Autor: carmilladewinter

CSD Stuttgart 2021: Höhen und Tiefen

Ein vollständiger Infostand und zwei Menschen.

Nicht nur wettermäßig war unser CSD Stuttgart reichlich durchwachsen. Da die Veranstaltung zwei Tage dauern sollte statt des üblichen Sonntags, hatten wir uns mit unseren bi+ Verbündeten zusammengetan. AktivistA würde das Zelt stellen und am Samstag den Stand betreuen. Die StuBi-Gruppe sollte dann am Sonntag übernehmen. Beide Parteien hatten Infomaterial und Sticker der anderen. Daher war zumindest für die Grundabdeckung beider Themen an beiden Tagen gesorgt.

Samstag mit Sonne

Am Samstag pustete uns der Wind was vor und die Gischt vom nahe gelegenen Springbrunnen ins Gesicht. Solange die Sonne schien, war das eine erstklassige Klimaanlage.

Auf dem Schlossplatz war es anfangs noch recht ruhig. Kurz vor und nach der Demoparade wurden uns die Flyer, Buttons, Aufkleber und Armbänder beinahe aus der Hand gerissen. Und neben zwei eher seltsamen Fragestellenden hatten wir Besuch von vielen, vielen netten Menschen. Zu zahlreichen Neugierigen kamen erstaunlich viele Aces, die sich einfach freuten, auch mal wieder andere Aces außerhalb des Internets zu treffen. Einige konnten wir zum Aspec*German-Server und zum Stuttgarter Stammtisch lotsen.

Sonntag mit Wermut (aber nicht mal ordentlich Absinth zum Schöntrinken)

Der Standort hatte aber einen Nachteil, den auch die vom CSD-Verein engagierte Security nicht auffangen konnte: Nicht nur uns wurden über Nacht ein paar (glücklicherweise nicht teure) Einrichtungsgegenstände gestohlen. Leider litt das Zelt selbst auch unter dem Einbruch, sodass es wahrscheinlich nicht so lange durchhält wie erhofft. Die Ermittlungen dazu laufen.

Die Auslagen von StuBi und AktivistA am Sonntag.

Unsere verbündeten bi+ Menschen mussten sich denn am Sonntag Tische ausleihen. (Warum die Tische, aber nicht die Klappstühle Füße bekommen haben, muss uns noch wer verraten.)

Zusätzlich trübten das kühle, graue Wetter und über Nacht nass gewordener Schotter die Stimmung. Trotzdem konnten die Menschen von StuBi doch einige ihrer Buttons, Aufkleber und Flyer an Interessierte bringen. Währenddessen machte Carmilla eine Runde um den Platz, um mit allen anderen Aktiven zu schnacken, die sie teilweise seit 2019 nicht mehr live getroffen hatte.

Fazit:

CSD immer wieder gern, aber keine Pavillons über Nacht irgendwo stehen lassen.

 

Nass, aber glücklich: CSD Karlsruhe 2021

Nach einem Jahr Entzug zeigte sich ein kleines Kontingent ace und aro (und aroace) Menschen aus Baden-Württemberg auf der Demoparade des CSD Karlsruhe. Trotz Maskenpflicht und Abstandhalten kam uns wenigstens eines bekannt vor: Wir sind nämlich mal wieder nass geworden und hatten Glück, dass ausreichend Schirme vorhanden waren. Somit kamen zwar die Schuhe nicht trocken durch den Regen, aber wenigstens die Flyer und die Handtaschen.

In der Hoffnung, das das Wetter für andere CSDs trocken bleibt, wünschen wir euch einen guten restlichen Pride Month!

AktivistA 2021: Bitte um Beiträge/Call for submissions

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Auch dieses Jahr wird es eine Auflage unseres überregionalen Treffens mit Konferenz geben, und zwar vom 11. bis 12. September 2021. Genauere Informationen werden noch folgen. Wir hoffen, dass es dieses Jahr eine Offline-Veranstaltung werden kann.

Am Samstag haben wir noch zwei offene Slots für Beiträge. Wenn ihr einen dieser Slots füllen wollt, meldet euch gern bei uns. Eine Mitgliedschaft im Verein ist nicht notwendig.

