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Es regnet Fragen: unser Infostand auf dem Hamburg Pride 2025

Auf geht’s, ab geht’s, drei Tage Stand! Auch für dieses Jahr haben wir es im Norden wieder geschafft.

Glücklicherweise konnten wir am Freitagvormittag noch im Trockenen aufbauen, brauchten aber aufgrund plötzlicher Erkrankung einer eingeplanten Person recht lange dafür. Den Tag über kam es immer wieder zu stärkeren Regenfällen. Der neue Pavillon hielt dicht, doch unter dem Tisch hatten wir teilweise einen kleinen Bach. Immerhin war es kaum windig.

Infostand mit lila Tischdecke, Flyern, Buttons und Glücksrad unter einem blauen Pavillon. Wände und Eingang sind mit Flaggen und Bannern geschmückt. Links neben dem Stand steht eine Frau.
Endlich steht der Stand! Jetzt nur noch die Buttons …

Am Samstag konnte die Fußgruppe (hier zwischen etwa 13’10“ und 13’20“ kurz zu sehen) bei Sonnenschein starten, kam dann aber gebadet bei uns an. Auch viele Besuchende trieften, dennoch war der Andrang nach der Demo wie üblich sehr groß. Beliebt war vor allem unser Glücksrad (mittlerweile haben wir ein eigenes) – so beliebt, dass irgendwann der Zeiger abbrach.

Ein Glücksrad mit den Farben der asexuellen und der Regenbogenflagge. In der Mitte steht "Aspec Stammtisch Hamburg".
Da war es noch ganz.

Die Glücksrad-Fragen bieten stets einen guten Einstieg, um Missverständnisse aufzuklären und Vorurteile über Asexualität und Aromantik abzubauen. Das ist auch nötig. Die Aussage „Oh, das ist aber schade, Sex ist doch so etwas Schönes“ kam gleich zweimal. Eine Person fragte, ob asexuelle Menschen denn besonders schöpferisch seien, schließlich müsse die sexuelle Energie ja irgendwohin umgeleitet werden. In meinem Kopf formte sich automatisch die Antwort: Mir kompensieret nix!

Die positiven Erlebnisse haben jedoch auch in diesem Jahr die negativen aufgewogen. Viele Menschen stellten interessierte und respektvolle Fragen und nahmen sich Informationsmaterial mit. Einige Aces und Aros konnten wir auf den Hamburger Stammtisch oder Aspec*German verweisen. Personen, die sich noch unsicher sind, freuten sich über die Kölner Broschüre.

Im Grunde bot der Sonntag die besten Voraussetzungen für Gespräche mit Besuchenden. Bei leichtem Regen herrschte leichter Betrieb ohne Gedränge. Die handgemachten Armbänder waren zum Schluss ebenso vergriffen wie die Vereins-Kugelschreiber, während von den Buttons viele übrig blieben. Allerdings haben wir auch den neu ins Sortiment aufgenommenen mit der demiromantischen Flagge ein paarmal verkauft.

Nahaufnahme des Infostands. Auf der lila Tischdecke sind diverse Flyer, Armbänder und ein aufgestelltes großes "A" in den Farben Lila und Grün zu sehen.
Man beachte die prall mit Armbändern gefüllte Tüte oben rechts. Die war zum Schluss leer!

Vielen Dank an alle, die bei der Fußgruppe mitgelaufen sind, am Stand Schichten übernommen und/oder im Vorfeld gebastelt haben.

Meine persönlichen Erkenntnisse: Die Cola-Lutscher in Fußform mit Brausepulver schmecken super und die Queer-Chameleon-Comics sind extrem süß – nicht nur die zum Thema Asexualität.

Stuttgart Pride 2025: Zwei Tage volle Bedröppelung.

Normalerweise brauche ich ja nicht gar so lange, einen Bericht zu verfassen. So richtig abgehakt ist die Stuttgart Pride für die Verfasserin dieser Zeilen allerdings nicht: Das Zelt versucht weiterhin, auf der Terrasse zu trocknen. Bei regelmäßigen heftigen Gewitterschauern mehr ein frommer Wunsch als Realität.

