Offener Brief zum Podcast Nummer 35 „Asexualität“

Sehr geehrtes Team der Rheinischen Post, sehr geehrte Frau Kader-Tjijenda,

Ich schreibe Ihnen im Namen von AktivistA n.e.V., dem Verein zur Sichtbarmachung des asexuellen Spektrums.

Vor Kurzem hat mein Suchmaschinen-Alarm zum Thema „Asexualität“ mir Ihren Podcast vom 16. Mai in den elektronischen Briefkasten gespült. Da mein Verein immer auf der Suche nach fundierten Informationen ist, die wir verlinken können, habe ich mir den Podcast #35 angehört.

Ich muss gestehen, dass wir als Verein die Botschaften, die Sie mit dem Podcast verbreiten, für überaus fragwürdig halten.

Erstens hat sich keine der beteiligten Personen die Mühe gemacht, sich mit der Definition von Asexualität auseinanderzusetzen, die derzeit innerhalb der Communities und der Wissenschaft verwendet wird. Stattdessen wird Asexualität mit „keine Lust auf Sex“ erklärt, was aber nicht korrekt ist.

Zweitens herrscht innerhalb der Wissenschaft zwar keine Einigkeit, ob Asexualität eine sexuelle Orientierung ist, als eine Entwicklungsstörung betrachten es die renommiertesten Forschenden auf dem Gebiet aber keinesfalls. Egal ob es eine sexuelle Orientierung ist oder nicht: Es funktioniert wie eine. Es ist ein meist überaus stabiler Mangel an sexueller Anziehung, und es gibt dafür auch biologische Indikatoren. (Wie homosexuelle Menschen sind beispielsweise mehr asexuelle Menschen nicht rechtshändig als der Durchschnitt.) So etwas wäre ohne Probleme nachzulesen oder bei uns als Verein zu erfragen gewesen.

Drittens verbreiten Sie die Nachricht, dass Asexualität zu therapieren sei. Wir halten diese Behauptung für irreführend.

Sie erklären, dass Sexualität erlernt werden könne, wie beispielsweise Fahrradfahren. Müsste man daher homo- und asexuelle Menschen nur richtig konditionieren, damit sie heterosexuell werden? Könnte man die allosexuelle Person (also die nicht-asexuelle Person) in einer gemischten Beziehung nicht entkonditionieren, damit sie wieder asexuell wird? Wieso sollte sich nur eine der beteiligten Parteien anpassen?

Viertens ist es so, dass viele asexuelle Menschen sich mit sexuellen Handlungen unwohl fühlen und sich eindeutig mit dem Versuch schaden, entgegen ihrer Neigungen zu leben. Sie leiden unter dieser Selbstverleugnung und lassen Grenzüberschreitungen zu, um nicht negativ aufzufallen. Wenn Sie eine Behandlung anpreisen, verursachen Sie damit immensen Druck auf asexuelle Menschen, sich weiter zu verbiegen und sich einer für sie wahrscheinlich schädlichen Therapie zu unterziehen. Sie erhöhen den Normierungsdruck auf Menschen, die ohnehin schon mehr oder weniger unter Minderheitenstress leiden.

Wir wüssten gerne, woher Claudia Kader-Tjijenda die Thesen hat, die sie vertritt.

Fünftens hätten wir uns gefreut, wenn Sie nicht über, sondern mit uns als sexueller Minderheit gesprochen hätten. Dass Sie es nicht getan haben, zeigt uns genauso wie Claudia Kader-Tjijendas Thesen, wie gut die Vorbereitung war und was Sie von asexuellen Menschen halten. Es hätte sich wohl gelohnt, wenn Sie sich mit unserem Verein, Vivian Jückstock, Dr. Andrea Burri vom ISCSS Zürich oder mit Annika Spahn in Verbindung gesetzt hätten, die sicher aufschlussreichere Erklärungen zu bieten gehabt hätten. Wir hätten Ihnen allerdings nicht versprechen können, dass Asexualität wieder weggeht.

 

Mit besten Grüßen,

der Vorstand von AktivistA n.e.V.

