AktivistA 2016: Vorträge zusammengefasst, Teil 1 von 5

„Zur Darstellung asexueller Junggesellenfiguren in zeitgenössischen englischsprachigen Fernsehserien“

Im ersten Vortrag der Konferenz bot Dr. Jana Fedkte eine Analyse von Sheldon Cooper (aus „The Big Bang Theory“/TBBT), Dexter Morgan (aus „Dexter“) und Sherlock Holmes (vor allem des BBC „Sherlock“).

Nach einer Vorstellung der Figuren und der Aussagen, die sie für eine mögliche Interpretation als asexuell heranzog, zählte Dr. Fedkte deren Gemeinsamkeiten auf.

Alle sind Männer.

Alle drei sind nicht offiziell asexuell, und auch nicht offiziell mit psychiatrischen Diagnosen behaftet: Alles ist implizit, für diejenigen, die die Zeichen zu lesen wissen. Die Macher*innen der Serien widersprechen Vermutungen über die sexuelle Orientierung ihrer Figuren entweder gleich oder lassen die Frage lieber offen. Somit kann selbst Sherlock, der sich recht eindeutig identifizieren ließe, für das große Publikum anders lesbar bleiben.

Tatsächlich ist es ja so, dass ein „Nein“ viel mehr Gründe als ein „Ja“ haben kann – wenn ich also die Gründe nicht benenne, bleibt viel Raum für Spekulation.

Alle drei beginnen die Serien als Singles, und zumindest Sherlock behauptet, dass er „mit der Arbeit“ verheiratet sei. Dexter legt sich eine Partnerin zu, um „normal“ zu wirken. Anscheinend gibt es eine kulturelle Skepsis gegenüber isolierten und asexuellen Figuren.

Auch die weitere Charakterzeichnung bedient diese Vermutung:

Alle drei sind sehr intelligent, aber mit Schwierigkeiten im sozialen Bereich. Hat hier der Geist über den Körper (und die Emotionen) gesiegt?

(Einlassung der Protokollantin: Die Dichotomie zwischen Logik und Emotion ist künstlich. Ohne die Emotion, die ein Ziel vorgibt, könnten wir keine Ziele mit rationalen Mitteln verfolgen.)

Dexter ist ein Serienmörder, der Täter tötet, die seiner Meinung nach der Justiz entkommen sind, Sheldon und Sherlock haben manchmal schwer verträgliche Eigenarten und werden von außen schon mal mit einem Asperger-Autismus diagnostiziert. Sie alle wirken demnach anders und „komisch“, müssen mit ihren präsentierten Macken nicht ernst genommen werden und laden dazu ein, sich über sie lustig zu machen, statt mit ihnen zu lachen. (Siehe auch diese englischsprachige Artikelserie zum Thema Humor und Asexualität.)

Durch diese Verknüpfung von Asexualität und Disability/Behinderungen und Hyperintelligenz wird ein spätes Outing der Figuren erschwert.

Wird hier ein Unbehagen der Schreibenden über ihre Figuren deutlich, das sie dann an diesen auslassen?

Die Romanzen-Plotbögen der Serien „Dexter“ und TBBT könnten mithin dazu dienen, die Figuren im Verlauf der Staffeln menschlicher werden zu lassen und das Unbehagen der Schreibenden zu verringern. Dass natürlich hier immer eine Romanze mit Sex gleichgesetzt wird, bedeutet auch, dass diese Figuren sowohl als asexuell wie auch als aromantisch gelesen werden könnten, beziehungsweise eine Verwechslungsgefahr der beiden Konzepte besteht.

Schlussendlich zitierte Dr. Fedkte die Frage einer asexuellen Bloggerin, warum diese Figuren als asexuell verteidigt werden – sollte die Community bei solchen „Negativbespielen“ nicht auf Abstand gehen?

In der Diskussion wurde dann versucht, Sheldons Wandlung weiter auseinanderzunehmen, die schon beinahe als „Zwangsnormalisierung“ anmutet. Die Frage stellt sich – Ist nicht einfach unser Modell von „normal“ zu eng gefasst? Als Lesetipp sei hier auch Anagnoris Analyse von Sherlock empfohlen (Englisch).

Auf „Sirens“ als ein positiveres Beispiel einer asexuellen Serienfigur wurde hingewiesen. In diesem Falle wird aber eine Frau portraitiert, die anderen Stereotypen ausgesetzt ist als asexuelle Männer.