Aber von Anfang an …

Der Paradesamstag

Trotz schwäbischer Ordnungsliebe war es im Aufstellungsbereich etwas eng und Fahrzeuge standen auf den falschen Markierungen. Kurz vor Paradestart fing es dann an auch noch an zu regnen.

Eine Handvoll Menschen unter bunten Schirmen, von hinten und mit ace und aro Flaggen als Umhänge.
Ein Teil der Fußgruppe vor dem Start im Regen.

Das erste Drittel der Strecke legten wir daher gut beschirmt zurück. Danach zeigte sich die Sonne. Dadurch konnte wir doch ein paar Informationen und Sticker unters teils sehr interessierte Publikum bringen.

Drei Menschen tragen ein Banner, das die Logos von AktvistA und Aspec*German zeigt. Am Straßenrand steht eine Menge Publikum.
Die Demogruppe unterwegs.

Einige am Rand stehende ace und aro Personen sammelten wir im Lauf der Parade noch ein, sodass wir am Ende ein paar mehr Menschen waren als am Anfang.

Die fast komplette Fußgruppe von vorn hinter einem Banner mit den Logos von AktivistA und Aspec*German. Außerdem die Forderung: Sichtbarkeit und Akzeptanz für aplatonische, aromantische und asexuelle Menschen.Die meisten sind irgendwie in ace oder aro Farben verkleidet, im Hintergrund noch ein Schild mit "Nur wegen J.K. Rowling muss ich dieses Schild rumtragen."
Die Demogruppe nach der Parade.

Die etwas auffälligere Kostümierung kam beim Publikum ziemlich gut an. Wer weiß, wo die Fotos überall rumschwirren. Wenn ihr uns irgendwo entdeckt, sagt Bescheid!

Filmisch waren wir dieses Jahr nicht so prominent unterwegs wie anno 2024, wo wir es tatsächlich in die Tagesschau schafften.

Entdecken könnt ihr uns im Livestream zur Pride, allerdings nur der vor der Stuttgarter Zeitung & Stuttgarter Nachrichten bei YouTube. Ihr findet uns ab ca. 2:53:10. Der offizielle Stream der IG CSD Stuttgart litt leider unter einigen Schluckaufen, vielleicht auch wegen des Wetters.

Kaum waren wir zusammengepackt, fing es wieder an zu regnen, diesmal mit einer gute halbe Stunde Starkregen, die die Heimreise für einige feucht und wenig fröhlich gestaltete.

Sonntag mit Infostand

Was soll ich sagen? Es regnete bis um neun Uhr morgens. Ich fuhr bei Sonnenschein nach Stuttgart, wo wir das Zelt aufbauten. Dann regnete es. Es blieb eine gute Stunde trocken, bis es wieder eine gute halbe Stunde regnete. Um halb sechs fingen wir an zusammenzupacken, weil es laut Regenradar um 18 Uhr wieder anfangen sollte zu regnen. … Das Regenradar hatte recht.

Auf der Heimfahrt fuhren manche meiner Mithelfenden durch zwei weitere Gewitter.

Zwischen den Starkregenereignissen bekamen wir okay, aber nicht überragend viel Besuch, sodass neben dem Stand zumindest auch mein Gemüt etwas bedröppelt war.

Vielen Dank an alle, die an den beiden Tagen geholfen haben!

Eine Auslage von ace und etwas aro Infomaterial auf einer lila Tischdecke. Dahinter pladdert Regen auf eine schicke Fußgängerzone.
Gewitterregen vor dem Infostand.

Hamburg Pride 2025 – wir sind dabei!

