Gerade so trockenen Fußes – CSD Karlsruhe 2017

Bei recht warmem Wetter und verschärften Sicherheitsvorkehrungen fand der CSD Karlsruhe statt. In Anbetracht der Tatsache, dass in Karlsruhe-Durlach die Neonazis zum Aufmarsch und unter anderem der DGB zur Gegendemo gebeten hatten, war das Gelände umzäunt und sehr viel nette Security zu sehen, von der sich Berliner letztes Jahr mehr als eine Scheibe hätten abschneiden können.

Der Stand wurde von Fachfremden genauso besucht wie von anderen Aces, sodass die neuen Kätzchen-Buttons bald und die Glücksradgewinne gegen 16 Uhr alle waren. (Wir lassen nachproduzieren, ja.) Nur von den Bonbons blieb übrig …

… obwohl das gutgelaunte Standpersonal …

 

 

… kräftig bei der Vernichtung selbiger mithalf.

Der seltsamen Gespräche wird es immer weniger. Irgendwer beklagte sich über unsere Flagge, wollte aber nicht genau sagen, was ihn genau daran störte. (Wir ändern sie trotzdem nicht, danke.)

Eine andere Person, eine Prostituierte/Sexarbeiterin, textete uns zu, dass Orgasmen in Gesellschaft doch das tollste überhaupt seien und dass sie unsere Philosophie nicht verstehe. Mit zahlreichen Details, die ich nicht weitergeben will – too much information, wie es so schön heißt – und einer recht herablassenden Art: Wir müssten uns eben nur mal richtig entspannen. Offenbar ein Mensch, der sich selbst gern reden hörte und absolut nicht davon zu überzeugen war, dass meine (und andere) asexy Hirnverschaltungen eben explizit keine Philosophie sind.

Ansonsten gingen wir immer viele Broschüren weg, und nun ja: Falls sich eine qualifizierte Person berufen fühlt, eine Beratungshotline/-webseite zu eröffnen, bitte uns kontaktieren. Im Verein haben wir derzeit keine SozPäds, die das übernehmen könnten, und ein Bedarf, den forenbasierte Selbsthilfe nicht auffagen kann, ist offensichtlich da.

Kurz nach 18 Uhr packten wir zusammen, und räumten alles in Auto, gerade als es anfing, richtig zu regenen. Ausnahmsweise also Regen und trotzdem nicht nass geworden.

Eine kurze Zusammenfassung der Gesamtereignisse gibt es hier, außerdem sammelt der CSD-Verein Fotos.

 

CSD Karlsruhe: Bunte Liebe statt brauner Hass

Kurzentschlossene können uns morgen, am 3. Juni, auf dem CSD Karlsruhe einen Besuch abstatten – wir haben auf dem Familienfest am Stephanplatz einen Infostand.
Der CSD kann im Übrigen auch sonst zahlreiches Erscheinen gebrauchen, denn zeitgleich findet in Durlach, einem Stadtteil von Karlsruhe, eine Versammlung von Neonazis statt. Daher auch das Motto dieses Jahr.

Treffpunkt CSD Berlin 2017

Die Route für die Demo am 22. Juli steht nun fest und Treffpunkt und -zeit für unsere Fußgruppe ebenfalls: Wir sehen uns um 11:15 Uhr vor der Botschaft der Republik Ecuador, Joachimsthaler Straße 10-12.
Kommet in Scharen, lasst uns Asexualität beim Berliner CSD sichtbar machen!

 

Neue Buttons

Nachdem große Teile unserer alten Kollektion dem Rost zum Opfer fielen, möchten wir hiermit die brandneuen Teile vorstellen:

buttons_foto

Wie gehabt werden diese bei den Infoständen erhältlich sein, ebenso bei der Konferenz und ganz altmodisch zum Selbstkostenpreis für 0,50 € pro Stück plus Porto per Post.

AktivistA 2017 – letzter Programmteil für Samstag steht

Tusch und großer Vorhang:

Unser Aufruf bzw. Call for Submissions vor einigen Wochen war erfolgreich!

