Es regnet Fragen: unser Infostand auf dem Hamburg Pride 2025

Auf geht’s, ab geht’s, drei Tage Stand! Auch für dieses Jahr haben wir es im Norden wieder geschafft.

Glücklicherweise konnten wir am Freitagvormittag noch im Trockenen aufbauen, brauchten aber aufgrund plötzlicher Erkrankung einer eingeplanten Person recht lange dafür. Den Tag über kam es immer wieder zu stärkeren Regenfällen. Der neue Pavillon hielt dicht, doch unter dem Tisch hatten wir teilweise einen kleinen Bach. Immerhin war es kaum windig.

Infostand mit lila Tischdecke, Flyern, Buttons und Glücksrad unter einem blauen Pavillon. Wände und Eingang sind mit Flaggen und Bannern geschmückt. Links neben dem Stand steht eine Frau.
Endlich steht der Stand! Jetzt nur noch die Buttons …

Am Samstag konnte die Fußgruppe (hier zwischen etwa 13’10“ und 13’20“ kurz zu sehen) bei Sonnenschein starten, kam dann aber gebadet bei uns an. Auch viele Besuchende trieften, dennoch war der Andrang nach der Demo wie üblich sehr groß. Beliebt war vor allem unser Glücksrad (mittlerweile haben wir ein eigenes) – so beliebt, dass irgendwann der Zeiger abbrach.

Ein Glücksrad mit den Farben der asexuellen und der Regenbogenflagge. In der Mitte steht "Aspec Stammtisch Hamburg".
Da war es noch ganz.

Die Glücksrad-Fragen bieten stets einen guten Einstieg, um Missverständnisse aufzuklären und Vorurteile abzubauen. Das ist auch nötig. Die Aussage „Oh, das ist aber schade, Sex ist doch so etwas Schönes“ kam gleich zweimal. Eine Person fragte, ob asexuelle Menschen denn besonders schöpferisch seien, schließlich müsse die sexuelle Energie ja irgendwohin umgeleitet werden. In meinem Kopf formte sich automatisch die Antwort: Mir kompensieret nix!

Die positiven Erlebnisse haben jedoch auch in diesem Jahr die negativen aufgewogen. Viele Menschen stellten interessierte und respektvolle Fragen und nahmen sich Informationsmaterial mit. Einige Aces und Aros konnten wir auf den Hamburger Stammtisch oder Aspec*German verweisen. Personen, die sich noch unsicher sind, freuten sich über die Kölner Broschüre.

Im Grunde bot der Sonntag die besten Voraussetzungen für Gespräche mit Besuchenden. Bei leichtem Regen herrschte leichter Betrieb ohne Gedränge. Die handgemachten Armbänder waren zum Schluss ebenso vergriffen wie die Vereins-Kugelschreiber, während von den Buttons viele übrig blieben. Allerdings haben wir auch den neu ins Sortiment aufgenommenen mit der demiromantischen Flagge ein paarmal verkauft.

Nahaufnahme des Infostands. Auf der lila Tischdecke sind diverse Flyer, Armbänder und ein aufgestelltes großes "A" in den Farben Lila und Grün zu sehen.
Man beachte die prall mit Armbändern gefüllte Tüte oben rechts. Die war zum Schluss leer!

Vielen Dank an alle, die bei der Fußgruppe mitgelaufen sind, am Stand Schichten übernommen und/oder im Vorfeld gebastelt haben.

Meine persönlichen Erkenntnisse: Die Cola-Lutscher in Fußform mit Brausepulver schmecken super und die Queer-Chameleon-Comics sind extrem süß – nicht nur die zum Thema Asexualität.

Stuttgart Pride 2025: Zwei Tage volle Bedröppelung.

Normalerweise brauche ich ja nicht gar so lange, einen Bericht zu verfassen. So richtig abgehakt ist die Stuttgart Pride für die Verfasserin dieser Zeilen allerdings nicht: Das Zelt versucht weiterhin, auf der Terrasse zu trocknen. Bei regelmäßigen heftigen Gewitterschauern mehr ein frommer Wunsch als Realität.

Aber von Anfang an …

Der Paradesamstag

Trotz schwäbischer Ordnungsliebe war es im Aufstellungsbereich etwas eng und Fahrzeuge standen auf den falschen Markierungen. Kurz vor Paradestart fing es dann an auch noch an zu regnen.

Eine Handvoll Menschen unter bunten Schirmen, von hinten und mit ace und aro Flaggen als Umhänge.
Ein Teil der Fußgruppe vor dem Start im Regen.

Das erste Drittel der Strecke legten wir daher gut beschirmt zurück. Danach zeigte sich die Sonne. Dadurch konnte wir doch ein paar Informationen und Sticker unters teils sehr interessierte Publikum bringen.

Drei Menschen tragen ein Banner, das die Logos von AktvistA und Aspec*German zeigt. Am Straßenrand steht eine Menge Publikum.
Die Demogruppe unterwegs.

Einige am Rand stehende ace und aro Personen sammelten wir im Lauf der Parade noch ein, sodass wir am Ende ein paar mehr Menschen waren als am Anfang.