Wie üblich wird es am ersten Augustwochenende in Hamburg bunt – diesmal unter dem Motto „Wir sind hier, um zu bleiben. Queere Menschen schützen“.
AktivistA wird auch in diesem Jahr von Freitag bis Sonntag auf dem Straßenfest anzutreffen sein. Ihr findet unseren Infostand am Jungfernstieg in unmittelbarer Nähe des gleichnamigen U- und S-Bahnhofs. Neben den üblichen Goodies gibt es exklusiv bei uns im Norden wunderschöne Armbänder in Ace-, Aro- und anderen Farben, die ein engagiertes Mitglied liebevoll aufgefädelt hat.
Gibt es denn bei der Demo auch eine Fußgruppe? Ja. Angemeldet hat sie der Hamburger Stammtisch. Zugeteilt wurde ihr die Nummer 58 von 118, sie wird also etwa in der Mitte des Zuges zu finden sein.

CSD Pforzheim 2025: Weich wie geschmolzener Kruppstahl?

Der dritte CSD in Pforzheim gestern präsentierte sich mit ähnlichem Wetter wie der erste: Größtenteils wolkenlos und richtig, richtig heiß. Es hatten sich mehr Stände angemeldet als die letzten beiden Jahre. So kam AktivistA ins zweifelhafte Vergnügen, den ganzen Nachmittag über Sonne im Zelt zu haben — bei 34 Grad Außentemperatur brutzelten wir da ungemütlich vor uns hin.

Ein Meer aus kleinen Pride-Flagen, die in Kuchenstücken stecken.
Es gab, dank einer sehr coolen Person, veganen Kuchen.

Unser verhältnismäßig früher Aufbruch um 18 Uhr war dennoch der Temperatur und der dadurch geringen Publikumsfrequenz geschuldet. Vorher freuten sich Menschen über unsere Anwesenheit, konnten teils zu AktivAro weiterverwiesen werden und auch das Material zur Disability und Mad Pride Bonn am 14. Juli fand Abnehmende.

Die Redebeiträge, darunter einer der Verfasserin dieser Zeilen, hatten leider ebenfalls wenig Publikum. (Der Redetext bekommt noch einen eigenen Post in den nächsten Tagen.) Dabei hatte sich dieses Mal sogar eine Vertretung der Stadtverwaltung auf die Bühne getraut, nämlich Kulturbürgermeister Tobias Volle. Das Rathaus hatte da die letzten beiden Jahre eher mit Abwesenheit geglänzt. Auch der musikalisch und inhaltlich sehr ansprechende Auftritt von Finna hätte mehr Feiernde verdient gehabt.

Corinna auf einer Bühne - ein bisschen lila und Glitzer auf dm Outfit, im Hintergrund die Gebärdendolmetschperson.
Mit ace Outfit auf einer großen Bühne.

Insgesamt blieb es friedlich auf dem Platz.

Ein Fakt, der sich auch anders hätte darstellen können, denn wegen eines Aufmarsches von Nazis (vulgo „Gegendemonstration“) gab es erhebliche Sicherheitsbedenken.

Etwa vier Wochen vor der Veranstaltung hatte eine Gruppe namens „Der Störtrupp“ oder auch „Störtrupp Süd“ (man beachte die Abkürzung) eben diese Gegendemonstration angemeldet. Das traditionale Kleinfamilienbild diente dafür als Aufhänger. Als weiße Familie gedacht — Personen of Color sind da nicht mitgemeint, wie der Bericht von queer.de beweist. Daraufhin mussten die Veranstaltenden von Spotlight e.V. das Sicherheitskonzept überdenken und mehr Geld für zusätzliche Security ausgeben. Bei einer Veranstaltung, die ohnehin schon wegen eines Sponsoring-Ausfalls finanziell auf der Kippe stand, eine echte Herausforderung.

Diesbezüglich möchten wir auf den Regenbogenschutzfonds für kleinere CSDs aufmerksam machen.