Der fantastische Jordan T. A. Wegberg wird uns beehren. Geplant ist eine Mischung aus einer Lesung aus einem noch nicht veröffentlichten Skript, dessen eine Hauptfigur a_sexuell ist, Informationen über die diesbezügliche Recherche und Diskussion über eigene Erfahrungen der Zuhörenden.

Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen, dass mensch Jordan mit Genuss lauschen kann (sofern mensch nicht gehörlos ist).

 

CSD Berlin 2017

Es ist noch eine Weile bis zum Tag X, aber wir weisen schon einmal darauf hin, dass AktivistA auch in diesem Jahr wieder mit einer Fußgruppe am CSD Berlin teilnehmen wird, der am 22. Juli stattfindet. Wie immer freuen wir uns über Verstärkung – Papier zum Verteilen, Schilder zum Tragen sowie ein Bollerwagen für das Marschgepäck sind vorhanden, ein paar Hände und Füße können wir noch gebrauchen. 🙂 Nähere Angaben zu Treffpunkt und Uhrzeit werden rechtzeitig folgen.

AktivstA 2017: Programm und Call for Submission

Ein halbes Jahr vor der Konferenz mit überregionalem Treffen, kurz AktivistA 2017, haben wir folgenden Stand zum Programm:

Am Sonntag gibt es diesmal eine Führung durch die SchwuLesBische Stadtgeschichte.

Für den Samstag haben wir Zusagen von Annika Spahn (Regenbogenreferat Uni Freiburg), von der Regisseurin des Kurzfilms „Herz Ass“, den wir auch anschauen werden, und von Elli (vom Handyfeuerzeug), die ebenfalls die Popkultur in Form von Spielfilmen und Comics unter die Lupe nehmen wird. PANdemiC (bekannt unter diesem Namen aus dem AVEN-Forum) wird über „Vorteile und Gefahren nicht-monogamer Beziehungsformen für Aces und Aros“ sprechen.

Und damit kommen wir zum zweiten Teil:

Call for Submission

Wir haben fünf Plätze zu vergeben, aber bislang nur vier Vortragende. Falls hier wer mitliest und und uns gerne am 16. September in Stuttgart mit einem ca. 45-minütigem Vortrag beehren möchte, schreibe uns bitte über das Kontaktformular oder die Mailaddresse corinna(bei)asex-web(punkt)de.

Wir freuen uns über asex-spezifische Themen genauso wie über Einblicke in andere Teile des Akronyms (LSBTTIQAPundsoweiter) bzw. deren Überlappungen mit A_sexualität. Wir erwarten ca. 25 bis 35 Menschen mit sehr unterschiedlicher Vorbildung zu diesen Themen.

Die Fahrtkosten können wir je nach Höhe ganz oder größtenteils erstatten.

AktivistA 2017: Übernachtungsmöglichkeiten und Programm für Sonntag

Noch ist viel Zeit bis zur Konferenz mit Treffen, aber die ersten Anmeldungen sind schon da.

Übernachtungsmöglichkeiten gibt es einmal in Laufnähe der Weissenburg: Das Hotel am Wilhelmsplatz, die Pension am Heusteig (die Webseite der Pension selbst sieht allerdings gerade nicht gut aus), und das Hotel Find. Ein bisschen weiter, aber für Leute, die gut zu Fuß sind, auch machbar sind das Hotel Merit und das Hotel Abalon ideal (etwas teurer als die anderen).

Laut Suche recht güngstig wären das A&O Stuttgart City, die Jugendherberge Stuttgart International, und das Apart Hotel Astro. Diejenigen Häuser brauchen dann aber eine Straßenbahnfahrt.

Abgesehen davon haben wir für den Sonntag eine Stadtführung der besonderen Art für euch: Jemand vom Zentrum Weissenburg wird uns Einblicke in die schwulesbische Geschichte der Landeshauptstadt geben. Die Führung ist für euch kostenlos, aber die Weissenburg freut sich natürlich über Spenden.

Queere Ringvorlesung: Folien und Hinweise

A_sexualität: Wissenschaftliche Grundlagen

Dieser Artikel kann leider keinen vollständigen Überblick über den Stand der Forschung bieten.

