Immer wieder erreichen uns diese und ähnliche Fragen:

  • Warum seid ihr auf Christopher Street Days präsent?
  • Warum gehört ihr zum Netzwerk LSBTTIQ Baden-Württemberg?
  • Meint ihr, dass das A in der „Buchstabensuppe“ (LGBTQIA) für „asexuell“ steht?

Zugrunde liegt die Frage, ob Asexualität sich in queeren Zusammenhängen engagieren „darf“ beziehungsweise sollte.

Darüber sind sich größere Gruppen von Asexuellen häufig nicht einig.

Asexuelle, die eine heteroromantische Partnerschaft anstreben, welche von außen nicht von einer traditionellen Partnerschaft mit Sex zu unterscheiden ist, setzen sich mit der Frage selten auseinander oder sehen keinen Grund, sich unter den queeren Schirm einzuordnen.

Andere haben sich mit der Frage befasst, finden Asexualität aber entweder auf Christopher Street Days oder in der queeren Community allgemein fehl am Platze, da dort Sex einen zu großen Stellenwert hat.

AktivistA hat gegenwärtig folgenden Begriff des queeren Spektrums: Es handelt sich um Minderheiten, was Gender/Geschlecht, sexuelle Orientierung und romantische Ausrichtung anbelangt (GSRM).

Asexualität fällt als sexuelle Orientierung nach „Nichts“ oder als Abwesenheit einer sexuellen Orientierung unter die zweite Kategorie.

Dementsprechend teilen sich Asexuelle einige Erfahrungen mit anderen GSRMs:

  • Wir wissen, wie es ist, ein inneres und ein äußeres Coming-Out zu haben.
  • Wir wissen, wie es ist, unsichtbar zu sein.
  • Wir wissen, wie es ist, weder mitgemeint noch mitgedacht zu werden.
  • Wir wissen, wie es ist, mit unverschämten oder bevormundenden Fragen überhäuft zu werden. Beispiele finden sich in diesem Bingo.

Außerdem gibt es häufig Überschneidungen mit den gender- und romantischen Minderheiten:

  • Der Anteil von genderqueeren Personen, beziehungsweise von Personen mit nicht-binärem Gender[1] ist gemessen an der Gesamtbevölkerung unter Asexuellen relativ hoch. Geschätzt scheinen es mindestens fünf, eher zehn Prozent zu sein. In einer nicht-repäsentativen Umfrage in der englischsprachigen Community 2011 bezeichneten sich 10% der Teilnehmenden als explizit „transgender“ und weitere 10% waren sich nicht sicher.
  • Asexuelle unterscheiden aromantische von alloromantischen[2] Personen. Letztere sind solche, die romantische Anziehung empfinden (können) und/oder auf der Suche nach einer romantischen Partnerschaft sind, wie auch immer sie diese für sich definieren. Diskussionen online weisen darauf hin, dass die romantische Orientierung nicht immer mit der sexuellen Orientierung überlappt, also auch aromantische allosexuelle[3] Personen vorkommen.Wie die sexuelle Orientierung ist auch die romantische Ausrichtung vielfältig, kann außer „aro“ auch „hetero“, „homo“, „bi“, „pan“ sein, oder mensch trifft auf „Homo-Asexuelle“, „asexuelle Lesben“ etc. Je nachdem, wann die Person an der Diskussion um Identitäten teilgenommen hat oder wie viel Gewicht sie auf diese Unterscheidungen legt, sind die Eigenbezeichnungen andere.

    Hinzuzufügen ist nur, dass wir die romantische Orientierung wie die sexuelle Orientierung als ein Spektrum mit zahlreichen Graustufen sehen und keinesfalls als ein Entweder-Oder darstellen möchten.

  • Die asexuelle Community legt großen Wert darauf, dass jede*r selbst entscheiden muss, welche Begriffe si*er für sich verwendet. Insofern kann es vorkommen, dass eine Person sich neben asexuell auch als queer definiert oder eben bewusst nicht. Manche Menschen mit Asexualität als sexueller Orientierung bevorzugen auch die Selbstbezeichnung „queer“ ohne weitere Zusätze.

Aus beiden Gründen glauben wir, dass Asexualität bei anderen GSRMs unter dem queeren Schirm am besten aufgehoben ist.


[1] Nicht-binäre Gender. Die westliche Kultur geht in der Regel davon aus, dass es nur zwei Geschlechtsidentitäten gibt: “Mann” und “Frau”. Personen, die sich außerhalb dieser zwei Möglichkeiten verorten, bezeichnen sich oft als “nicht-binär” oder genderqueer. Eine kurze Einführung in Gender und gender-neutrales Sprechen für Neulinge befindet sich bei der Weltenschmiede.

[2] Alloromantische Menschen – Menschen, die nicht zum aromantischen Spektrum gehören.

[3] Allosexuelle Menschen – Menschen, die nicht zum asexuellen Spektrum gehören.

2 comments on “Asexualität und das queere Spektrum”

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