Die lokale bürgerliche Allianz gegen Rechts hatte zu einer Soli-Teilnahme am CSD aufrief, genauso wie der CSD Stuttgart. Hingegen hatte die linke, klassische Antifa wiederum zu eigenen Maßnahmen gegriffen, um den CSD zu schützen. Die Autorin dieser Zeilen meint, dass das einerseits ein nobles Ziel ist, andererseits wirkt es kontraproduktiv, wenn zu diesem Zwecke die Prügelei mit der Nazi-Demo gesucht wird.

… Seufz.

Ein paar Berichte: Filmbeitrag beim SWR, die Pforzheimer Zeitung bei YouTube. Die Ansprache von Schirmchen Sookee ist leider nur auf Facebook oder Insta von Queer Space Pforzheim zu finden.

Und da die Verfasserin dieser Zeilen über ein T-Shirt mit der kuschligen Aufschrift „weich“ so begeistert war, dass sie nach dem Ursprung fragen musste: für überhitzte CSDs gibt es ein passendes Lied von Lumpenpack, das dann auch den Titel zum Beitrag lieferte.

Was Menschen auf Zettel schrieben

Ich hatte ja einen kleinen Nachschlag versprochen, nämlich die Beiträge von Besuchenden unseres Infostands auf der Hamburg Pride zu unseren zwei Pappschild-Fragen: Was bedeutet Intimität für dich? Wie drückst du Zuneigung aus?

Am Stand hängt ein Pappschild. Darauf steht: "Was bedeutet Intimität für dich? Wie drückst du Zuneigung aus?"

Ursprünglich wollte ich meine Auswahl an Antworten nach Themen ordnen, doch man hätte sehr viele Kategorien aufmachen müssen. Daher habe ich die Zettel einfach einmal gemischt und gebe nun in einer zufälligen Reihenfolge wieder, was darauf stand. Smileys und Herzchen wurden von den Personen selbst hinzugefügt.

  • Öfter nachfragen, wie z. B. der Tag war? Wie fühlst du dich?
  • Kleinigkeiten mitbringen, die der anderen Person eine Freude machen. Nachrichten / Notizen auf dem Frühstückstisch
  • Zusammen morgens RDR2 spielen und dabei Assam-Tee trinken 🙂
  • Intimität ist für mich nicht zwingend mit körperlicher Nähe verbunden. Es ist hauptsächlich Vertrauen und Verbindung. <3
  • Zuneigung… Habt ein Ritual, was nur ihr beide teilt!
  • Tiefe Gespräche über das eigene Innenleben
  • Grenzen wahrnehmen, Bedürfnisse akzeptieren
  • Mir trotz ADHD-Scatterbrain relevante Details (Ereignisse, Vorlieben, Abneigungen) merken
  • Bedingungsloses Vertrauen. Zweisamkeit auf allen Ebenen. Verbundenheit
  • Zusammen lachen & zusammen schweigen können <3
  • Knuddeln <3
  • Backen (essen)
  • Indem ich in meiner verrückten 60-Stunden-Woche-Routine trotzdem immer Zeit für meine Friends freihalte <3

Hamburg Pride 2024: Wechselhaft mit Sonne und Sunset-Flagge

Regenbogenflagge am Hamburger Rathaus
Wenn am Hamburger Rathaus die Regenbogenflagge weht, heißt es wieder: drei Tage Pride-Straßenfest! Unser Infostand befand sich diesmal ganz in der Nähe des eindrucksvollen Gebäudes. Gemeinsam mit Gruppen wie der AIDS-Hilfe, dem queeren Sportverein „Startschuss“ und 100 % Mensch hatte man uns auf dem Rathausmarkt platziert.
Diverse Flyer und Broschüren liegen auf dem Tisch. Zu sehen ist außerdem ein Übersichts-Blatt zu Microlabels und ein großes Glas mit Süßigkeiten.