Die fast komplette Fußgruppe von vorn hinter einem Banner mit den Logos von AktivistA und Aspec*German. Außerdem die Forderung: Sichtbarkeit und Akzeptanz für aplatonische, aromantische und asexuelle Menschen.Die meisten sind irgendwie in ace oder aro Farben verkleidet, im Hintergrund noch ein Schild mit "Nur wegen J.K. Rowling muss ich dieses Schild rumtragen."
Die Demogruppe nach der Parade.

Die etwas auffälligere Kostümierung kam beim Publikum ziemlich gut an. Wer weiß, wo die Fotos überall rumschwirren. Wenn ihr uns irgendwo entdeckt, sagt Bescheid!

Filmisch waren wir dieses Jahr nicht so prominent unterwegs wie anno 2024, wo wir es tatsächlich in die Tagesschau schafften.

Entdecken könnt ihr uns im Livestream zur Pride, allerdings nur der vor der Stuttgarter Zeitung & Stuttgarter Nachrichten bei YouTube. Ihr findet uns ab ca. 2:53:10. Der offizielle Stream der IG CSD Stuttgart litt leider unter einigen Schluckaufen, vielleicht auch wegen des Wetters.

Kaum waren wir zusammengepackt, fing es wieder an zu regnen, diesmal mit einer gute halbe Stunde Starkregen, die die Heimreise für einige feucht und wenig fröhlich gestaltete.

Sonntag mit Infostand

Was soll ich sagen? Es regnete bis um neun Uhr morgens. Ich fuhr bei Sonnenschein nach Stuttgart, wo wir das Zelt aufbauten. Dann regnete es. Es blieb eine gute Stunde trocken, bis es wieder eine gute halbe Stunde regnete. Um halb sechs fingen wir an zusammenzupacken, weil es laut Regenradar um 18 Uhr wieder anfangen sollte zu regnen. … Das Regenradar hatte recht.

Auf der Heimfahrt fuhren manche meiner Mithelfenden durch zwei weitere Gewitter.

Zwischen den Starkregenereignissen bekamen wir okay, aber nicht überragend viel Besuch, sodass neben dem Stand zumindest auch mein Gemüt etwas bedröppelt war.

Vielen Dank an alle, die an den beiden Tagen geholfen haben!

Eine Auslage von ace und etwas aro Infomaterial auf einer lila Tischdecke. Dahinter pladdert Regen auf eine schicke Fußgängerzone.
Gewitterregen vor dem Infostand.

Hamburg Pride 2025 – wir sind dabei!

Wie üblich wird es am ersten Augustwochenende in Hamburg bunt – diesmal unter dem Motto „Wir sind hier, um zu bleiben. Queere Menschen schützen“.
AktivistA wird auch in diesem Jahr von Freitag bis Sonntag auf dem Straßenfest anzutreffen sein. Ihr findet unseren Infostand am Jungfernstieg in unmittelbarer Nähe des gleichnamigen U- und S-Bahnhofs. Neben den üblichen Goodies gibt es exklusiv bei uns im Norden wunderschöne Armbänder in Ace-, Aro- und anderen Farben, die ein engagiertes Mitglied liebevoll aufgefädelt hat.
Gibt es denn bei der Demo auch eine Fußgruppe? Ja. Angemeldet hat sie der Hamburger Stammtisch. Zugeteilt wurde ihr die Nummer 58 von 118, sie wird also etwa in der Mitte des Zuges zu finden sein.

Über das Neinsagen

Ambition und Inspiration

Vor einigen Wochen habe ich versprochen, meinen eher nachdenklichen Redetext aus Pforzheim nachzureichen. Kurz, bevor sich der süddeutsche Teil des Vereins in die Stuttgart Pride stürzt, ist mir aufgefallen, dass das noch aussteht.

So ein Text fällt nicht vom Himmel. Zunächst hatte ich mich entschieden, nicht einfach politische Forderungen aufzustellen. Es war absehbar, dass andere auf der Bühne das tun würden. Nicht, dass wir keine politschen Forderungen hätten. Einige davon sind im Posting zum diesjährigen Internationalen Asexuality Day nachlesbar.

Gleichzeitig war mir klar, dass es nötig wäre, eine ace und aro Präsenz zumindest in Ansätzen zu erklären. Warum sind wir bei so einer Veranstaltung? Was trennt, was haben wir mit anderen Anwesenden gemeinsam? Wie viel Trennung wollen wir zulassen?

Diese Überlegungen wurden durch Lesestoff der letzten Monate befeuert. Daher ein paar Buchhinweise.

Zum einen Audre Lorde, die sowohl zum Thema Selfcare als auch zum Thema gewaltfreier Widerstand kluge Dinge geschrieben hat. Und zu einigen anderen Dingen auch. Die Aufsatzsammlung Sister Outsider ist äußerst empfehlenswert, auch wenn zeitbedingt trans Themen wenig vorkommen. Die deutsche Übersetzung ist bei Penguin/btb erschienen.

Cornelia Fleck hat Audre Lorde und andre Quellen genutzt, um in Queerfulness (beim Quer Verlag) Ideen für eine solidarische Protestkultur darzulegen. Ganz ohne Sara Ahmed, die in The Promise of Happiness aber zu ähnlichen Schlüssen kommt.