Durchwachsenes Ergebnis: CSD Karlsruhe 2019

Für den CSD in Karlsruhe waren wir dieses Jahr mit strahlendem Sonnenschein gesegnet. Glücklicherweise waren die Infostände unter Bäumen gruppiert, sodass sich die Wärmebelastung einigermaßen in Grenzen hielt. Wir hatten ein bisschen Merchandise dabei: Neben den Buttons auch ein paar Silikonarmbänder und Flaggen, die nicht mal bis 12 Uhr hielten.

Ein Teil der Standbesetzung, größtenteils weitgereist.
Die Auslage wird auch jedes Jahr größer. Das asex-web ist eben sehr rührig.

Die Buttons hätten bis zum Schluss gereicht, hätte nicht ein seltsamer Mensch uns um fünf eine der Boxen gestohlen. Es waren noch etwa fünf Katzen-, zehn Kuchenstück- und zwanzig Demi-Buttons drin. Was will irgendwer mit dem vielen Krams? Klauen zum Eigenbedarf verstehe ich ja, aber so viele Buttons … nu ja.

Falls es wer bei Ebay findet, sagt uns Bescheid.

Zum ersten Mal hatte AktivistA in Süddeutschland eine eigene Fußgruppe für die Demoparade angemeldet.

Unsere Startnummer.

 

Ein bisschen optische Extravaganza für die Demoparade muss sein.

Die ganze Sache lief aber ziemlich chaotisch. Nicht nur, dass die Startnummer 11, Bi-in-BW, kurzfristig ausgefallen war, sondern auch, dass das allgemeine Demo-Volk sich munter zwischen die einzelnen Fußgruppen mischte. Von einem kohärenten Auftritt mit eigener Botschaft blieb da nicht mehr viel übrig. Unzählige müssen die farblich passenden Luftballons an unserem neuen Handwagen gesehen, aber keinen Flyer zu den Fragen bekommen haben. Auch meine Ordnerbinde trug ich eher pro forma, da ich gar nicht in der Lage gewesen wäre, meine Gruppe in dem Gewimmel zusammenzutrommeln, geschweige denn zu ordnen. Und gegen eine Panik oder Schlägerei wäre ich wohl nur mit einem Notruf angekommen.

Entsprechend gering fiel auch der Flyerverbrauch aus: Unter 1000 Stück.

Aber immerhin: Es nahm ein Haufen Leute an dieser doch sehr Demo-artigen Demoparade teil. (Mehr Bilder bei der Seite des CSD Karlsruhe.)

Positiv stachen zwei Kirchengemeinden ins Auge. Die katholische Jugendgemeinde hatte Sprüche auf die Straße gemalt. Neben Bibelzitaten gab es auch ein „Es heißt Bibel, nicht Heterobel“, womit zum Grundton alles gesagt sein dürfte. Etwas weiter bei St. Stepahn verteilten nette Christenmenschen Gummibären und Becher mit Wasser.

Ingesamt sind wir aber zufrieden mit der Bilanz. Die Gesichter von Menschen, die zum ersten Mal in ihrem Leben andere Aces live treffen, freuen uns jedes Mal aufs Neue, und es gab wieder Dutzende allosexuelle Menschen, die uns interessierte und ernstgemeinte Fragen stellten.

Vortrag in Karlsruhe im Mai

Die CSD Saison wirft ihre Schatten voraus! Am 1. Juni steht der erste Infostand für uns in Karlsruhe an. Außerdem beteiligen wir uns dieses Jahr auch am Rahmenprogramm des CSD mit einem Vortrag mit anschließender Fragerunde. Karlsruhe demonstriert, informiert und feiert dieses Jahr unter dem Motto: „Geschlecht: ☐ ja ☐ nein ☐ vielleicht ☑ wieso?“ und wie unschwer zu erkennen, ist davon auch der Vortragstitel inspiriert. Nun folgt der Ankündigungstext, Zeit und Ort findet ihr am Ende 😉 Herzliche Einladung an alle, die in der Gegend sind und Interesse haben.