Zusätzlich zu unserem altbewährten Informationsmaterial hatten wir diesmal unter anderem eine Auflistung von Microlabels mit den dazugehörigen Flaggen sowie einige Exemplare der Broschüre „Einblick in das Aspec“ dabei. Und Süßigkeiten für das nicht abgebildete Glücksrad! Während unserer ersten Stunden am Freitag bestand unsere Kundschaft hauptsächlich aus jüngeren Straßenfest-Besuchenden, die gern einmal drehen wollten. Für sie hatten wir schwierige Scherzfragen („Was hat vier Beine und kann fliegen? Zwei Vögel!“), während das ältere Publikum wie üblich Begriffe aus dem asexuellen und aromantischen Spektrum definieren sollte. Unsere „Glücksrad-Diensthabenden“ gaben alles, um Unsicheren auf die richtige Fährte zu helfen, und es ergab sich vielfach ein guter Austausch.
Richtig voll wurde es auch in diesem Jahr erst am Samstag nach der Demonstration; ab diesem Zeitpunkt kamen uns plötzlich auch zahlreiche Personen aus den o. g. Spektren besuchen. Viele Buttons fanden ihren Platz an T-Shirts und Taschen. Dabei war vor allem die kombinierte Aro-Ace-Flagge beliebt, die wegen ihrer Farbgebung auch „Sunset-Flagge“ genannt wird. Dies mag auch daran liegen, dass mittlerweile an vielen Ständen Merch in den Ace- und Aro-Farben erhältlich ist, während die Kombination aus beidem Seltenheitswert hat.
Eine Person war ganz verblüfft, dass es da sogar einen Verein gibt… Ja, den gibt es und das schon seit 2012! Andere konnten wir mit Informationen zum Hamburger Stammtisch versorgen. Die unangenehmen Begegnungen hielten sich sehr in Grenzen, wobei die Aussage, Gott habe Mann und Frau geschaffen und Kinder bräuchten Vater und Mutter, sonst würden sie nicht richtig erzogen, schon recht schräg war (zumal sie wenig mit dem Thema unseres Stands zu tun hatte).
Eine Aro-Flagge und eine Ace-Flagge hängen nebeneinander.
Den ganzen Freitag und die erste Hälfte des Samstags über hingen die Flaggen brav senkrecht. Am Samstagnachmittag wurden sie unruhig und mussten zusammengeknotet und beschwert werden. Wind war aufgekommen, daneben verdüsterte sich der Himmel und schickte uns gegen 19 Uhr plötzlich starken Regen. An der Hauptbühne nahm man es mit Humor und legte den Klassiker „It’s raining men“ auf, dennoch rannte das Volk in Scharen in die U-Bahn-Station. Über Nacht kippte unser Pavillon nach vorn und wurde beschädigt (beim Abbau ließ er sich glücklicherweise noch zusammenklappen). Der Sonntag war dann generell windig und kühler, aber weitgehend trocken.
Am Stand hängt ein Pappschild. Darauf steht: "Was bedeutet Intimität für dich? Wie drückst du Zuneigung aus?"
Ebenfalls eine windsichere Befestigung brauchte dieses Fragen stellende Pappschild, dessen Schnüre dazu einluden, Antworten anzuklammern. Davon waren viele so rührend oder witzig, dass ich ihnen einen eigenen Post widmen werde.
Pride-Moden: Ich habe weniger „Free Hugs“-Schilder gesehen, aber es scheint derzeit beliebt zu sein, Plüschtiere mit sich herumzutragen. Es war mindestens ein Hai sowie eine Gans unterwegs.
Und wie lief es mit der Fußgruppe? Die kam auch in diesem Jahr wieder recht spät los, weil sie weit hinten platziert war. Außerdem soll ein Teil der Demo wegen Bauarbeiten entlang der Strecke kein Publikum gehabt haben – Flaggen und Banner sind aber dazu da, dass sie jemand sieht. Die Wahl der Route (eine andere als im letzten Jahr) war vielleicht nicht die beste.

Stuttgart Pride 2024: Einmal Tagesschau, bitte.

Fröhliche und erleichterte Menschen nach der Demoparade der Stuttgart Pride 2024.
Fröhliche, aber etwas erschöpfte Menschen nach der Demo.

Oder: Hat jemand das Kennzeichen von dem CSD notiert, der mich überrollt hat?