Und nun das Fazit der Protokollantin: Traurige Wahrheit ist, dass es nicht genug beliebte Serien- und andere Figuren gibt, die als Identifikationsmodell für die asexuelle Community dienen könnten. Deswegen verteidigen wir Sheldon, Dexter und Sherlock mit Zähnen und Klauen als unser Revier, auch wenn wir nicht glücklich darüber sind, wie sie dargestellt werden.

AktivistA 2016: Einige Eindrücke

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Am vergangenen Wochenende fand unsere Konferenz mit überregionalem Treffen für deutschsprachige a_sexuelle Menschen statt.

Da neben den Eindrücken vom Samstag auch noch der Sonntag – inklusive Mitgliederversammlung des Vereins – zu verarbeiten war, hat es zwei Tage gedauert, um alles zu sortieren.

Die Veranstaltung fand am Samstag bis auf eine Mittagspause ausschließlich im Café des Zentrums Weissenburg statt. Ein Bild des liebevoll gestalteten Innenhofs ist oben zu sehen – auf der Veranstaltung gab es aus verschiedenen Gründen ein Fotoverbot.

Insgesamt wussten wohl nicht nur die Vereinsmitglieder zu schätzen, dass wir nicht nur tagsüber, sondern auch abends unter uns waren und nicht aufpassen mussten, ob am Nebentisch jemand mithört. Wir hatten den Eindruck einer entspannten, familiären Atmosphäre, zu der das gemütliche Café als Schutzraum seinen Teil beitrug. Ein dickes Dankeschön an die Weissenburg und Sven, der abends die Theke bemenschte und sich noch an einigen interessanten Gesprächen beteiligte.

Trotz des etwas entzerrten Programms kam es immer noch zu Verspätungen, daher werden wir bei der Planung für das nächste Jahr noch nachbessern.

Die Verspätungen wurden im Übrigen hauptsächlich dadurch verursacht, dass es zu den einzelnen Vorträgen mehr Gesprächsbedarf gab als von uns erwartet – was zumindest dafür spricht, dass die Vorträge interessant waren und Denkanstöße geben konnten. Soweit die Refenrent*innen erlauben, werden wir hier Zusammenfassungen der einzelnen Vorträge geben.

Am Sonntag gab es die Möglichkeit, sich einer Wanderung oder einer Stadtführung anzuschließen. Beide Optionen waren recht verregnet, nachdem uns letztes Jahr eher die Sonne zu schaffen machte.

Weil es außerdem relativ kühl war, endete die Stadtführung für die Führende und ihre tapferen Zuhörer*innen bei beinahe schon klischeehaftem Kuchen und Heißgetränk:

 

 

 

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Wir haben jetzt ein Konto!

Nachdem wir im vergangenen Jahr die Satzung zweimal geändert haben, ist AktivistA nunmehr ein vom Finanzamt anerkannter gemeinnütziger Verein.

Wir dürfen also jetzt Spendenbescheinigungen ausstellen, die steuerlich absetzbar sind, und haben ein brandneues Konto. Wer in die Leiste nach rechts blickt, findet die Daten. Unsere Mission haben wir unter diesem Link hier aufgelistet.

Treffen und Konferenz: Einige Unterkunftshinweise

Bis zum Event sind es noch fünf Wochen, daher habe ich für diejenigen, die noch nicht wissen, wo sie bleiben sollen, einige Links zusammengetragen von Häusern, die noch Betten freihaben.

In Laufnähe der Weissenburg befinden sich beispielsweise das Hotel am Wilhelmsplatz und die Pension am Heusteig.

Laut Suche sehr güngstig wären das A&O Stuttgart City, die Jugendherberge Stuttgart International, und das Apart Hotel Astro. Diejenigen Häuser brauchen dann aber eine Straßenbahnfahrt.

„Andrej ist anders und Selma liebt Sandra“

Für Menschen aus dem Großraum Stuttgart möchten wir auf das Projekt Kultursensible sexuelle und geschlechtliche Vielfalt – “Andrej ist anders und Selma liebt Sandra“ hinweisen.

Worum geht es dabei?