Sex:  ☐ ja ☐ nein ☐ vielleicht ☑ wieso? – Vielfalt der Asexualität

Asexualität gehört zu den eher unbekannten sexuellen Orientierungen. Daher haben viele Leute nur unklare Vorstellungen, was genau es damit auf sich hat – sofern sie überhaupt schon einmal davon gehört haben. Außerdem sind diverse Fehlinformationen und Mythen im Umlauf. Zumindest mit einigen davon will dieser Vortrag aufräumen: Asexualität ist komplex und voller Facetten. Der Vortrag vermittelt Grundlagen zu Asexualität und die wichtigsten Begriffe dazu. Außerdem will er zeigen, welche Bedürfnisse dahinterstecken können und wie vielfältig Asexualität sein kann. Im Anschluss an den Vortrag wird es die Möglichkeit für Nachfragen und Gespräche geben.

Samstag, 18.5.2019 16.30 bis 18 Uhr, Saal im ibz – Internationales Begegnungszentrum e.V., Kaiserallee 12 d, Karlsruhe

Eine Veranstaltung im Rahmenprogramm des CSD Karlsruhe 2019 von AktivistA – Verein zur Sichtbarmachung des asexuellen Spektrums.

CSD Karlsruhe 2019: Wer demonstriert mit?

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Bald ist wieder Sommer und die CSD-Saison nähert sich mit großen Schritten.

Für Karlsruhe haben wir wie immer einen Infostand geplant und werden außerdem dieses Jahr eine eigene Fußgruppe bei der Demoparade organisieren.

Wir freuen uns über alle, die eine Flagge aus dem asexuellen Spektrum wehen lassen wollen (und wenn wer eine Aromanti-Flagge hat: ihr dürft logischerweise auch kommen). Es gäbe Banner zu tragen und für Mutige auch Flyer zu verteilen.

Wer sich an die Öffentlichkeit traut und Zeit hat:

CSD Karlsruhe am Samstag, 1. Juni 2019. Die Demoparade startet um 14 Uhr auf dem Stephanplatz.

 

 

Neuer Untertitel

Das neue Jahr bringt eine kleine Neuerung mit sich: Wir haben beschlossen, den Untertitel unseres Namens von „Verein zur Sichtbarmachung von Asexualität“ in „Verein zur Sichtbarmachung des asexuellen Spektrums“ zu ändern.
Der Grund dafür: Wir möchten Menschen stärker ansprechen, die sich als gray-A, demisexuell etc. verstehen. Außerdem möchten wir die Öffentlichkeit darauf aufmerksam machen, dass A_sexualität auf einem Spektrum existiert und die Empfindungen und Erfahrungen von Menschen innerhalb dieses Spektrums sich stark voneinander unterscheiden können.
Wir werden den Untertitel auf unserem Material nun nach und nach ändern. In Arbeit ist übrigens auch ein eigener Flyer zum Thema Demisexualität.

AktivistA 2019: Bitte um Beiträge/Call for Submissions

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Auch dieses Jahr wird es eine neue Auflage unseres überregionalen Treffens mit Konferenz geben, und zwar vom 20. bis 22. September. (Details und Anmeldung wie immer auf einer eigenen Unterseite.)

Diesmal haben wir drei offene Slots für Beiträge.

Falls hier wer mitliest und uns am Samstag, den 22. September in Stuttgart mit einem ca. 45-minütigem Vortrag oder Workshop beehren möchte, oder einen Kurzfilm zu zeigen hat, oder, oder, oder, schreibe uns bitte über das Kontaktformular oder an die Mailaddresse corinna(bei)asex-web(punkt)de.

Wir freuen uns über asex-spezifische Themen genauso wie über Einblicke in andere Teile des Akronyms (LSBTTIQAPetc.), außerdem über alle anderen Themen, die sich mit A_sexualität überlappen. Wir erwarten ca. 25 bis 40 Menschen mit sehr unterschiedlicher Vorbildung zu diesen Themen.

Wie gehabt tragen wir gerne die Fahrtkosten und Mittagessen.

AktivistA 2019: Termin steht

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Wir können stolz berichten, dass unsere Konferenz 2019 in die fünfte Runde gehen wird. (Uff. So lange machen wir das schon?)

Wie gehabt werden wir in Stuttgart tagen und haben uns diesmal fernab der Ferien den 20. bis 22. September ausgesucht.