Samstag: Demo

Eigentlich fing das Pride-Wochenende ganz entspannt an: Die Aufstellung klappte dieses Jahr gut, es war nicht zu heiß, der „richtige“ Regen ließ bis nach der Kundgebung auf sich warten. Alle, die wollten, hatten Ohrstöpsel zur Verfügung. Als etwas unpraktisch erwiesen sich die Luftballons, die offenbar zu alt und daher ab 13 Uhn nur noch bedingt flugtauglich waren. Außerdem hatte die Chefin den Druck eines großen Banners mit Forderung verpeilt (pfeift leise).

Immerhin hatten wir ca. 12 Menschen für die Demo beisammen und das Vereins-Logo als Banner, um es vor der Gruppe herzutragen.

Ein Banner, damit alle wissen, worum es in etwa geht – die „Sichtbarmachung des asexuellen Spektrums“.

Zwischen unsere offiziellen Vorderleute von der FDP hatten sich drei sehr leichtbekleidete und ausnehmend hübsch dekorierte Herren gesellt, die sich später um eine Drag Queen ergänzten. Die vier waren sogar so dekorativ, dass der SWR sie filmte und das Video prompt an die Tagesschau weiterreichte, sodass im bundesweiten Fernsehen am vergangenen Samstag (sehr kurz) sowohl ace als auch aplatonische Farben auftauchten. Was mal wieder beweist, dass die breitere Öffentlichkeit auch dieses Jahr hauptsächlich bunte Paradiesvögel statt Inhalte abbekam.

Wer ein bisschen mehr von unserer Truppe sehen möchte, schaue den offiziellen Stream der IG CSD Stuttgart auf YouToube. Wir sind so zwischen 1:23:30 und 1:25:00 immer mal wieder kurz zu erspähen.

Sonntag: Früher aufstehen, später heimfahren

Durch die Fußball-EM und die Vertagung der JazzOpen in den Juli musste die Aids-Hilfe-Hocketse nach Westen rutschen. Dadurch hatten wir dieses Jahr einen etwas abgelegenen Standplatz und mussten auch noch gute 90 Minuten früher aufbauen als sonst. Kombiniert mit der heranrückenden Hitzwelle hieß das, dass die Chefin den kompletten Tag wahlweise müde, auf Drogen und/oder kopfbeschmerzt war. (Keine schönen Drogen: Es waren Triptane und Ibuprofen, wer’s genau wissen will.) Was dazu führte, dass die meisten Beratungsgespräche bei wem anders landeten.

Ein Infostand, bei dem 60 % der Anwesenden Hut trugen und die anderen 40 % Pink Floyd mögen.

Irgendwie sammelten sich dann so nach 18 Uhr, als neben uns schon fleißig gepackt wurde, einige Menschen bei uns. Wir hatten viel zu besprechen und kamen dann erst 20 Uhr los.

Insgesamt konnten wir aber wieder ordentlich Menschen zu Stammtischen senden, uns mit anderen Gruppen vernetzen und wichtige Fragen beantworten. Anekdoten habe ich diesmal nicht so viele bieten, nur ein Fragezeichen. Rätselhafterweise wollten zwei Menschen, die kaum Deutsch sprachen, jeweils eine Aroace-Flagge geschenkt haben. Sichtbar in der Packung war der weiße und der hellblaue Streifen. Falls wer weiß, ob das mit einer Nationalflagge oder so verwechselt werden kann, sagt mir bitte Bescheid.

Fazit

Dieses Jahr gestaltete sich das alles also etwas anstrengender als sonst. Trotzdem wurde schon mal ein Brainstorm angesetzt, ob wir uns für 2025 mit einem Motto verkleiden wollen … für mehr Fotos von uns statt Zufallsfänge.

Jedenfalls hier noch mal offiziell an alle, die dabei waren: vielen lieben Dank für eure Unterstützung!