Und damit zum eigentlichen Text.


Über das Neinsagen: Textentwurf

Ich gehöre zu dem ziemlich lila Infostand da hinten: Das ist AktivistA, der Verein zur Sichtbarmachung des asexuellen Spektrums.

Als wir 2012/2013 mit Infoständen und Demogruppen angefangen haben, auf den CSDs in Stuttgart und Karlsruhe, und auch auf dem transgenialen CSD in Berlin-Kreuzberg, da waren viele andere Besuchende erst mal irritiert. Denn wenn ich es ganz kurz fassen müsste: Wir sind das Nein.

Nein, ich blicke nicht, warum mich die Genitalien anderer Menschen interessieren sollten, und ich habe keine Ambitionen, die anzufassen.

Nein, ich verstehe nicht, warum alle so auf romantische Paarbeziehungen abzufahren scheinen und irgendwen zu ihrem Ein und Alles erklären möchten.

Derartige Neins könnte ich noch ausdifferenzieren. Aber dafür ist die Redezeit zu kurz, und an unserem Infostand gibt es das alles auch zum Nachlesen.

Im Lauf der Zeit haben die meisten mit Fragezeichen in den Augen verstanden, dass unser Nein sich nicht so sehr von ihrem Nein unterscheidet.

Nein, in diesen Traum vom normalen Glück mit Hetero-Beziehung und allem, in den passe ich leider nicht rein. Ich brauche eine Maßanfertigung, gern in Lila, mit viel Glitzer und Pailletten.

Ich glaube, die meisten von uns wissen, dass solche Neins nicht einfach zu äußern sind.

Manchmal ist es zum Beispiel für Teenies der Weg des geringsten Widerstands, irgendeine hetero-genehme Schwärmerei zu erfinden, statt zu sagen: Ich steh nicht auf Mädchen. Oder: Ich steh nicht auf Jungs. Oder: Ich finde Jungs und Mädchen interessant. Oder: Ich blicke nicht, was ihr mit „heiß“ meint.

Genauso ist es einfacher, einen rassistischen, ableistischen, sexistischen oder queerfeindlichen Spruch wegzulächeln, statt zu sagen: Du trittst gerade nach unten, und das ist nicht witzig.

Solche Neins kosten Kraft.

Aber es gibt einen Grund, warum patriarchale Gesellschaften Frauen gern vereinzeln. Es gibt einen Grund, warum Nazis und Rechtsaußen und religiöse Fundis gegen CSDs protestieren und versuchen, uns aus dem öffentlichen Raum zu vertreiben:

Die haben Angst. Die haben Angst vor unserem Nein.

Kultur ist immer eine Sache der gesellschaftlichen Aushandlung, und genau diese Aushandlungen, diesen Diskurs wollen sie verhindern. Denn unsere bloße Anwesenheit enttarnt die Angst, die Pluralität, Veränderung und Mehrdeutigkeiten in ihnen auslösen. Unser Nein stört die Grenzen, die sie ziehen möchten. Diese sauberen Grenzen brauchen sie, um sich dann gut, sicher und gerecht zu fühlen und sich auf der obersten Stufe der Hierarchie breit zu machen.

Weil sie Angst haben, verbreiten sie Angst. Sie fabulieren Bedrohungen zusammen. Diese Märchen verpacken und verbreiten sie dann so geschickt, dass ungefähr 25 % Prozent des Wahlvolks in diesem Land ihre Vernunft und ihre Empathie ausschalten.

Und dann wollen sie uns noch einreden, dass es wieder besser würde, wenn nur LGB das TIQplus unter die Räder des Faschismus kommen ließe.

Mal ist die Angstmache von rechtsaußen und von religiösfaschistischer Seite sehr direkt, indem sie uns und unsere Lieben mit Worten und Taten bedrohen. So auch heute.

Und denen ist entlarvenderweise egal, welche Buchstaben wir benutzen.

In Anbetracht dieser Tatsache kann ich nur sagen: Danke, dass ihr trotzdem da seid und mit uns demonstriert!

Ich weiß, unsere Neins kosten Kraft, aber sie haben in der Vergangenheit was gebracht. Der allererste Christopher Street Day war ein Aufstand gegen die Obrigkeit, für den wir heute dankbar sind.

Auf Dauer bringt es aber nichts, Pflastersteine zurückzuwerfen: Zwischen verhärteten Fronten bleibt am Ende für alle nur ein Scherbenhaufen.

Ja, wir haben manchmal Angst. Und nein, lassen wir uns davon nicht kirre machen. Entscheiden wir uns für Solidarität statt Egoismus. Seien wir kreativ statt restriktiv. Und statt uns ins Ewiggestrige zurück zu wünschen: Seien wir bereit, die Zukunft mit radikaler Zärtlichkeit zu gestalten.

Danke!

CSD Pforzheim 2025: Weich wie geschmolzener Kruppstahl?

