Monat: Oktober 2018

Lesefutter die Dritte

Da passend zur Asexual Awareness Week eine Rezension auf einem Buchblog erschien, die einen deutschsprachigen Roman mit asexuellen Figuren betraf, und ich krank war, habe ich mir das Teil in elektronischer Form gekauft.

Es handelt sich um „Perfect Rhythm – Herzen im Einklang“ von Jae, das beim Ylva-Verlag erschienen ist.

Worum geht’s?

Wir folgen dem ausgebrannten Popstar Leontyne Blake in ihn Heimatdorf in Mississippi, wo ihr Vater nach einem Schlaganfall stark pflegebedürftig ist. Weil Leo lesbisch ist und lieber die Popmusik als Klassische Musik als Karriere verfolgen wollte, haben die beiden seit vierzehn Jahren nicht mehr miteinander gesprochen.

Das ist der Hintergrund für eine Romanze, die sich zwischen Leo und der Krankenschwester ihres Vaters entspinnt: Holly fasziniert Leo vom ersten Tag an. Holly taut sehr viel langsamer auf. Erst hält sie Leo für eine arrogante, verwöhnte Schnepfe, dann steht ihr die Tatsache im Weg, dass sie asexuell ist. Dass Leo auf ihre Eröffnung entspannt reagiert und es trotzdem mit ihr versuchen möchte, kann sie nach ein paar gescheiterten Beziehungen kaum glauben.  Leo hingegen ist nebenbei damit beschäfigt, ihr komplettes Leben auf den Prüfstand zu stellen: Sie hat Unmengen Geld, die Fans lieben sie, aber ist sie glücklich?

Vom erzählerischen Standpunkt aus:

Bis auf die Tatsache, dass die Autorin sich das mit dem Songtexten nochmal überlegen sollte, erinnert sich meine innere Lektorin an exakt ein überflüssiges Komma. Jae beherrscht ihr Handwerk des Liebesromanschreibens und der Verlag hat in ein sorgfältiges Korrektorat investiert.

Und ja, es ist ein Liebesroman, daher kann es sein, dass manche die Entwicklungen etwas überstürzt finden und dass alles ein bisschen zu perfekt passt. Der an Liebesromane gewöhnte Rest lehne sich entspannt zurück und seufze romantisch: Sie werden nicht enttäuscht.

Vom asexy Standpunkt aus:

Der Roman spielt in einer Kleinstadt, wo neben Holly als geouteter „Lesbe“ offenbar nur noch eine andere queere Person rumstolpert, nämlich ihre ungeoutete Exfreundin. Wir haben also kein Ensemble aus dem asexuellen Spektrum, das persönlich anwesend sein kann. Holly und damit die Autorin verlassen sich, wie so ziemlich alle asexuellen Menschen jenseits der Stammtisch-Epizentren, daher auf Internetkontakte. Es wird ein anderes Ace näher vorgestellt: Meg mit ihrer queerplatonischen, allosexuellen Partnerin Jo.

Die unterschiedlichen Reaktionen von Menschen auf Holly wirken sehr real, es kann also sein, dass manche sich da wiederfinden.

Die Darstellung von Holly als sex-favorable, romantisch veranlagtes Ace wirkt stimmig — wobei hier Hinweis: Es gibt eine Sexszene, vor der die Autorin aber auch noch mal gesondert warnt. Auch diese Szene wirkt stimmig zu dem, was ich so mitgekriegt habe. Nichts wird überstürzt und Holly ist hinterher nicht irgendwie „geheilt“.

Fazit:

Es ist ein Liebesroman, soll also eine Feel-Good-Atmosphäre verbreiten, was ihm auch mühelos gelingt. Wer auf gut gemachte Unterhaltung mit ein bisschen US-Flair steht, wird hier fündig.

 

 

Von der Community für die Community

Bei unserer diesjährigen Konferenz hatten wir eine kleine Diskussionsrunde zum Thema „Was braucht die Community?“

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Zunächst mussten wir uns darüber einigen, was „die Community“ eigentlich ist. Abseits jeglicher Abkürzungen einigten wir uns darauf, dass es sich dabei um sämtliche Menschen handelt, die sich im asexuellen Spektrum verorten oder verorten könnten, wenn sie davon wüssten.

Erster Schluss: Die Community ist nicht so groß, wie sie sein könnte.

Zweiter Schluss: Für die Aufklärungsarbeit ist ein Anschluss an die LSBTTIQ-Community (oder andere Buchstabenkombinationen) strategisch sinnvoll. Daraus ergibt sich aber keine Vorschrift für Einzelne, sich im queeren Bereich zu verorten.

Dritter Schluss: Bei diesem Thema ist Toleranz bzw. Akzeptanz von allen Seiten gefragt. Elitäre Meinungen wie „wir sind nicht so von Hormonen getrieben“ von a_sexueller Seite sind genauso wenig angebracht wie ein „du bist nicht queer/diskriminiert genug“ von anderen Buchstabengruppen.

Es folgte ein Haufen Ideen Vorschläge, was AktivistA so machen könnte. Ein paar davon wollen wir umsetzen. Andere sind nette Wunschträume für in zehn Jahren.

Weil:

AktivistA besteht aus, Trommelwirbel, sechzehn Personen. Von denen alle ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Manchmal auch am Wochenende, weil sie in Läden, Krankenhäusern oder bei Selbst&Ständig arbeiten. Manche haben Familie und/oder sind nicht so mobil.