 

 

CSD Pforzheim 2024: Polizei, Predigten und Nieselregen

Das Pforzheimer Rathaus mit ungewohnt viel Farbe davor.

 

Schon ein paar Tage her ist der zweite Mini-CSD am 15. Juni in der nominellen Großstadt Pforzheim. Dieses Jahr gab es sogar eine Parade. AktivistA war für dieses Heimspiel mit einem Infostand angerückt, der dann prompt über Mittag mal wieder beregnet wurde.

Logischerweise bedröppelte es ausgerechnet das Ende des Demozugs. Ob die Gegenveranstaltung von diversen Freikirchen am anderen Ende der Fußgängerzone sich wegen dieser Unterstützung von oben auf die Schulter geklopft hat? Wir wissen es nicht. Sicher ist nur, dass die großen Kirchen ihren eigenen ökumenischen Stand auf dem CSD hatten und Segen spendeten, während die fundamentalistischen Kräfte Flyer verteilten, die von Sünde, Hölle und allerlei mehr fabulierten.

Beflaggte Minimuffins.

Der Laune auf dem CSD tat der Regen nun nicht so viel Abbruch. Unser Stand konnte zudem als Dach für gut 200 Mini-Muffins dienen, die von einer netten Person aus Karlsruhe großzügig an Anwesende verteilt wurden. Immer mit passender, selbstgemachter Miniflagge, versteht sich.

Ein passendes Demoschild durfte ich auch ablichten:

„Gleiche Rechte für alle heißt nicht weniger Rechte für dich. Das ist kein Kuchen!“

Neben den Freikirchen trübte auch eine nicht zu verachtende Polizeipräsenz die Stimmung. Ein weitgereister Bekannter meinte, derartig starken Begleitschutz kenne er nur von polnischen Prides. Und wo letztes Jahr mal ein paar blaugewandete Leutchen über den Platz streiften und mir exakt einmal und positiv auffielen, als sie einen sehr berauschten Menschen ansprachen, tauchten sie dieses Jahr teils im Rudel von sechs bis acht Menschen auf, und mit weniger Personen dann so gut alle halbe Stunde. An der Gegendemo konnte es nicht liegen – die lief letztes Jahr schon gesittet ab. Und bei den letzten Wahlen hat die AfD zwar fett Stimmen eingefahren, aber die Rechten waren ja letztes Jahr auch schon da (und laufen eh jeden Montag seit Corona demonstrieren).

Aus Gründen, die wir nicht nachvollziehen können, weigerten sich beide größeren Zeitungen, in ihren Berichten die geschätzte Teilnehmendenanzahl anzugeben. Es fühlte sich nach weniger Menschen an als letztes Jahr. Ob es das Wetter war oder all die Polizei, die ausdauernde Sitzgrüppchen junger Leute tendenziell eher ungemütlich machte und zu frühzeitigen Heimfahrten führte? Wahrscheinlich beides.

CSD Karlsruhe: Fotos ins Wasser gefallen

Ein Stück vom Infostand-Tisch: eine Sammlung Flyer und Aufkleber auf einer lila Tischdecke.
Da war’s noch trocken am Infostand.

Am 1. Juni 2024 haben wir wahrscheinlich den kühlsten, wenn auch nicht der regenreichsten CSD seit 2012 hingelegt — aber damals war es Mitte April. Jedenfalls kann sich die Verfasserin dieser Zeilen nicht erinnern, dass sie in den letzten Jahren die Jacke wegen der Temparatur statt Regen gebraucht hätte, wenn ein Dach drüber ist.

Der Aufbau um 10 Uhr erfolgte noch im Trockenen. Pünktlich zur Einweisung der Ordnungspersonen fing es dann an zu nieseln, und hörte bis 18 Uhr nicht mehr auf.

Resultat war eine kleine und sehr beschirmte Demoparade, wo wegen der Nässe nicht besonders viel ausdrucksstrark fotografiert wurde. Zudem ist das mit dem Livestream dieses Jahr wohl auch nässehalber nicht so gelungen wie die letzten Jahre, weshalb ich (noch ?) keinen Link habe zu Aufnahmen von der Parade.