Der dritte CSD in Pforzheim gestern präsentierte sich mit ähnlichem Wetter wie der erste: Größtenteils wolkenlos und richtig, richtig heiß. Es hatten sich mehr Stände angemeldet als die letzten beiden Jahre. So kam AktivistA ins zweifelhafte Vergnügen, den ganzen Nachmittag über Sonne im Zelt zu haben — bei 34 Grad Außentemperatur brutzelten wir da ungemütlich vor uns hin.

Ein Meer aus kleinen Pride-Flagen, die in Kuchenstücken stecken.
Es gab, dank einer sehr coolen Person, veganen Kuchen.

Unser verhältnismäßig früher Aufbruch um 18 Uhr war dennoch der Temperatur und der dadurch geringen Publikumsfrequenz geschuldet. Vorher freuten sich Menschen über unsere Anwesenheit, konnten teils zu AktivAro weiterverwiesen werden und auch das Material zur Disability und Mad Pride Bonn am 14. Juli fand Abnehmende.

Die Redebeiträge, darunter einer der Verfasserin dieser Zeilen, hatten leider ebenfalls wenig Publikum. (Der Redetext bekommt noch einen eigenen Post in den nächsten Tagen.) Dabei hatte sich dieses Mal sogar eine Vertretung der Stadtverwaltung auf die Bühne getraut, nämlich Kulturbürgermeister Tobias Volle. Das Rathaus hatte da die letzten beiden Jahre eher mit Abwesenheit geglänzt. Auch der musikalisch und inhaltlich sehr ansprechende Auftritt von Finna hätte mehr Feiernde verdient gehabt.

Corinna auf einer Bühne - ein bisschen lila und Glitzer auf dm Outfit, im Hintergrund die Gebärdendolmetschperson.
Mit ace Outfit auf einer großen Bühne.

Insgesamt blieb es friedlich auf dem Platz.

Ein Fakt, der sich auch anders hätte darstellen können, denn wegen eines Aufmarsches von Nazis (vulgo „Gegendemonstration“) gab es erhebliche Sicherheitsbedenken.

Etwa vier Wochen vor der Veranstaltung hatte eine Gruppe namens „Der Störtrupp“ oder auch „Störtrupp Süd“ (man beachte die Abkürzung) eben diese Gegendemonstration angemeldet. Das traditionale Kleinfamilienbild diente dafür als Aufhänger. Als weiße Familie gedacht — Personen of Color sind da nicht mitgemeint, wie der Bericht von queer.de beweist. Daraufhin mussten die Veranstaltenden von Spotlight e.V. das Sicherheitskonzept überdenken und mehr Geld für zusätzliche Security ausgeben. Bei einer Veranstaltung, die ohnehin schon wegen eines Sponsoring-Ausfalls finanziell auf der Kippe stand, eine echte Herausforderung.

Diesbezüglich möchten wir auf den Regenbogenschutzfonds für kleinere CSDs aufmerksam machen.

Die lokale bürgerliche Allianz gegen Rechts hatte zu einer Soli-Teilnahme am CSD aufrief, genauso wie der CSD Stuttgart. Hingegen hatte die linke, klassische Antifa wiederum zu eigenen Maßnahmen gegriffen, um den CSD zu schützen. Die Autorin dieser Zeilen meint, dass das einerseits ein nobles Ziel ist, andererseits wirkt es kontraproduktiv, wenn zu diesem Zwecke die Prügelei mit der Nazi-Demo gesucht wird.

… Seufz.

Ein paar Berichte: Filmbeitrag beim SWR, die Pforzheimer Zeitung bei YouTube. Die Ansprache von Schirmchen Sookee ist leider nur auf Facebook oder Insta von Queer Space Pforzheim zu finden.

Und da die Verfasserin dieser Zeilen über ein T-Shirt mit der kuschligen Aufschrift „weich“ so begeistert war, dass sie nach dem Ursprung fragen musste: für überhitzte CSDs gibt es ein passendes Lied von Lumpenpack, das dann auch den Titel zum Beitrag lieferte.

Mehr Leute auf der Demo als am Straßenrand: CSD Karlsruhe 2025

In einer heroischen Anstrengung tippe ich diese Zeilen trotz Muskelkater. Gestern habe ich drei Kilometer Stop-and-Go mit dem bewährten wie voll befüllten AktivstA-Demohandwagen zurückgelegt. Diese machen sich nun im Bizeps bemerkbar.

Das folgende Bild gibt in etwa einen Eindruck der zu bewegenden Last vorn rechts. Im Hintergrund hat die erste Vorsitzende versucht, sich praktisch, aber in den Farben der Aroace-Flagge zu verpacken und sich dabei ohne den üblichen Hut gut getarnt. Das ist aber nichts gegen die Pan-Dämonie links und die Aces am Zylinder daneben. Insgesamt hatten wir acht Mitstreitende.

Fünf Menschen posieren hinter einem bunten Banner. Die Personen haben sich verschiedene Pride-Flaggn umgehängt oder sind passend kostümiert. Auf dem Banner steht "AktivistA und Aspec*German - Mehr Sichtbarkeit und Akzeptanz für das asexuelle, aromantische und aplatonische Spektrum." Im Vordergrund steht ein Bollerwagen, aus dem eine Demi-Ace-Flagge ragt. Ein kleines Textilbaner macht Werbung für AktivistA, aromantik.de und Aspec*German.