Wir wollen im Projekt besser verstehen, wie über homo-, bi-, trans-, intersexuelle Menschen in verschiedenen Kulturen gedacht wird. Und: Wie stellen sich die Mitglieder verschiedener Kulturen den Umgang mit Menschen vor, die sich nicht in allen Aspekten an die klassischen Geschlechtsvorstellungen halten?

Befragt werden sowohl junge Menschen aus einem traditionellen oder religiösen Umfeld, die eben nicht in die „klassischen Geschlechtsvorstellungen“ passen, sowie andere Personen eben jenes Umfelds, die ihre Meinung zum Thema äußern möchten. Dies geschieht völlig anonym und soll die Verständigung zwischen allen Gruppen verbessern.

Da es auch bei asexuellen Menschen zu Konflikten zwischen den eigenen Wünschen und den Erwartungen des Umfelds kommen kann, sind diese eingeladen, sich zu beteiligen.

CSD Stuttgart: Windig, aber trocken

Wie schon vor drei Jahren waren wir bei der sonntäglichen AIDS-Hilfe-Hocketse des CSD Stuttgart mit einem Infostand vertreten.

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Wegen fotoscheuer Mitarbeiter*innen sehen Sie hier die 1. Vorsitzende sozusagen im Chefinnensessel.

Der Wetterbericht ließ eine Wiederholung schlechter Erfahrungen befürchten – 2013 hatten wir zunächst geschwitzt und waren dann vor einem Hagelsturm geflohen. Diesmal meinten es die Wolken besser mit uns – sie hielten die Temperaturen bei knapp über zwanzig Grad, sahen aber davon ab, uns mit Niederschlag zu ärgern. Nur der Wind versuchte gelegentlich, einige Flyer zu entwenden.

Insgesamt war unser Stand am abgelegenen Ende des Festgeländes eher ruhig in zweierlei Hinsicht – der Andrang hielt sich in Grenzen, dafür mussten wir uns stimmlich weder gegen Schlager noch gegen elektronische Musik durchsetzen, die auf Schiller- und Marktplatz von den Bühnen schallten.

Unterstützt wurden drei Vereinsmitgleider durch drei weitere Personen, die aus Tübingen bzw. dem Frankenland zugereist waren, sodass wir die Durststrecken mit guten Gesprächen füllen konnten.

Obwohl ich den Eindruck hatte, dass die meisten der Anwesenden gezielt zum Fest gekommen waren – nicht wie samstags, wenn die Parade doch einige Tausend Schaulustige anzieht, die eigentlich mit der Thematik nicht viel am Hut haben – war der gefühlte Prozentsatz von „Davon habe ich noch nie gehört“ sehr viel höher als der von unserem Stand in Karlsruhe.

Zu hören gab es denn auch mehr hilflose Bingo-hafte Reaktionen, und die Bonbons wurden diesmal weniger von Kindern sondern vor allem von Erwachsenen genommen, die entweder auf den Süßkram scharf oder auf kostenlose Kalorien angewiesen waren.

Jedenfalls bestätigte sich sowohl das Gerücht von schwäbischer Gründlichkeit – selten so einen ausführlichen Vertrag gesehen – wie auch das von schwäbischer Knauserigkeit, da gewisse Personen durchaus öfter unsere Bonbons mitnahmen, obwohl sie selbst an ihrem Stand Süßigkeiten verteilten …

Trotz der zahlreichen Unwissenden oder genau deswegen konnten wir einige sehr interessante Gespräche führen und zu anderen anwesenden Gruppen nette Kontakte knüpfen.