Zugegeben, wir haben trotzdem keinen Grund, groß zu klagen, da gegenwärtig — mal wieder — ganze Gemeinden unter Wasser stehen. (Den Betroffenen wünsche ich hiermit starke Nerven und hoffentlich eine gute Versicherung.)

Trotz des eher ungemütlichen Wetters hatten wir zwischenzeitlich gut zu tun am Stand, wobei sich die meisten Menschen schon auskannten und die merkwürdigen Gespräche sich daher in Grenzen hielten. … Wer will schon von einer Person, die nicht zuhört, erklärt bekommen, dass heutzutage niemand mehr zuhört?

Da waren uns doch ahnungslose, aber lernbereite Menschen viel lieber. Unser Glücksrad-Quiz (mit Begriffen aus dem Glossar) leistete da teils gute Dienste. Jedenfalls dürften ein paar mehr Personen jetzt wissen, dass Aromantik existiert und warum wir von einem asexuellen Spektrum sprechen.

Für einen Hach-Moment sorgten die Rosen von Mission Trans*, die wir stilecht — hust — im wassergefüllten Beschwerungsfuß untergebracht hatten. Dank Wasser und Wetter hielten sie so gut, dass wir beim Abbau eine etwas traurig wirkende Passantin damit aufheitern kannten.

Übrigens: Die Stuttgarter Trans Pride ist dieses Jahr am 7. September geplant.

Das (negative) Glanzstück war aber wahrscheinlich die Frage, ob unsere veganen Früchtebonbons aus dem Supermarkt „homosexuell machen“. Tun sie natürlich nicht, so wie es auch keine anderen Möglichkeiten gibt, die sexuelle Orientierung einer Person zu ändern. Aber wir sehen: Selbst bei derartigen Basics sind Teile der Bevölkerung immer noch äußerst schlecht informiert.

Daher wird eins wohl dranbleiben müssen.

Hier auch noch mal vielen Dank an die Hilfe aus dem Verein und von den mehr oder weniger weitgereisten Freiwilligen aus der Pfalz und aus der Stuttgarter Ecke! Ohne euch ginge so war nicht.

Die CSD-Saison rückt näher …

Noch ein paar Tage, dann beginnt der Pride Month, und mit ihm die CSD-Saison für AktivistA.

Ein Frosch in Ace-Farben, der „Be Gay“ (do crimes) sagt.

Wo könnt ihr Menschen von AktivistA im Juni treffen oder wenigstens Flyer abgreifen?

Wir sind mit Infostand und Demogruppe am 1. Juni in Karlsruhe. Im Gepäck für den Infostand sind neben all dem Papier wie immer passende Flaggen, Armbänder und eine erweiterte Buttonkollektion.

Die Demogruppe ist für Aces, Aros, Apls und überhaupt das komplette A*spec offen. Wer spontan bei der Demogruppe mitlaufen möchte, melde sich am Infostand oder vorab z. B. per Discord, Facebook, Insta oder über das Kontaktformular. Denkt bei Demos bitte an wettergerechte Ausrüstung und ausreichend Snacks und Nichtalkoholisches in einer möglichst bruchsicheren Flasche. Gegebenenfalls sind auch Ohrstöpsel sinnvoll, meist wird es recht laut.

 

Eine Woche später, am 8. Juni, ist in Übach-Palenberg der CSD für den Kreis Heinsberg. Dort findet ihr einen Ally mit Flyern, den neuen Broschüren und einer kleinen Ausstattung Goodies.

 

Und noch eine Woche später geht es in Baden weiter: Wir haben am 15. Juni einen Infostand beim CSD Pforzheim.

 

Die weiteren Termine stehen leider noch nicht so ganz fest, wir arbeiten aber an Stuttgart und Hamburg. Wer sich da zum Helfen motiviert fühlt, nutze bitte ebenfalls die gängigen Kontaktmöglichkeiten.