Und leichter wurde der Wagen auch nicht. Anders als zum Beispiel aus Stuttgart, Köln oder Berlin gewohnt, befand sich der Großteil der 11’000 angereisten Personen tatsächlich im Demowurm statt am Straßenrand. Deswegen wurden wir nur begrenzt Flyer und Sticker los. Aber immerhin konnten wir einige Aces und Aros darauf hinweisen, dass es Organisationen gibt, bei denen sie Menschen aus den A-Spektren finden können. Vielen Dank auch an QueerAmnesty Karlsruhe! Diese sehr netten Menschen hatten für uns Faltblätter ausgelegt, da wir wegen der Urlaubszeit keinen eigenen Stand auf die Beine stellen konnten.

Im Fernsehen sind wir diesmal nicht gelandet (hier der SWR-Berichtaber/nur KA-News hat ein schönes Bild von einigen von uns und den Demoschildern. Alle bekannten Bildquellen für die komplette Parade 2025 versammelt der CSD Karlsruhe.

Der 28. Mai – ein neuer Tag des Lieblingsmenschen?

Mehr aus Zufall stellten wir fest, dass Blume2000 den 28. Mai als Tag des Lieblingsmenschen ausgerufen hat.

Eine regenbogenfarbene Tonspur vor schwarzem Hintergrund. Auf der hälfte ein stilisiertes Megafon, das die Tonspur von schmal (also leise) nach breit (also laut) dreht.

Dies selbstverständlich nicht ganz uneigennützig, will Blume2000 doch gewiss, wie der Name des Unternehmens schon sagt, Blumen verkaufen. Aber es hat was, denn nicht alle unsere Lebens- oder Lieblingsmenschen sind uns in romantischer Liebe verbunden. Es soll ja tatsächlich so was wie queerplatonische Partner*innenschaften und beste Friends with Benefits geben, mal mit, mal ohne Poly-Anteile. Damit bricht Blume2000 aus vermutlich kapitalistischen Gründen amatonormative Stereotype auf.

Amatonormativität ist die in unserer Gesellschaft vorherrschende, meist unbewusste Überzeugung, dass exklusive, romantisch-sexuelle Beziehungen grundsätzlich wichtiger und wertvoller als andere Arten von Beziehungen (z. B. Freund*innenschaften) sind und dass alle Menschen diese unterhalten oder zumindest anstreben sollten.

Nun hätte eins den Weg Finnlands gehen können. In Finnland ist der Valentinstag nämlich nicht für romantische Paare reserviert, sondern vor allem für die Freundschaft. Überall sonst sind asexuelle und vor allem aromantische Menschen am 14. Februar außen vor. Aber bei Blume2000 wurde es, warum auch immer, der 28. Mai.

Denn Blume2000 kennt tatsächlich zudem den Internationalen Tag der Freundschaft am 30. Juli, den die Vereinten Nationen 2011 in ihr Register aufgenommen haben.

Leider sind Schnittblumen nicht so günstig, welken schnell, und je nach Variante gehen sie ganz schön aufs Klima. Daher haben wir ein paar unkommerzielle Ideen versammelt, falls eins von euch diesen Tag nutzen möchte, um euren besten Freundespersonen, (queer)platonisch Verbundenen, Familienangehörigen oder sonst wem euch wichtigen eine Freude zu machen.

Eins könnte …

  • miteinander kochen
  • den Lieblingsmensch anrufen, falls ihr nicht zusammen wohnt
  • für die Person was basteln
  • liebe Zettel schreiben
  • sich auf einen Tee treffen
  • sich zu einem gemeinsamen Spaziergang treffen
  • Wiesenblumen pflücken
  • oder Samenbomben für Bienenfutter verteilen, falls zu wenig blüht bei euch
  • gemeinsam wandern gehen
  • einen Brettspielabend veranstalten
  • gemeinsam picknicken
  • einander aus einem Buch vorlesen (per Telefon oder bei einem Treffen)
  • zusammen in den Himmel schauen und Wolkenformen entdecken.

Habt ihr noch Ideen? Wollt und braucht ihr einen nicht romanzen-lastigen Tag, um eure(n) Lieblingsmenschen zu feiern?

Warum gehört das zweite A zum IDAHOBITA?

CN: Wiedergabe von trans- und acefeindlichen Meinungen und verschwörungserzählerischem Geschwurbel, Erwähnung von Pädokriminalität


Unser Sharepic zum IDAHOBITA: In der Mitte das Logo des Aktionstags, ein lila Dreieck mit dem Ausrufezeichen und dem Untertitel "International Day against Homophobia, Transphobia and Biphobia, A Worldwide Celebration of Sexual and Gender Diversities, May 17". Außenrum der Titel unseres Beitrags, die CNs und das AktivistA-Logo.