Falls also hier wer mitliest und uns am Samstag, den 11. September 2021 in Stuttgart mit einem ca. 45-minütigem Vortrag oder Workshop beehren möchte, oder einen Kurzfilm zu zeigen hat, oder, oder, oder, schreibe uns bitte über das Kontaktformular oder an die Mailaddresse corinna(bei)asex-web(punkt)de.

Wir freuen uns über asex-spezifische Themen genauso wie über Einblicke in andere Teile des Akronyms (LSBTTIQAPetc.), außerdem über alle anderen Themen, die sich mit dem asexuellen Spektrum überlappen. Wir erwarten ca. 25 bis 40 Menschen mit sehr unterschiedlicher Vorbildung zu diesen Themen.

Wie gehabt tragen wir die Fahrtkosten und die Kosten für das Mittagessen. Ein kleines Honorar winkt ebenfalls.

Neuer Flyer: Gray-Asexualitität(en)

Unsere Flyerfamilie hat Zuwachs bekommen! Wir präsentieren „Grau-Asexualitäten“. Damit ist das asexuelle Spektrum in Papierform vollzählig.

Vorderansicht des Flyers "Grau-Asexualitäten - Eine Orientierungshilfe"

Doch warum stehen die Asexualitäten in der Mehrzahl?

„Gray-ace“ (manchmal auch Gray-A) ist ein Schirmbegriff. Unter diesem Schirm treffen sich Menschen mit vielen unterschiedlichen Erfahrungen. Für manche dieser Erfahrungen gibt es auch eigene Begriffe. Deshalb war es eine Herausforderung, diese Vielfalt in einem einzigen Flyer unterzubringen. Insofern ist unser kurzer Text vor allem eine Einladung, selbst weitere Informationen zu suchen.

Wenn ihr denn Flyer bestellen möchtet, benutzt bitte die Kontakteseite. Oder ihr schaut mal bei unserer Seite mit anderem Printmaterial vorbei.

 

Aktivitäten zum 1. Internationalen Tag der Asexualität morgen

Morgen ist es schon so weit: Wir feiern den ersten Internationalen Tag der Asexualität!

Dementsprechend gibt es von Organisationen von Chile bis Indien Angebote. Egal ob Lesen, Livestream oder Diskussionsrunde: Es sollte für alle was dabei sein. Die Links zu den Veranstaltungen sind auf der Seite des International Ace Day zu finden.

Auf dem deutschsprachigen Discord findet ab 19:30 Uhr ein Sprachchat statt. Wer nach einem Arbeitstag einfach Unterhaltung sucht, kann stattdessen einer Lesung lauschen. Der Link zum Zoom ab 19:30 Uhr versteckt sich in dieser Facebook-Veranstaltung.

Save the Date: AktivistA 2021

Neues Jahr, neuer Versuch mit unserer Konferenz mit überregionalem Treffen für Menschen aus dem asexuellen Spektrum. In der Hoffnung, dass wir uns im echten Leben treffen können, haben wir in Stuttgart Räume reserviert.

Und zwar für Samstag, 11. September, und Sonntag, den 12. September 2021.

Wie immer gibt es eine Unterseite, die wir aktualisieren, sobald es Neues gibt. Bitte verwendet dort das Kontaktformular, um euch anzumelden! Ohne Abstandsregeln haben wir eine Maximalbelegung von 40 Personen.

Wie letztes Jahr werden wir im hoffentlich im Juli Bescheid geben können, ob alles wie geplant stattfinden kann.

 

Grundgesetz für Alle: Jetzt mitzeichnen!

 

Für Eilige, die wissen, worum es geht: Mitzeichnen.

Moment, wie, Grundgesetz?

Die Fraktionen des Deutschen Bundestags beraten zurzeit über eine Änderung des Artikels 3, Absatz 3 Grundgesetz.

Wir erinnern uns, was da drinsteht:

(3) Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens, seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden. Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. (Quelle.)

Wieso ist das nicht „für alle“?

