sie Folgendes: Uns fehlt nichts. Deswegen kompensieren wir auch für nichts. Wir haben keine Ersatzbefriedigung, denn wir wüssten nicht einmal, wie sie aussehen müsste. Uns zu fragen, wie wir unser Defizit ausgleichen, ist wie einen schwulen Kerl zu fragen, ob ihm weibliche Brüste in seinem Leben fehlen: Die Frage ergibt keinen Sinn.
  15. Kontraste bieten sich an, das wissen wir. Die Sinnhaftigkeit, Asexuelle zum Interview in Pornokinos oder Sex-Shops zu schleppen, erschließt sich wahrscheinlich auch nicht allen Allosexuellen (=Nicht-Asexuellen), bzw. haben die das Recht, solche Örtlichkeiten nicht zu mögen. Entgegen allen Erwartungen fallen Asexuelle auch nicht in Ohnmacht, wenn sie Bilder von nackten Menschen oder Darstellungen von Sex sehen.
  16. Desgleichen ist Asexualität keine Protestform gegen die übersexualisierte Gesellschaft oder gegen sonst eine Zeiterscheinung. Wir haben Meinungen dazu, manchmal sogar gegenläufige (siehe Punkt 4), aber grundsätzlich hat unsere sexuelle Orientierung nichts damit zu tun, dass z.B. Frauenzeitschriften im Titel einen besseren Orgasmus versprechen.
  17. Immer wieder auch (un)gern gesehen: Hinweise, dass wir hübsch sind bzw. gut aussehen, „ganz normal“ oder sonstwie gekleidet sind. Es gibt Menschen, die zufällig asexuell sind und Ihren ästhetischen Ansprüchen nicht genügen. Das heißt aber nicht, dass dazwischen ein Zusammenhang besteht. Siehe Punkt 7, Stichwort „Abwertung durch Sexualisierung“.
  18. Ja, wir machen Kuchenwitze. Das heißt nicht, dass wir alle gern Süßigkeiten essen oder einmal die Woche backen.
  19. Bitte verinnerlichen Sie das Bingo.

Danke.

 

Zuerst veröffentlicht am 3. Januar 2016. Um neuere Links und Hinweise ergänzt am 24. September 2017.

Bin ich asexuell?

„Hilfe, ich bin asexuell!“ „Ab wann ist man asexuell?“ „Woran erkenne ich, dass ich asexuell bin?“

Diese oder ähnliche Fragen werden Suchmaschinen und Ratgeberforen regelmäßig gestellt.

Die Antworten in Ratgeberforen, die mit dem Thema sonst wenig zu tun haben, erscheinen „Eingeweihten“ häufig wenig hilfreich, zumal, wenn die fragende Person unter zwanzig ist. In der Regel nützt es nichts, Personen, die jetzt unsicher sind, auf ein „sexuelles Erwachen“ irgendwann später zu vertrösten. Auch, nach Erklärungen in der Vergangenheit zu fahnden, stellt selten echte Hilfe für aktuelle Schwierigkeiten dar.

Bin ich asexuell? – Informationen

Falls jemand über eine Suchmaschine auf diesen Artikel gestoßen ist, möchten wir gerne auf folgende Informationsquellen hinweisen:

In unserer Broschüre, die hier als PDF verfügbar ist, wird ab Seite 7 darauf eingegangen.

Außerdem lohnt sich ein Stöbern im Vorstellungs-Unterforum des deutschen AVEN-Forums. Möglicherweise asexuelle und/oder aromantische Personen werden hier eine Fülle von Geschichten finden, die ihnen vage bis sehr bekannt vorkommen.

Englischsprachige Menschen finden hier eine Seite, die ebenfalls Fragen für Einsteiger*innen beantwortet.

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