 

Wieso soll denn da noch ein A rein?, werden sich auch dieses Jahr Menschen fragen. Die Diskussionen erleben wir online oder offline in aktivistischen Kontexten. Soll der 17.5. das bleiben, als was er gegründet wurde, nämlich ein Aktionstag gegen Homofeindlichkeit? So kommt die älteste Abkürzung zustande: International Day Against HOmophobia, kurz IDAHO. Mit den Jahren ergänzt wurden Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit, sodass dass das häufigste Akronym IDAHOBIT wurde, mal mit, mal ohne Plus. Als Verein, in dem ace und aro Menschen unterwegs sind und der mit anderen ace und aro Organisationen verbündet ist, kann AktivistA logisch auf ein zweites A nicht verzichten. Das queere Landesnetzwerk in Baden-Württemberg folgte sogar einem Aufruf aus Heidelberg und spricht vom IDAHOBALTI+, erinnert also neben der Aspec- auch an Lesbenfeindlichkeit.

Populären Annahmen zum Trotz gibt es Feindlichkeit gegen ace und aro Menschen, und tatsächlich erleben wir gerade live, wie diese Gruppen zum Hassobjekt von rechten und religiös-fundamentalistischen Gruppierungen im englischsprachigen Raum werden.

Sozusagen von 0 (wie unsichtbar) auf 100 zum Sündenbock für den vermeintlichen Untergang des christlichen Abendlands.

Was passiert da also seit 2021?

 

Schritt 1:

Es beginnt mit intuitiver Ablehnung als Reaktion auf Sichtbarkeit von bzw. Konfrontation mit besagter Minderheit, die in Form von Spott, Verleugnung und Entmenschlichung daherkommt.

Beispiele:

“Happy International Fake Oppression Day to everyone who wants complete strangers to know they don’t fancy a shag.”

(In etwa: „Fröhlichen Internationalen Tag der Pseudo-Unterdrückung für alle, die komplett fremden Menschen mitteilen wollen, dass sie keine Lust aufs Vögeln haben.“ – J. K. Rowlings Reaktion auf einen Tweet zum International Asexuality Day am 6.4.2025, siehe unter anderem unsere Reaktion)

 

“Well, humans aren’t asexual. Some animals are asexual. Komodo dragons and crayfish are asexual, but humans aren’t Komodo dragons and crayfish.”

(In etwa: „Nun ja, Menschen sind asexuell. Manche Tiere sind asexuell. Komodowarane und Süßwasserkrebse sind asexuell, aber Menschen sind weder Komodowarane noch Krebstiere.“ – Matt Walsh in einem Beitrag über Latoya Raveneau vom 9.4.2022, Quelle: https://theacecouple.com/episode085/)

Diese Reaktion kann unter anderem dadurch ausgelöst sein, dass man das Gefühl hat, die eigene Identität (als Frau/Mann/heterosexuelle cis Person) würde durch die bloße Existenz von Menschen, die anders sind, in Frage gestellt werden.

 

Schritt 2:

Statt die darauffolgende Kritik zum Nach- und ggf. Umdenken zu nutzen, sieht man sich im Recht und erfindet, in Ermangelung echter Gründe für die Ablehnung, Lügen über die Minderheit, teilweise mit pseudowissenschaftlichem Anstrich, die scheinbar harmlos beginnen, aber recht schnell in Verschwörungserzählungen wie die vom „Großen Austausch“ eingewoben werden. Je nach Erzählung hängt die Pharmaindustrie mit drin, da Asexualität angeblich wahlweise durch Impfungen oder durch Antidepressiva entstehe, oder man greift auf die „Groomer“-Vorwürfe der 1970er zurück. Für diejenigen, an denen die Debatten um Cybergrooming etc. vorbeigingen: „Grooming“ („Heranziehen“) beschreibt, wenn potentielle Täter sich in Missbrauchsabsicht stufenweise das Vertrauen von Minderjährigen erschleichen.

 

Beispiele:

“Puberty blockers probably stop sexual development so these kids will never have an orgasm. They’ll be asexual. [There will] be a growing community of asexual trans kids.”

(In etwa: „Pubertätsblocker halten die sexuelle Entwicklung an, also werden diese Kinder nie einen Orgasmus erleben. Sie werden asexuell sein. [Es wird] eine wachsende Community von asexuellen trans Kindern geben.“ Tweet als Reaktion auf die Ace Week im Oktober 2021, zitiert nach Sherronda J. Brown: https://prismreports.org/2023/01/13/acephobic-conspiracy-theories-transphobic-fascist-roots/)

 

„It is an ideological creep overlapping with transhumanism, transgender subcultures and online cult, with very aggressive policing of presentation and language, often promoting having sex with people you feel nothing emotional for. I believe it is about breaking boundaries and making people exposed to manipulative peers all whilst disconnected from parents and outsiders who are baffled by the novel terminologies. Shame and embarrassment are a way to keep people under control and will occur when children and young adults are forced to disavow their asexuality when they fall in love or pass puberty and have sexual feelings.“

(In etwa: „Es handelt sich um eine schleichende ideologische Verbreiterung, die überlappt mit Transhumanismus, trans Subkulturen und Onlinekulten, mit einer sehr aggressiven Kontrolle von Präsentation und Sprache, die oftmals dazu ermutigt, mit Menschen Sex zu haben, für die man keine Gefühle hegt. Ich glaube, dass es darum geht, Grenzen zu überschreiten und Menschen einer manipulativen Peergroup auszusetzen, während sie gleichzeitig getrennt werden von Eltern und Außenstehenden, die von den neuen Begrifflichkeiten verwirrt sind. Scham und Verlegenheit sind ein Weg, um Menschen zu kontrollieren und werden unweigerlich auftauchen, wenn Kinder und junge Erwachsene von ihrer Asexualität abschwören müssen, sobald sie sich verlieben oder nach der Pubertät sexuelle Gefühle entwickeln.“ Bryndis Blackadder in einem Blogbeitrag vom 9.5.2021, https://bryndisb.substack.com/p/asexuality-queering-the-mundane, Anmerkung der Übersetzerin: Das steht da wirklich so.)