Als der Artikel entstand, erinnerte sich niemand an tausende von den Nazis verfolgte homosexuelle und trans Menschen. Der Paragraph des Strafgesetzbuchs, mit dem Männer verfolgt wurden, die Sex mit Männern hatten, wurde erst 1994 endgültig abgeschafft. Von einer rechtlichen Gleichstellung für alle sexuelle Orientierungen sind wir z.B. im Adoptionsrecht immer noch weit entfernt. Und dass sexuelle Minderheiten es nicht unbedingt einfacher haben, ist vielen von euch sicher am eigenen Leib bekannt. Unsere Gleichberechtigung ist also nicht ausdrücklich im Grundgesetz verankert. Das erlaubt den Gesetzgebenden, bei manchen Sachen nachlässig zu sein oder zu trödeln.

Ganz besonders heftig ist das bei trans und nicht-binären Personen — das Grundgesetz erkennt nur „Männer und Frauen“, und es darf nicht Auslegungssache bleiben, was „Geschlecht“ nun eigentlich bedeutet. Wie hoffentlich bekannt sein sollte, gibt es in ace Communitys einen hohen Anteil nicht-binärer Menschen.

Wir möchten, dass alle Menschen in unserer Community vom Grundgesetz geschützt sind. Deswegen ist AktivistA n.e.V. erstzeichnende Organisation von „Grundgesetz für Alle.“

Mitzeichnen?

Dann einfach zu grundgesetz-für-alle.de rüberklicken und Unterschrift druntersetzen. Damit alle merken, dass da endlich was passieren muss.

Video/Vortrag: Asexualität und Sprache

Im Rahmen der AktivistA 2020 hat Jonas Trochemowitz seine Forschungsarbeit zum Thema Sprache vorgestellt. Der Vortrag heißt: „Nein, Niemals, Nicht, Kein. Die Rolle der Negation in der Versprachlichung von Asexualität.“ Wie oft kommen Verneinungen in Texten über Asexualität vor? Was sind die Stärken und Schwächen der Verneinung?

„Nein“ hat Vor- und Nachteile

Über die Ambivalenz von Verneinungen haben wir auch in der Diskussion hinterher gesprochen.

„Nein“ ist einmal eine Stärke, denn es gibt uns die Möglichkeit, Erwartungen zu widersprechen.Wir können damit unsere Grenzen schützen — sofern andere unser „Nein“ nicht bewusst oder unbewusst ignorieren.

Zum anderen bezieht sich „Nein“ immer auf etwas, das ich verneinen kann. Es existiert also nur wegen der Sache, die es verneint. Bestätigt es gerade dadurch die herrschenden Annahmen?

Wir fragten uns, wozu Definitionen da sind. Gibt es in der Community eine andere Wahrnehmung von Verneinungen als von außen? Und kann es sein, dass „ace“ so beliebt ist, weil es eben sprachlich positiv ist?

Beziehungen führen ohne Nein?

Von da aus kamen wir auf das, was eine teilnehmende Person „Beziehungsbox-Modell“ nannte. Dafür werden sehr viele Unterkategorien (Boxen) aufgemacht. Alles, was den Menschen in einer Beziehung wichtig ist, bekommt ein eigenes Fach. Sex? (Welcher?) Zusammen kochen? Eine Interesse an …? (Ich könnte beispielsweise wohl kaum mit Menschen leben, die meine Büchersammlung nicht respektieren, dafür aber jede Nacht im gleichen Bett schlafen wollen.)

Dadurch werden Verneinungen vermieden. Die Beteiligten können ihre eigenen Gewichtungen der verschiedenen Boxen gegeneinander abwägen.

Weiterführende Links und Literatur

DasTenna empfahl „Sprache und Sein“ von Kübra Gümüşay. Außerdem neu erschienen ist Angela Chens „Ace: What Asexuality Reveals about Desire, Society, and the Meaning of Sex“. (Vor einiger Zeit haben wir eine kurze Besprechung gepostet.)

Von da aus streiften wir außereuropäische Überschneidungen. Alle Links auf Englisch.

Eine Betrachtung von Ehen unter Frauen in China vor 1940.

Das Aze Journal kümmert sich gelegentlich auch um Konzepte aus älteren Kulturen.

Diverse Menschen aus Kanada, USA, Großbritannien, Deutschland und Israel beim International Panel der World Pride Asexuality Conference 2012.

Und ganz neu: Rassifizierte Menschen über Asexualität bei der UK Acesexuality Conference 2020. Die Person aus Indien hat Indian Aces mitgegründet.