Heißes Pflaster

Sie wächst mit jedem Jahr – die asexuelle Fußgruppe für den Berliner CSD. Gestern brachten wir es zwischenzeitlich (nicht alle liefen die gesamte Strecke) auf zehn Personen.
Nachdem wir uns etwas zu kurz vor dem Start (im nächsten Jahr sollten wir uns eher treffen) in den Zug eingefädelt hatten, wurden wir zunächst unangenehm geschoben: Direkt hinter uns befand sich der Truck vom Berliner CSD e.V. / Enough is Enough, der vorwärts fuhr, wenn es nur ging, statt uns und den anderen Gruppen etwas Vorsprung zu lassen; die ihn mit einem Seil absichernden Ordner trieben uns beständig an, schneller zu laufen und schienen außerdem die gesamte Veranstaltung nicht allzu ernst zu nehmen.
Nachdem wir uns ein wenig hatten zurückfallen lassen, wurde es besser, wir hatten mehr Platz, konnten mit dem Verteilen unserer Flyer beginnen und unsere Flaggen und Schilder zeigen. Blicke zog vor allem unser neues Transparent mit der Definition „Asexualität: keine sexuelle Anziehung“ auf sich, es wurde vielfach fotografiert. Die Mitlaufenden waren hervorragend vorbereitet, hatten sich in Flaggenfarben gekleidet und gebastelt. Erstmals hatten wir einen Bollerwagen dabei, der all unsere Lasten transportierte, allerdings im anfänglichen Gedränge selbst eine Last war. Dass einige an Sonnencreme gedacht hatten, war sehr weise.
Kurz vor dem Brandenburger Tor stellten wir uns an den Rand, um die anderen an uns vorbeiziehen zu lassen und auf die Weise selbst noch ein bisschen was zu sehen. Es ist doch immer wieder unglaublich, wie laut die Musik auf den großen Trucks ist – dass der Zug in einen leisen und einen lauten Abschnitt aufgeteilt wird, ist wahrlich eine gute Idee.
Nun aber ein paar Bilder. Gesichter von Nicht-Vereinsmitgliedern sind unkenntlich gemacht, da sie nicht gefragt wurden, ob sie zu sehen sein möchten. (mehr …)

Spannende und tiefgründige Diskussionen nach Vortrag in Münster

Vor zwei Tagen durfte ich auf Einladung des Lesben- und Schwulenreferats der Uni Münster einen Vortrag über A_sexualität in dem wunderschönen Schloss der Stadt halten. Ein fürstliches Setting, was durch das rege Interesse des Münsteraner Publikums noch getoppt wurde. Wie beim Vortrag in Hannover wurde auch hier erneut die Frage gestellt, ob viele transgender Personen sich als asexuell bezeichnen, eine Frage, zu der ich abermals keine Auskunft geben konnte. Wer diesen Text also lesen sollte und eine Antwort darauf hat bzw. weiß, wo ich dem mal auf den Grund gehen könnte, melde sich! 🙂
Nach dem Vortrag ging es noch mit einigen Teilnehmer_innen ins Lokal f24, wo mehrere interessante Diskussionen über den Umgang mit Sexualität in unserer Gesellschaft etc. geführt wurden und eine Gruppe von Teilnehmer_innen die anderen über asexuelle Symbole aufklärte.
Ein schöner und abermals sehr bereichernder Abend!

Treffpunkt CSD Berlin 2016

Nachdem die Route für den diesjährigen Berliner CSD nun feststeht, konnte ein Treffpunkt für die Fußgruppe aus Vereinsmitgliedern und Unterstützer_innen festgelegt werden. Wir treffen uns um 12 Uhr vor der Botschaft der Republik Ecuador, Joachimsthaler Straße 10-12, und werden uns dann in den für Fußgruppen reservierten vorderen Teil des Zugs einreihen.
Wer gern mitlaufen möchte und sich bisher noch nicht kundgetan hat, schreibt am besten kurz an irina@aktivista.net. Die Inhaberin dieser Adresse freut sich auf eine schöne Demo gemeinsam mit allen anderen teilnehmenden Gruppen und geht davon aus, dass sich ihre Füße bis dahin vom gestrigen CSD Cottbus erholt haben.

Ankündigung: Konferenz und überregionales Treffen für deutschsprachige A_sexuelle

Nachdem nur noch einige Details fehlen, möchten wir hiermit offiziell auf AktivistA 2016 hinweisen: das zweite große überregionale Treffen mit Konferenz für deutschsprachige A_sexuelle.

Wir haben das Programm diesmal etwas entzerrt und Wege gekürzt, sodass mehr Zeit für den persönlichen Austausch bleibt. Außerdem freuen wir uns auf fünf interessante Vorträge, und sind äußerst geschmeichelt, Dr. Jana Fedkte (American University of Sharjah), Annika Spahn (Universität Freiburg/Breisgau) und Isabelle Hlawatsch (Freundeskreis transidentischer Menschen Ulm) begrüßen zu dürfen.

Wie gehabt findet das Treffen in Stuttgart im Zentrum Weissenburg statt, diesmal am Samstag, dem 17. September.

Den aktuellen Stand des Programms sowie das Anmeldeformular findet ihr unter http://aktivista.net/aktivista/aktivista-2016/.

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