 

„It is our opinion that conversations about asexuality may groom children to see enthusiastic consent as an optional extra; this is clearly a risk. […] He can use the cover of “I am an asexual so I have no sexual desire” to give the child a false sense of reassurance while he continues to groom her (or him).“

(In etwa: „Unserer Meinung nach könnten Gespräche über Asexualität dazu heranziehen, enthusiastischen Consent [zu sexuellen Handlungen] als optional zu betrachten; dies ist ein eindeutiges Risiko. […] Er kann ‚Ich bin asexuell und empfinde deshalb kein sexuelles Verlangen‘ als Tarnung verwenden, um dem Kind ein falsches Gefühl der Sicherheit einzuflößen, während er weiterhin Grooming betreibt‘.“ Safe Schools Alliance UK in einem Blog-Beitrag vom 2.11.2021 als Reaktion auf einen Facebook-Beitrag von Girlguiding UK zur Ace Week https://safeschoolsallianceuk.net/2021/11/02/girl-guiding-and-asexuality/)

 

 

Schritt 3:

Auf diese Weise entsteht nach und nach ein Bild der Minderheit als Bedrohung für die gesamte Gesellschaft im Allgemeinen und (weiße) Frauen und Kinder im Speziellen und einer angeblichen Gefahr für die Sicherheit letzterer und für den Fortbestand der (weißen) Zivilisation und des Status Quo. Gleichzeitig stellt man sich selbst als moralisch überlegenen Menschen dar, der das alles „nur für die Kinder“ tut.

 

Fazit

Seit einigen Jahren kann man beobachten, wie auf diese Weise öffentliche Hasskampagnen gegen asexuelle und teilweise auch aromantische Menschen entstehen, und wie ihnen dieselben Dinge unterstellt werden, die auch schon anderen queeren Menschen unterstellt wurden und werden.

Aces und Aros sind also von derselben Queerfeindlichkeit betroffen wie alle anderen, die nicht hetero und/oder nicht cis sind.

Genau deswegen braucht und hat der IDAHOBITA/IDAHOBALTI+ ein zweites A.

 

 

Weiterführende Links:

Unsere geplanten Pride-Präsenzen 2025

In der Hoffnung auf trockenes Wetter plant AktivistA auch dieses Jahr wieder, ein paar Prides zu besuchen. Dabei kooperieren wir wie so häufig mit den lokalen Stammtischen/Treffs und Aspec*German.

Der Start ist wie immer in Süddeutschland. Bei Interesse am Mitdemonstrieren könnt ihr einfach auftauchen oder uns bzw. den Aces und Aros Hamburg kurz Bescheid geben. Nutzt dazu unser Kontaktformular, den Aspec*German-Discord, oder, wenn ihr sie schon kennt, die einschlägigen Kanäle. Wir freuen uns über fantasievolle Looks in ace, aro oder apl Farben, sie sind aber logischerweise keine Pflicht.

Zunächst die Terminübersicht …

Samstag, 7. Juni, CSD Karlsruhe: Fußgruppe bei der Demo.

Samstag, 14. Juni, CSD Pforzheim: Infostand.

Samstag, 26. Juli, Stuttgart Pride: Fußgruppe bei der Demoparade
Sonntag, 27.Juli, Stuttgart Pride: Infostand bei der AIDS-Hilfe-Hocketse

Freitag, 1. August bis Sonntag, 3. August, Hamburg Pride, Infostand beim Straßenfest.
Demogruppe am 2. August organisiert durch Asexuelle & Aromantische Community Hamburg.

 

Ein paar Hinweise, und: Eure Prides brauchen Euch!

Zur Basis-Ausrüstung gehören neben zum Wetter passender Kleidung und Sonnenschutz auch Lärmschutz, alkoholfreies Trinken, ggf. Snacks und individuelle Bedarfe.

Achtet bitte auf euch, egal zu welcher Pride-Veranstaltung ihr geht. Schaut vorher, ob die Veranstaltenden Tipps und Sicherheitshinweise für euch haben. Das gesellschaftliche Klima ist rauer geworden, und selbst falls bis Juni irgendwer den Mut hat, ein Verbotsverfahren gegen die AfD einzuleiten: Die Nazis und religiösen Fundis werden davon leider nicht weniger.