Da alle Artikel und Bücher nur auf Englisch verfügbar sind, und „asexuality“ hier nur „Asexualität“ ohne das Spektrum meint, verzichtet die Redakteurin auf den Unterstrich.


Glossar für Menschen, die nicht so oft mit wissenschaftlichen Artikeln zu tun haben:

„Abstract“: eine Zusammenfassung der Studienergebnisse, die im Gegensatz zur Studie selbst meistens kostenfrei online zugänglich ist

„signifikant“ heißt, dass eventuell gefundene Unterschiede zwischen zwei Gruppen einer statistischen Prüfung standhalten und auf größere Gruppen übertragbar sind.


Kinseys Modell der sexuellen Orientierung

  • Kinsey, A. C, Pomeroy, W. B., and Martin, C. B. (1948). Sexual Behavior in the Human Male, W. B. Saunders, Philadelphia, PA.
  • Kinsey, A. C, Pomeroy, W. B., Martin, C. E., and Gebhard, P. H. (1953). Sexual Behavior in the Human Female, W. B. Saunders, Philadelphia, PA.

Kinseys Modell ist auch Grundlage des AVEN-Dreiecks. Kinsey schlägt eine Achse vor, um die sexuelle Orientierung zu bestimmen, von 0 (ausschließlich heterosexuelle Anziehung) bis 6 (ausschließlich homosexuelle Anziehung), mit diversen Abstufungen der Bisexualität dazwischen, ausgehend von tatsächlichen und erwünschten Erfahrungen sowie Fantasien.

Eine Gruppe passt nicht in dieses Schema, da sie kein Interesse an irgendwelchen Erfahrungen bekundet, und wird als „X“ – „Menschen ohne sozio-sexuelle Kontakte oder Reaktionen“ von ihm weitgehend ignoriert.

Storms’ Modell

  • Storms, M. D. (1978) „Sexual Orientation and Self-Perception“ in P. Pliner K. R. Blankenstein and I.M. Spigel (Eds), Advances in the Study of Communication and Affect vol. 5 Perception of Emotion in Self and Others. New York. Plenum

Storms trägt homoerotische und heteroerotische Anziehung jeweils auf einer x- und einer y- Achse auf, dadurch entsteht ein Bereich, in dem sowohl die eine wie die andere Anziehung minimal sein kann, und benutzt dafür die Begriffe „asexual“ und „anerotic“.

Das Modell funktioniert besser als Kinseys, weil eine Erhöhung von homosexueller Anziehung nicht notwendigerweise mit einer Verringerung der heterosexuellen Anziehung einhergehen muss.

Beide Modelle tragen wegen ihres relativen Alters nicht der Tatsache Rechnung, dass es auch Menschen mit nicht-binärer Geschlechtsidentität gibt, also solche, die sich weder als Männlein noch als Weiblein identifizieren können.

Bogaerts Grundlagenforschung

Bogaert verwendete Daten aus einer Befragung von 18’000 britischen Bürgern. Etwa 1% der Befragten kreuzten „ich habe mich noch nie sexuell zu jemandem hingezogen gefühlt“ an. Bogaert versucht in der Studie, „Ursachenforschung“ zu betreiben – unter den 195 untersuchten Menschen waren mehr Frauen als Männer, mehr „Spätzünder“, mehr kurz gewachsene als sehr große, mehr schlecht gebildete als Leute mit Universitätsabschluss u. v. a. mehr. Er kommt zu dem Schluss, dass Asexualität wahrscheinlich durch diverse biologische und soziale Faktoren bedingt wird. (Was ungefähr der Stand für jede sexuelle Orientierung sein dürfte.)

Außerdem vom selben Autor:

  • Bogaert A. F. (2006). Toward a Conceptual Understanding of Asexuality. Review of General Psychology, 10, 241-250
  • Bogaert, A. F. (2008). Asexuality: Dysfunction or variation. in J. M Caroll & M. K. Alena (eds). Psychological Sexual Dysfunctions. New York: Nova Biomedical Books. pp. 9-13.