Mit dem Sonntag experimentieren wir weiter, daher gibt es diesmal eine gemütliche Runde nach dem Frühstück in der Weissenburg.

Wer kommen möchte: Bitte benutzt unbedingt das Formular auf der entsprechenden Unterseite. Wir haben nur vierzig Plätze und müssen entsprechend planen.

Wir freuen uns auf euch!

Lesefutter die Dritte

Da passend zur Asexual Awareness Week eine Rezension auf einem Buchblog erschien, die einen deutschsprachigen Roman mit asexuellen Figuren betraf, und ich krank war, habe ich mir das Teil in elektronischer Form gekauft.

Es handelt sich um „Perfect Rhythm – Herzen im Einklang“ von Jae, das beim Ylva-Verlag erschienen ist.

Worum geht’s?

Wir folgen dem ausgebrannten Popstar Leontyne Blake in ihn Heimatdorf in Mississippi, wo ihr Vater nach einem Schlaganfall stark pflegebedürftig ist. Weil Leo lesbisch ist und lieber die Popmusik als Klassische Musik als Karriere verfolgen wollte, haben die beiden seit vierzehn Jahren nicht mehr miteinander gesprochen.

Das ist der Hintergrund für eine Romanze, die sich zwischen Leo und der Krankenschwester ihres Vaters entspinnt: Holly fasziniert Leo vom ersten Tag an. Holly taut sehr viel langsamer auf. Erst hält sie Leo für eine arrogante, verwöhnte Schnepfe, dann steht ihr die Tatsache im Weg, dass sie asexuell ist. Dass Leo auf ihre Eröffnung entspannt reagiert und es trotzdem mit ihr versuchen möchte, kann sie nach ein paar gescheiterten Beziehungen kaum glauben.  Leo hingegen ist nebenbei damit beschäfigt, ihr komplettes Leben auf den Prüfstand zu stellen: Sie hat Unmengen Geld, die Fans lieben sie, aber ist sie glücklich?

Vom erzählerischen Standpunkt aus:

Bis auf die Tatsache, dass die Autorin sich das mit dem Songtexten nochmal überlegen sollte, erinnert sich meine innere Lektorin an exakt ein überflüssiges Komma. Jae beherrscht ihr Handwerk des Liebesromanschreibens und der Verlag hat in ein sorgfältiges Korrektorat investiert.

Und ja, es ist ein Liebesroman, daher kann es sein, dass manche die Entwicklungen etwas überstürzt finden und dass alles ein bisschen zu perfekt passt. Der an Liebesromane gewöhnte Rest lehne sich entspannt zurück und seufze romantisch: Sie werden nicht enttäuscht.

Vom asexy Standpunkt aus:

Der Roman spielt in einer Kleinstadt, wo neben Holly als geouteter „Lesbe“ offenbar nur noch eine andere queere Person rumstolpert, nämlich ihre ungeoutete Exfreundin. Wir haben also kein Ensemble aus dem asexuellen Spektrum, das persönlich anwesend sein kann. Holly und damit die Autorin verlassen sich, wie so ziemlich alle asexuellen Menschen jenseits der Stammtisch-Epizentren, daher auf Internetkontakte. Es wird ein anderes Ace näher vorgestellt: Meg mit ihrer queerplatonischen, allosexuellen Partnerin Jo.

Die unterschiedlichen Reaktionen von Menschen auf Holly wirken sehr real, es kann also sein, dass manche sich da wiederfinden.

Die Darstellung von Holly als sex-favorable, romantisch veranlagtes Ace wirkt stimmig — wobei hier Hinweis: Es gibt eine Sexszene, vor der die Autorin aber auch noch mal gesondert warnt. Auch diese Szene wirkt stimmig zu dem, was ich so mitgekriegt habe. Nichts wird überstürzt und Holly ist hinterher nicht irgendwie „geheilt“.

Fazit:

Es ist ein Liebesroman, soll also eine Feel-Good-Atmosphäre verbreiten, was ihm auch mühelos gelingt. Wer auf gut gemachte Unterhaltung mit ein bisschen US-Flair steht, wird hier fündig.

 

 

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