Gleichzeitig springen aus diversen Gründen Sponsoren ab — mal, weil die Wirtschaftslage nicht gut ist, mal, weil das Fähnchen im Wind bequemer ist. Alle Organisationen, die CSDs veranstalten, freuen sich über Spenden, klar. Aber manchmal müssen CSDs in eurer Nähe um ihre Existenz kämpfen. Wenn ihr Geld übrig habt, könntet ihr zum Beispiel einen CSD-Verein mit einer Spende oder einer Mitgliedschaft unterstützen.

„Gleiche Rechte für alle heißt nicht weniger Rechte für dich. Das ist kein Kuchen!“

Rowlings Anti-Ace-Kommentare: eine klassische Strategie von Rechtsaußen

Dass der Internationale Tag der Asexualität (International Asexuality Day) sowie die Ace Week ihre Berechtigung haben, bewies pünktlich zum IAD 2025 J. K. Rowling. (Es berichteten z. B. Mannschaft und PinkNews.)

J. K. Rowling, international bekannte Anti-Trans-Aktivistin, teilte und kommentierte eine Infografik des britischen Switchboard-Hilfetelefons für queere Personen in Not. Switchboard hatte für den 6. April eine Kachel mit „International Asexuality Day“ gepostet. Der Rest der Infografik besagte in etwa: „Asexualität bedeutet, dass eine Person wenig bis keine sexuelle Anziehung verspürt. Asexuelle Menschen können tiefe emotionale Bindungen und Beziehungen aufbauen, aber empfinden sexuelle Anziehung nicht auf die übliche Art und Weise.“

Dies ist eine gelungene Kurzvorstellung des Konzepts „Asexualität“.

Die von Rowling geteilte Grafik.

In ihren eigenen Posts dazu bewies J. K. Rowling, dass sie diese Information entweder nicht gelesen, nicht verstanden oder willentlich ignoriert hatte. Sexuelle und romantische Orientierung wurden munter zusammengewürfelt. Was, um Laura Westford in Online-Magazin Medium zu übertragen, „ein weiteres homofeindliches Motiv aufgreift, welches homosexuelle/LGBT Menschen als ausschließlich sexuell und zu keinem Gedanken an Romantik und Liebe fähig darstellt.“

Rowling jedenfalls wünschte in etwa: „Einen frohen Pseudo-Unterdrückungstag allen, die völlig Fremde wissen lassen möchten, dass sie keinen Bock aufs Vögeln haben.“

In Großbritannien kann von Pseudo-Unterdrückung keine Rede sein. Laut einer jüngst veröffentlichten Befragung von 400 Personen durch das King’s College in London glauben immerhin 30 % der britischen Bevölkerung, dass Asexualität heilbar sei. Aus einem anderen Blickwinkel: Sie glauben, dass Konversionsmaßnahmen angebracht sind. Derartige Haltungen sind auch in Deutschland verbreitet, und zwar zu allen Minderheiten-Orientierungen. (Siehe erste Ergebnisse von „Unheilbar Queer“ beim BzgA.) Konversionsversuche können die Betroffenen krank machen und sogar Suizide befördern. Deswegen sollten verantwortungsvolle Therapeut*innen und Seelsorgende davon abraten.

Und passend zum von J. K. Rowlings geäußerten Missverständnis übers „Vögeln“ teilen zwischen 24 und 41 Prozent der Befragten aus der erwähnten Studie eine exklusionistische Meinung: Sex zu haben scheint ihnen mit einer asexuellen Selbstbeschreibung nicht vereinbar.

Derlei Fehlinformationen gefährden die Sicherheit und körperliche Unversehrtheit von Aces. Solange so viel Unkenntnis und Verachtung im Umlauf sind, werden wir den IAD und die Ace Week begehen müssen.

Eins beweist dieser Ausfall der an Ausfällen reichen Xitter-Historie Rowlings: Der Versuch, Hass auf trans und nichtbinäre Personen (wieder) zu staatlicher Politik zu machen, ist nur der Anfang. So wie die Trump-Administration versucht, das T aus dem klassischen „LGBT“ verschwinden zu lassen, so soll offenbar nun der Rest der mühsam erkämpften Buchstabenkette schwinden. Die Britische „LGB Alliance“ hat jedenfalls keine Lust, sich als „queer“ vereinnahmen zu lassen oder gar auf ein T oder ein Plus im Akronym. (Quelle: https://lgballiance.org.uk/dont-call-me-queer/, absichtlich kein Link.)

Dem Faschismus geht es am Ende darum, klare Kategorien zu schaffen und die Kernfamilie zu stärken, für immer neue Arbeitsbienen und Soldaten. Da kommen Feministinnen und lgb Personen, die gegen trans Personen wettern, genau recht. Und zwar genau so lange, wie sie sich instrumentalisieren lassen.  (Vergleiche dazu auch die Analyse von geschlechtmachtwissen bei Insta.)

Ganz nach dem Motto „teile und herrsche“ wird hier versucht, zwischen einzelne Gruppen der LGBTIQAPlus-Community Keile zu treiben. Seien wir uns dieser Tatsache bewusst und halten wir zusammen.

 

Edits 2025-04-11: Klarifizierung, was „Medium“ ist, Link für Switchoard ersetzt (es gibt in UK mindestens zwei queere Hilfetelefone dieses Namens).