Im ersten Artikel beschäftigt er sich eher mit der Definition – er schlägt “empfindet keine sexuelle Anziehung” vor. Im zweiten Artikel zieht er einen Vergleich mit der Hypoactive Sexual Desire Disorder (HSDD). Er kommt laut Abstract zu dem Schluss, dass Asexualität eine sexuelle Orientierung und keine Störung ist.

Seine Ergebnisse und Überlegungen hat er auch in einem Buch zusammengefasst: „Understanding Asexuality“, Lanham, 2012

Wie definieren wie A_sexualität am Besten, und was ist das eigentlich?

  • Prause, N & Graham, C. A. (2007) Asexuality: Classification and Clarification. Archives of Sexual Behavior, 36, 341-35

An einer Online-Befragung nahmen auch 41 Asexuelle teil, die sich, im Gegensatz zu Bogaerts Versuchpersonen, tatsächlich als asexuell identifizierten.

Asexuelle haben laut Abstract signifikant weniger Interesse an Sex mit einem Partner und sind weniger leicht sexuell erregbar. Keine Unterschiede wurden gefunden, was sexuelle Gehemmtheit und die Häufigkeit von Masturbation anging.

  • Brotto, L. A., Knudson, G., Inskip, J., Rhodes, K., & Erskine, Y. (2010). Asexuality: A mixed methods approach. Archives of Sexual Behavior, 39, 599-618.

187 Asexuelle wurden via AVEN rekrutiert und online befragt. Wichtig: keiner der Befragten war mit seinem sex-losen Dasein an sich unglücklich. Außerdem versuchten Brotto et al. herauszufinden, welche Definition von Asexualität am besten funktioniert: Mangel an sexueller Anziehung, sexuellem Verhalten oder Erregbarkeit (entspricht in etwa dem, was die Niederländischen AVENler als „born without sexual feelings“ bezeichnen.) Am nützlichsten erwies sich „lack of sexual attraction“.

Am wenigsten aussagekräftig dürfte eine Aussage zum tatsächlichen sexuellen Verhalten sein. Diverse Selbsthilfegruppen für schwule Väter sprechen eindeutig gegen ein solches Konzept.

  • Brotto, L. A., & Yule, M. A. (2011). Physiological and Subjective Sexual Arousal in Self-Identified Asexual Women, Archives of Sexual Behavior, 40, 699-712

38 Frauen, davon 7 Asexuellen, wurden nicht-erotische und erotische Filmsequenzen vorgespielt, dabei wurde die Vaginalpulsamplitude (VPA) gemessen und hinterher u.a. die empfundene Erregung abgefragt.

Die VPA und die selbst eingeschätzte Erregung war bei allen Gruppen während des erotischen Films etwa gleich, allerdings fanden sich bei den Asexuellen weniger positive Gefühlsregungen und weniger sinnlich-sexuelle Anziehung. Keine Unterschiede gab es bei negativen Gefühlen und Ängstlichkeit.

Offensichtlich funktionieren die physiologischen Reaktionen bei asexuellen Frauen völlig normal – damit ist als Ursache für Asexualität eine sexuelle Störung quasi ausgeschlossen.

  • Brotto, L. A., & Yule, M. A. (2016): Asexuality: Sexual Orientation, Paraphilia, Sexual Dysfunction, or None of the Above?, Archives of Sexual Behavior, doi:10.1007/s10508-016-0802-7

Dieser Artikel gibt einen Überblick über die bisherige Forschung, ob Asexualität als eine sexuelle Orientierung gewertet werden kann. Übersetztes Zitat aus dem Abstract: “Es gibt einige Belege, dass ein Teil der sich selbst als asexuell beschreibenden Meschen eine Paraphilie haben. Wir betrachten außerdem Belege, welche die Einordnung von Asexualität als eine eigenständige sexuelle Orientierung unterstützen. Wir schließen, dass Asexualität eine heterogene Entität ist, die wahrscheinlich die Kriterien für eine sexuelle Orientierung erfüllt …”

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