Vierter Schluss: AktivistA als Verein kann nicht beliebig Vorträge halten, Infostände auf jeden CSD und noch weniger in x-beliebige Fußgängerzonen stellen, selbst wenn genug Geld vorhanden ist. (Für den Infostand in Freiburg waren das mit Fahrt etc. 30 Arbeitsstunden vom Verein plus die einiger Freiwilliger vom dem lokalen Stammtisch. Und das war einer von fünf Infoständen. Bitteschön.)

AktivistA würde gern mehr machen, aber unsere Kräfte sind begrenzt.

Insofern möchte ich John F. Kennedy paraphrasieren:

„Frage nicht, was deine Community für dich tun kann, sondern was du für deine Community tun kannst.“

Was könnt ihr tun?

Geheimtipp: Es braucht keine riesige, teure Aktion, wenn alle mithelfen, so gut sie können, und bereit sind, sich fünf Minuten pro Woche außerhalb ihrer gewohnten Blase zu betätigen.

Es gibt einige niedrigschwellige Möglichkeiten.

Und das beste ist: Die funktionieren auch für andere Minderheiten!

Wer in den sozialen Netzwerken unterwegs ist:

Ihr könnt unsere Facebook-Seite liken und uns folgen. Ihr könnt alte Artikel über Asexualität verteilen, oder die neuen, die wir verlinken — mit der richtigen Notiz dazu outet ihr euch nicht mal. Ihr könnt auch unsere Veranstaltungen verteilen. Gern auch in Gruppen und Netzwerken, wo ihr sie noch nicht gesehen habt.

Wir sind auf tumblr, wenn auch wenig aktiv. Ihr könnt uns folgen und unsere Links, Blogbeiträge und Veranstaltungen verteilen. (Menschen von tumblr sind immer am meisten überrascht, wenn sie uns im echten Leben treffen. Der Grund ist, dass jedes Soziale Netzwerk davon lebt, so lange wie möglich die Aufmerksamkeit der Benutzenden zu binden. Tumblr kann das sehr gut.)

Wenn ihr bei uns auf der Webseite runterscrollt, findet ihr ein Feld „Blog via E-Mail abonnieren“, falls ihr kein RSS-Feed mögt. Sämtliche neuen Blogeinträge flattern euch dann wie ein Newsletter in den elektronischen Postkasten. Solche Blogeinträge könnt ihr dann auch auf anderen Netzwerken verteilen, in denen wir nicht oder wenig aktiv sind. (twitter, google+ …)

Wer bei einer Bibliothek ein Online-Konto hat, kann auf elektronischem Weg Anschaffungsvorschläge machen. Ansonsten liegen in Büchereien auch Karten dafür aus, oder es gibt einen Link im elektronischen Katalog. Wenn die Bibliothek englischsprachige Bücher führt, könnt ihr als Sachbuch „The Invisible Orientation“ vorschlagen oder einen englischsprachigen Roman mit asexuellen Figuren. Bei uns gibt’s auch ein paar Buchbesprechungen. Die verfügbaren Texte auf Deutsch sind etwas rarer gesät, aber auch die könnt ihr vorschlagen. DasTenna hat eine kleine Liste zusammengestellt.  Oder ihr schaut beim AVEN-Forum, da gibt es einen Thread zum Thema.

Falls ihr ein bisschen mehr Fußarbeit leisten könnt:

Schreibt uns an, bestellt Flyer und Broschüren. Dafür haben wir die Dinger.

Diese könnt ihr an der Uni und in Kneipen auslegen. Oder bei der örtlichen AIDS-Hilfe oder Pro Familia vorbeibringen.

Erfahrungsgemäß sind Menschen bei der AIDS-Hilfe aufgeschlossener für das Thema als die von Pro Familia, auch wenn Pro Familia mehr Paarberatung macht und daher eigentlich mehr mit a_sexuellen Menschen zu tun haben sollte.

Wenn ihr noch ein bisschen mehr tun wollt:

Gebt Interviews. Gerade über „klassische“ Medien wie Radio, Zeitung und Fernsehen erreichen wir Menschen, die nicht so im Internet zuhause sind. Wir verteilen Anfragen üblicherweise auf unserer Facebook-Seite und im entsprechenden Thread beim AVEN-Forum, wenn’s noch niemand anders getan hat.

Wer bei den Infoständen reinschnuppern möchte, wir freuen uns über ein paar Stunden Unterstützung an den entsprechenden Terminen.

Organisiert einen Stammtisch in eurer Stadt. Erfahrungsgemäß braucht es immer eine Person, die den endgültigen Termin festlegt und zur vereinbarten Zeit am vereinbarten Ort ist, obwohl vielleicht beim ersten Mal nur zwei Leute zugesagt haben. Menschen, die sich für Stammtische interessieren, findet ihr im geschlossenen Bereich bei AVEN. Organisatorinnen können auch beim asex-web um eine Unterseite bitten, um Umfragen und Termine suchmaschinentauglich zu machen. Oder ihr habt sowieso eine Facebook-Veranstaltung. Die teilen wir auch gern, wenn wir davon wissen.

Und zu guter Letzt:

Werdet bei uns Mitglied und sorgt dafür, dass diese Republik einen von den Tritten in den Hintern bekommt, die sie braucht.

Frohe Asexual Awareness Week 2018!

Die Asexual Awareness Week soll einmal im Jahr dazu ermutigen, im eigenen Umfeld über das asexuelle Spektrum zu sprechen. (Oder etwas zu posten. Oder …?)

Dieses Jahr beginnt sie heute und endet am Samstag, den 27.10.2018

Wie ihr das Untenehmen A_sexuelle Sichtbarkeit das ganze Jahr unterstützen könnt, erfahrt ihr in den nächsten Tagen in einem Blogpost.

 

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